Weiterbildung

Stets auf dem neuesten Stand


3,5 Milliarden Euro gibt die Metall- und Elektro-Industrie im Jahr für die Fortbildung aus

Bad Berleburg. Christian Wahl wagt gern Neues. Immer das Gleiche machen – „das ist mir zu langweilig“.  Deshalb hat es der 23-Jährige beruflich so weit gebracht.

Wahl arbeitet bei Ejot in Bad Berleburg östlich von Siegen, einer Firma mit weltweit 2.100 Mitarbeitern. Hier konstruiert er Schrauben, am Computer.

Vor wenigen Jahren hat er noch einen ganz anderen Job gemacht: Damals war der gelernte Werkzeugmechaniker als Maschineneinrichter beschäftigt – in der Presserei, wo die Schrauben-Rohlinge in Form gebracht werden. Jetzt aber gehört er zu den Entwicklern, die neue Schrauben austüfteln – ein  Karrieresprung. Möglich machte das eine Weiterbildung zum Maschinenbau-Techniker, die er vor ein paar Monaten abgeschlossen hat.

Eigeninitiative ist gefragt

Wie Christian Wahl drücken jährlich Tausende Mitarbeiter der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) noch einmal die Schulbank, um beruflich  weiterzukommen. Oder besuchen Kurse. Oder nehmen an betrieblichen Fortbildungsprogrammen teil.

Jahr für Jahr lässt sich das die M+E-Branche 3,5 Milliarden Euro kosten. Die Betriebe bringen so ihre Mitarbeiter  auf den neuesten Stand.  Und  binden sie an sich. Das ist wichtiger denn je. Grund: Die Belegschaften altern und der Fachkräftemangel wird sich noch weiter verschärfen.

Beim Thema Weiterbildung ist aber auch Eigeninitiative gefragt, wie das Beispiel Wahl zeigt.

Weil er im „alten Job auf Dauer die Krise gekriegt hätte“, klopfte er bei Winfried Schwarz an, der als Geschäftsführer für das Personal verantwortlich ist. Schnell wurden sie sich einig: Der Metaller lässt sich in Siegen zum Maschinenbau-Techniker weiterbilden.

Obwohl er während dieser Zeit  kaum im Betrieb war, überwies ihm sein Arbeitgeber Geld: Ejot zahlte ein Stipendium in Höhe von 200 Euro im Monat. Einschließlich Bafög kam Wahl monatlich auf 800 Euro. Nicht viel, aber genug, um die gut anderthalbjährige Fortbildung finanziell zu meistern.

Die Schrauben, die Wahl heute entwickelt, halten Autos zusammen, Wasch- und Spülmaschinen.  Sie  stecken  in Handys. Und in Motorsägen. Pro Jahr produziert das Familienunternehmen sechs Milliarden Schrauben.  Und Wahl will es beruflich noch weiter bringen: „Klare Zielvorgabe – Abteilungsleiter!“

Voller Elan steckt auch Alexander Stremmel (26), der ebenfalls bei Ejot seine Werkzeugmechaniker-Lehre gemacht hat. Er  wird noch in diesem Jahr sein Maschinenbau-Studium abschließen.

Dafür hat er  vor fünf  Jahren das Fachabitur nachgeholt, mit Unterstützung von Ejot. Pro Monat schoss die Firma damals 630 Mark  zu (rund 320 Euro). Und zahlt jetzt auch fürs Studium: Da Stremmel  im Jahr insgesamt 400 Stunden bei Ejot arbeitet, bekommt er insgesamt 850 Euro im Monat überwiesen. Jahr für Jahr folgen bis zu vier Ejot-Mitarbeiter seinem Beispiel.

Es winkt ein Job in der Ferne

Geschäftsführer Schwarz: „Die Förderung ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit. So binden wir die Leute an uns.“ Wer ein Stipendium erhält, verpflichtet sich, nach der Fortbildung  drei Jahre zu bleiben – eine Praxis, die in der Wirtschaft üblich ist.

Es könnte sein, dass Stremmel bald abhebt. Ejot hat zusammen mit einem türkischen Partner eine Schraubenfabrik in Istanbul. Schwarz: „Auch dort brauchen wir  gute Ingenieure.“

Wilfried Hennes

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