Arbeitsplätze

Straßenbaumaschinen – das Geschäft zieht an


Volvo Construction Equipment setzt auf Zeitarbeiter: Sie gehören zum Team wie alle anderen

Hameln. Der Absturz war gewaltig: Beim Baumaschinen-Hersteller Volvo Construction Equipment brachen Mitte 2008 die Aufträge dramatisch ein. „Von einem Tag auf den anderen gingen die Bestellungen zurück“, erinnert sich Geschäftsführer Udo Heukrodt. Doch inzwischen hat die Nachfrage der Kundschaft wieder kräftig angezogen. „Es brummt wieder“, wundert sich Heukrodt. „So, als hätte jemand am Schalter gedreht.“

Um das gewaltige Auftragsvolumen abarbeiten zu können, setzt Volvo in Hameln auf Zeitarbeit. Einer von ihnen ist Sascha Achilles (24). Er ist offiziell bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt, stellt sein Know-how jedoch für die nächsten Monate dort zur Verfügung. Ein Job auf Wanderschaft? „Kein Problem“, sagt er. „Hier sind die Bedingungen sehr gut.“

Und die Bezahlung? „Ich verdiene zwar weniger als die fest angestellten Kollegen, aber auch damit kann ich leben“, sagt Achilles. „Und außerdem bringt es mehr Erfahrung, die ich, wenn ich zu Hause wäre, niemals bekäme.“

Auftragsspitzen von März bis Oktober

Equal Pay lautet das Stichwort, das zurzeit in der wirtschaftspolitischen Debatte kursiert. Auch der Volvo-Geschäftsführer Heukrodt versteht, dass die Forderung nach gleicher Bezahlung immer lauter wird. Er hat beobachtet, dass die Angebote der Zeitarbeitsfirmen im Vergleich zu den 90er-Jahren deutlich besser geworden sind.

„Früher konnten wir Zeitarbeiter nur für echte Aushilfsjobs einsetzen“, sagt Heukrodt. „Das ist heute anders.“ Doch die Argumente der Gewerkschaften, die gleiches Geld für gleiche Arbeit fordern, greifen für ihn ein Stück zu kurz. „Weil es immer einen Unterschied gibt zwischen der Produktivität eines Zeitarbeiters und eines langjährigen von uns ausgebildeten fest angestellten Facharbeiters.“

Volvo Construction Equipment setzt auf Zeitarbeit: Rund 15 Prozent der 580 Mitarbeiter gehören nicht zum Stammpersonal. Für Personalleiter Torsten Muscharski ist dies keineswegs ein Kostenargument.

„Wir haben ein klassisches Auftragsgeschäft“, erklärt er die besondere Situation des Betriebs. „Unsere Kunden bestellen ihre Maschinen zwischen März und Oktober. Für diese Auftragsspitzen benötigen wir flexibel einsetzbare Mitarbeiter.“

Muscharski hat mit den Zeitarbeitsfirmen aus seiner Region sehr gute Erfahrungen gemacht: „Das sind seriös geführte Unternehmen, die alle nach Tarifvertrag bezahlen.“

Der Personalleiter ist überzeugt davon, dass sich die Diskussion über dieses Thema verändert: Die letzten Jahren hätten gezeigt, wie wichtig diese neue Branche für die Volkswirtschaft sei. „Hier ist ein Wirtschaftszweig gewachsen, der immer kräftiger wird und langfristig zu unserer globalisierten Welt dazugehört.“

„Wir machen keinen Unterschied“

Auf das Betriebsklima wirkt sich das nicht aus. Die Beschäftigten haben sich mit ihren Kollegen arrangiert. Mitarbeiter zweiter Klasse ist bei Volvo in Hameln niemand. „Wir machen da keinen Unterschied“, sagt Betriebsrat Lutz Albert, der mit Sascha Achilles zusammenarbeitet.

Albert: „Um mittelfristig die Auftragsspitzen abarbeiten zu können, sind Zeitarbeiter nötig. Wenn es langfristig läuft, dann sollten wir sie auch übernehmen.“

Werner Fricke

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