Die EEG-Umlage und der Mittelstand – ein warnendes Beispiel

Strompreis-Alarm: In der Firma Friedrich Wenner ist der Zählerstand Chefsache

Beim Mittelständler Friedrich Wenner hat man den Stromverbrauch deutlich reduziert. Unterm Strich hat der mittelständische Verpackungshersteller aber fast nichts davon – wegen der immer weiter steigenden EEG-Umlage.

Akribisch: Firmenchef Stephan Potthoff-Wenner am Zähler. Foto: Scheffler

Akribisch: Firmenchef Stephan Potthoff-Wenner am Zähler. Foto: Scheffler

Ausgeklügelt: Nils Ellwart an der Anlage, die die Verteilung selbst erzeugter Wärme steuert. Foto: Scheffler

Ausgeklügelt: Nils Ellwart an der Anlage, die die Verteilung selbst erzeugter Wärme steuert. Foto: Scheffler

Unermüdlich: Roboter, die schwere Kartonagen verarbeiten, brauchen laufend Strom. Foto: Scheffler

Unermüdlich: Roboter, die schwere Kartonagen verarbeiten, brauchen laufend Strom. Foto: Scheffler

Versmold. Der Energieverbrauch in seinem Betrieb steht bei Stephan Potthoff-Wenner ganz oben auf der Liste. Selbst das Ablesen von Zählerständen ist Chefsache!

„Das ist für uns ein sehr wichtiges Thema“, sagt er, „vor allem wegen der hohen Kosten durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das mit der EEG-Umlage gerade den deutschen Mittelstand enorm belastet.“

Potthoff-Wenner ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma Friedrich Wenner in Versmold (Nordrhein-Westfalen). Die 60 Mitarbeiter stellen Lebensmittelkartonagen aus Vollpappe her. „Das wird immer mehr zur Herausforderung“, betont Potthoff-Wenner, „denn die Kunden wollen niedrigere Preise, die Lieferanten mehr Geld – und dazu kommen dann immer weiter steigende Energiekosten.“

Der Betrieb hält gegen, so gut es geht. 2009 begann ein Effizienzprogramm, um den Verbrauch von Strom, Gas und Heizöl zu senken. Nils Ellwart, verantwortlich für die Betriebstechnik, ist ständig „auf der Suche nach Energiefressern“. Das Problem: „So ein Betrieb verbraucht jede Menge Strom – aber keiner wusste genau, wo.“ Ellwart baute Hunderte Zähler an Maschinen und Anlagen, um alle Verbrauchswerte zu erfassen. „Mit Tabellen und Grafiken haben wir die Ergebnisse sichtbar gemacht“, erläutert Potthoff-Wenner. Besonders energiehungrige Technik wurde dann ersetzt oder umgebaut.

Ein Beispiel: zwei alte Kompressoren zur Erzeugung von Druckluft. Ihre Abwärme wurde früher übers Dach abgeleitet, ging verloren. Deshalb investierte der Mittelständler in fünf kleinere, moderne Anlagen: Die springen bei Bedarf an, und ihre Abwärme wird nun zum Heizen genutzt.

Zusätzliche Energie liefern etwa ein Blockheizkraftwerk und eine Fotovoltaikanlage. Dabei zirkuliert die gesamte selbst erzeugte Wärme über ein Rohrsystem, die Gasheizung springt deshalb nur noch an, wenn sie zusätzlich gebraucht wird.

Um zudem Verbrauchsspitzen zu vermeiden, die mit über die Höhe der Stromrechnung entscheiden, wurde in der Produktion einiges umgestellt. Wenn morgens alle Maschinen gleichzeitig anlaufen, steigt der Energieverbrauch stark. Deshalb wenden die Versmolder einen Trick an: „Wir starten nach und nach und schalten einiges kurzzeitig aus, ehe eine ‚dicke‘ Anlage ans Netz geht“, erläutert Ellwart.

All diese Maßnahmen zeigen Wirkung. Wurden im Sommer 2010 noch 65 Kilowattstunden Strom pro Tonne verarbeitete Vollpappe verbraucht, sind es heute noch 57. So richtig freuen kann sich Firmenchef Potthof-Wenner darüber aber nicht: „Den Großteil unserer Einsparungen frisst die immer weiter steigende EEG-Umlage glatt wieder auf.“

Energie sparen – das ist für den Experten Ellwart übrigens auch privat ein Thema: „Meine Kinder vergessen regelmäßig, das Licht auszuschalten. Jetzt überlege ich, ob wir da nicht einfach ein paar Bewegungsmelder installieren …“


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