Standort

Strassacker gießt nach alter Tradition


Das Familienunternehmen ist bis heute eine Manufaktur

Süßen. Rund 20 Arbeitsschritte sind nötig, damit in der Kunstgießerei Stras­sacker aus einem Modell eine fertige Bronzefigur entsteht. Hier kommen jahrtausendealte Techniken zum Einsatz, die bis heute Bestand haben.

Kerngeschäft ist sakrale Kunst

Dazu gehört zum Beispiel der sogenannte Wachsausschmelz-Guss. Dieses aufwendige Verfahren fängt in der Formenherstellung an: „Bei uns kommen die Modelle der Künstler an. Daraus werden zuerst die Negative geformt“, erklärt Manfred Pfeifer, der die Werkstatt leitet.

Nebenan gießt sein Kollege Halit Yazice diese Formen mit heißem Wachs aus. Der „Wachsrohling“ wird mit Einguss- und Abluftkanälen versehen, damit die flüssige Bronze später auch alle Stellen erreicht.

Dann wird das Ganze mit einem Gips-Gemisch umhüllt und in einem Ofen bei über 750 Grad ein paar Tage ausgebrannt. In die Gipsform wird schließlich Bronze gegossen. Die Ergebnisse zieren später Gebäude, Brunnen oder öffentliche Plätze. So steht beispielsweise eine Figurengruppe des renommierten Künstlers Professor Karl-Henning Seemann vor dem Theater in Esslingen.

Zu bewundern sind die Kunstwerke außerdem im Skulpturenpark auf dem Strassacker-Betriebsgelände in Süßen bei Göppingen. Doch die Liebe zur Kunst muss sich auch rechnen.

Die 1919 gegründete Kunstgießerei ist in der 4. Generation in Familienbesitz. „Wir sind eine Manufaktur für Kunsthandwerk, die 500 Menschen beschäftigt und wirtschaftlich arbeiten muss“, sagt Werbeleiter Michael Brettschneider.

Das eigentliche Kerngeschäft ist die sakrale Kunst mit einem Anteil von 80 Prozent am Gesamtumsatz. Hier reicht das Angebot vom aus Bronze gestalteten Grabzeichen über Beschriftungen und Ornamente, die von Steinmetzen zur Grabgestaltung verwendet werden, bis zum Kirchenportal.

Doch gerade bei der Bestattungskultur hat sich ein großer Wandel vollzogen. Denn immer mehr Menschen empfinden die Friedhofspflege als eine Last und geben anderen Formen den Vorzug.

Anstoß zu neuer Trauerkultur

Strassacker steuert mit neuen Konzepten gegen: „Wir wollen Wirkung und Bedeutung der Grabstätte für die Trauernden wieder bewusst machen“, sagt Brettschneider. Dafür hat das Familienunternehmen neue Konzepte entwickelt. Sie sollen von der Grabpflege befreien und dennoch Rituale zur Trauerarbeit zulassen, wie das Ablegen von Blumen, das Aufstellen von Laternen oder das Anzünden von Lichtern.

Auch hier sind kunsthandwerkliches Können und jahrzehntelange Erfahrung des Unternehmens ein Vorteil. Der Anstoß zu einer neuen Trauerkultur geschehe nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit, betont Brettschneider. Sie wachse aus innerer Überzeugung wie die Liebe zur Kunst.


 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang