Arbeitsmarkt

Stecknadeln im Heuhaufen suchen


Warum Hainbuch Fachkräfte mit ganz speziellen Qualifikationen braucht

Marbach. Leute ohne Job gibt es im Landkreis Ludwigsburg nicht viele: Die Arbeitslosenquote betrug dort im Juli gerade einmal 3,6 Prozent. „Das ist praktisch Vollbeschäftigung“, sagt Michael Weller, technischer Geschäftsführer bei der Firma Hainbuch. Dann seufzt er. Weil er gerne mehr Mitarbeiter einstellen würde. Und die müssen auch noch genau die richtigen Qualifikationen mitbringen!

Die Auftragsbücher sind bei dem Spanntechnik-Hersteller aus Marbach prall gefüllt. Und den Konstrukteuren spuken jede Menge Ideen für Innovationen im Kopf herum. Aber wer soll die alle umsetzen?

„Ab und zu helfen sogar unsere Konstrukteure in der Fertigung mit“, berichtet Weller. „Wir haben zum Teil schon Schwierigkeiten, Liefertermine einzuhalten.“

Zwar gehen bei Hainbuch als größtem Arbeitgeber in Marbach am Neckar immer noch viele Bewerbungen ein. „Im ersten Halbjahr waren es 1.000“, berichtet Marketing-Leiterin Sylvia Rall.

Die Krux: Bei dem Spanntechnik-Hersteller sind die Anforderungen sehr speziell, weil in Marbach nur Einzelanfertigungen produziert werden. Alle Facharbeiter müssen zum Beispiel die modernen CNC-Maschinen programmieren können.

Hainbuch fertigt für seine Auftraggeber Spannwerkzeuge zum Einspannen von Werkstücken in Produktionsanlagen. Da sind immer wieder neue Lösungen gefragt. In den letzten drei Jahren hat der Mittelständler 15 Patente angemeldet – im vergangenen Jahr zum Beispiel für das erste „intelligente Spannfutter“: Das erkennt von alleine, welche Haltekraft für ein Werkstück ideal ist.

Jedes Jahr 15 Prozent mehr Mitarbeiter

Derzeit schafft das Unternehmen Raum für noch viel mehr neue Ideen. Neben der Firmenzentrale entsteht ein Technologie- und Schulungszentrum mit 4.000 Quadratmetern Fläche. 8 Millionen Euro investiert Hainbuch in den  Neubau.

Mehr Geld fließt auch in Ausbildung. Weller: „Wir werden die Zahl der gewerblichen Azubis verdoppeln. Das ist eine unserer Strategien gegen den Fachkräftemangel.“ Die Ausbildungsquote liegt derzeit noch bei 8,1 Prozent.

Bisher hat das Unternehmen im gewerblichen Bereich fast nur Industriemechaniker ausgebildet. „Jetzt wollen wir bei den Ausbildungsberufen auch mehr diversifizieren“, erklärt Sylvia Rall. Ziel ist, dass für mehr Schulabgänger das Richtige dabei ist.

Daneben sucht Hainbuch ständig auf vielen verschiedenen Wegen nach geeigneten Fachkräften – zum Beispiel sind die Mitarbeiter aufgerufen, Augen und Ohren offen zu halten. Außerdem hängen die Stellenangebote in den Räumen der örtlichen Vereine aus.

In den vergangenen Jahren hat die Belegschaft jeweils um 15 Prozent zugelegt – und das soll auch in Zukunft so bleiben. 

Barbara Auer

 

Info: Hainbuch GmbH

Das Unternehmen beschäftigt 500 Mitarbeiter, davon 320 in Marbach. Die von Hainbuch produzierten Spannsysteme werden vor allem für Maschinenhersteller sowie die Automobil-Industrie und ihre Zulieferer entwickelt. 60 Prozent aller Produkte sind Einzelanfertigungen.  

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