Umwelt

Strandputzer schabt das Öl ab


25 Spezialgeräte von Kässbohrer am Golf von Mexiko

Alabama/Laupheim. Einige Unverdrossene haben sich in der endlos langen Liegestuhl-Reihe niedergelassen: die wenigen Urlauber, die trotz der verheerenden Ölpest im Golf von Mexiko ihre Ferien an der Küste des US-Bundesstaates Alabama verbringen. Immerhin können sie jetzt etwas Besonderes erleben: An dem sonst so weißen Badestrand werden sie Zeugen eines ungewöhnlichen Einsatzes.

Ganz langsam krabbelt eine blaue Maschine mit der Aufschrift „BeachTech“ über den ölverschmutzten Sand. Hinter sich lässt sie eine breite Spur mit Rillen. Und der Strand ist wie verwandelt: In der Spur ist mit bloßem Auge kein einziges schwarzes Klümpchen mehr zu sehen.

„BeachTech” setzt sich durch

Die Maschine kommt von der Firma Kässbohrer Geländefahrzeuge (480 Mitarbeiter weltweit) im schwäbischen Laupheim. „Bis zu 95 Prozent des Öls lösen wir so heraus“, sagt Stefan Spindler, der Leiter des Bereichs BeachTech.

Das unter anderem durch seinen „Pistenbully“ bekannte Unternehmen baut seit dem Jahr 1991 auch Strandreinigungsgeräte. „Als Ausgleich zum winterlichen Saisongeschäft mit Pistenpräparier-Fahrzeugen“, erklärt Spindler. Mehr als 1.000 BeachTech-Geräte sind weltweit im Einsatz. Normalerweise entfernen sie Zigarettenstummel, Glasscherben, Dosenverschlüsse oder Seegras.

Doch jetzt haben der ÖlKonzern BP und der Reinigungsdienstleister Hepaco 25 von ihnen für den Kampf gegen das Öl gekauft. Dazu musste Kässbohrer die Maschinen etwas verändern: Die Federzinken, die sonst wie ein Rechen den Sand durchkämmen, wurden entfernt.

„Mit einem Rechen würde das Öl nur in tiefere, unverschmutzte Sandschichten eingegraben“, so Spindler. „Wir schaben deshalb den Strand nur ab.“ Dieses Verfahren habe sich bei Tests vor Ort im Juni durchgesetzt, um schnell große Flächen zu reinigen. Bahn für Bahn fährt das Gerät den ölverschmutzten Strand entlang und trägt vorsichtig die oberste Schicht ab. Anschließend werden Sand und Öl durch ein Sieb voneinander getrennt.

Gereinigt wird von 22 Uhr bis 8 Uhr. Nur in diesem Zeitraum hat das Öl die Konsistenz von Honig oder Wachs. Tagsüber ist es wegen der großen Hitze zu flüssig.

Inzwischen sind von Florida bis Louisiana rund 400 Kilometer US-Küste verschmutzt. Um Schlimmeres zu verhindern, saugt BP das Öl mit Spezialschiffen an der Meeresoberfläche ab. Sperren sollen zudem verhindern, dass noch mehr der schwarz-braunen Brühe den Strand erreicht.

Ob das gelingt, hängt stark davon ab, was die gefürchteten Hurrikans in dieser Saison anrichten. „Bisher hatte niemand mit einer solchen Dimension zu tun“, weiß Spindler. Auch für Kässbohrer sei die jetzige Katastrophe ein völlig neues Thema – obwohl das Unternehmen bereits in Spanien, Frankreich und Australien Erfahrungen mit der Beseitigung von Öl sammelte.

Die „Pistenbullys“ müssen warten

Bislang machten die Laupheimer von ihrem Gesamtumsatz (zuletzt 195 Millionen Euro) nur 2 Prozent mit Strandreinigungsgeräten. Der Anteil dürfte steigen: Spindler geht davon aus, dass weitere Geräte gebraucht werden, das Unternehmen produziert deshalb weitere 25 Stück.

Die Mitarbeiter in der Produktion werden in diesem Jahr also auch während des Sommers weitere BeachTech-Geräte montieren. Einige der „Pistenbullys“ für die Wintersport-Anlagen müssen unterdessen noch etwas warten.

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