Energie fürs Traumschiff

Stemman-Technik bringt auf neuem Weg Strom zum Luxusliner

Schüttorf. Florian Garmanns Auftrag ist klar: Kreuzfahrtschiffe mit Strom versorgen, wenn sie am Kai liegen. Denn in einigen Häfen müssen sie Energie von Land zuführen. Ihre Schiffdiesel dürfen sie nicht nutzen. „Die Emissionswerte sind zu hoch“, sagt der 27-jährige Maschinenbautechniker.

Aber wie kommt der Strom zum Schiff? Mit einem motorisierten „Versorger“ von Stemmann-Technik. Ein Jahr lang haben Garmann und seine Kollegen an der mobilen Lösung gearbeitet.

Der Ausleger gleicht einen Tidenhub von neun Metern aus

Das Gefährt wird per Fernsteuerung entlang der Anlegestelle bewegt und so positioniert, dass sein Ausleger mit dem „Steckerkopf“ am Schiff andocken kann. „So lässt sich die Energiekette mit wenig Personal sichern“, erklärt Garman. „Keiner braucht mehr schwere Kabel zu schleppen.“

Der Ausleger gleicht zudem neun Meter Tidenhub aus und muss nicht fixiert werden.

Innovationen wie diese sind typisch für Stemmann-Technik. In Schüttorf konstruiert der Mittelständler Komponenten und Systeme, die Energie und Daten zu Maschinen und Fahrzeugen bringen. „Wir sind in der Industrie- und Verkehrstechnik an Schnittstellen aktiv, wo etwas bewegt oder gedreht wird“, sagt Geschäftsführer Michael Grunwald.

Auch auf der Schiene. Bei der Technik für Bahnen im Nah- und Fernverkehr führen die Schüttorfer den Weltmarkt an. Ihre Dachstromabnehmer sind für Höchstleistungen ausgelegt: So raste auf der Strecke Peking–Schanghai 2010 ein Zug mit 486 Stundenkilometern damals zum Weltrekord.

„Der öffentliche Verkehr nimmt zu, und damit steigt der Anspruch, mit sauberer Energie zu arbeiten. Davon profitieren wir“, sagt Grunwald. Stetig werden neue Technologien entwickelt, wie jüngst für Züge, die zwischen Deutschland und der Schweiz verkehren. Deren Dachstromabnehmer lassen sich an die unterschiedlichen Breiten der Oberleitungen der Länder anpassen.

Auch Kräne im Hafen, Karussells oder Rotoren von Windkraftanlagen und Tunnelbohrmaschinen werden über Stemmann-Produkte mit Energie und Steuerungsdaten versorgt. Die erforderliche Technik wird überwiegend in Kleinstserien oder als Einzelstück gefertigt. 70 Prozent gehen in den Export, von den USA über Australien bis nach China. Überall gibt es andere Anforderungen. Für Geschäftsführer Grunwald ein guter Grund, in Deutschland zu produzieren: „Hier haben wir Hightech, Qualität, Innovationsfähigkeit und Termintreue – und extrem gut ausgebildete Mitarbeiter.“

Die braucht es auch, um Weltneuheiten wie den Landstromversorger zu entwickeln. Anfang Juni wird er auf dem Internationalen Hafen-Kongress IAPH in Hamburg präsentiert. Zuvor steht noch der Praxistest an. „Mitte Mai ist die ‚Hochzeit‘ mit der ‚AIDAsol‘. Ich bin aufgeregt, aber zuversichtlich“, sagt Florian Garmann.


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