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Die Chance ergriffen

Starthilfe für Jugendliche mit schlechten Schulnoten


Frankfurt. Der 18-Jährige geht hart mit sich selbst ins Gericht: „Als Schüler war ich zu faul. Entsprechend schlecht fiel mein Zeugnis aus“, sagt Halil Yildirim. Nach dem Realschulabschluss gab’s die Quittung. „Nur Absagen auf alle Bewerbungen, es war frustrierend.“

Bis zu dem Tag, als er bei Samson in Frankfurt anfangen konnte. Denn um jungen Leuten wie Yildirim den Weg ins Berufsleben zu ebnen, haben die IG Metall und der Arbeitgeberverband Hessenmetall im vergangenen Jahr einen besonderen Tarifvertrag unterzeichnet: Jugendliche mit schlechtem oder ohne Schulabschluss können so für eine Ausbildung fit gemacht werden, bis zu einem Jahr lang.

Dabei geht es auch um Pünktlichkeit und Sozialverhalten. Allerdings bekommen sie in dieser Zeit weniger Geld als die Auszubildenden, und es besteht keine Verpflichtung zu einer Übernahme.

Eines der ersten Unternehmen, das diesen Tarifvertrag nutzt, ist die Samson AG, ein führendes Unternehmen in der Mess- und Regeltechnik. „Bis auf Gussteile machen wir so gut wie alles selbst, von Komponenten bis zur Steuerungssoftware von Messventilen. Deshalb brauchen wir qualifizierte Mitarbeiter“, erläutert Personalchef Matthias Ganz.

In der Zentrale in Frankfurt beschäftigt Samson 1.600 Mitarbeiter. In den letzten zwei Jahren wurden 200 neue Stellen geschaffen. Halil Yildirim will Zerspanungsmechaniker werden. „Gutes Geld hängt an einer guten Ausbildung“, weiß er heute. Mit einem individuellen Förderplan will Samson helfen. Ganz: „Wer eine echte Chance bekommt, gibt oft richtig Gas.“

Zu denen, die in der Schule durchhingen, zählt auch Patrick Kaszycki: „Die Noten waren mir egal“, so der inzwischen 23-Jährige. Ihm blieben nur Hilfsarbeiterjobs.

Patrick Kaszycki hat große Lücken in Mathe, aber er bringt drei Jahre Erfahrung mit durch einen Job in der Pulverbeschichtung. Jetzt will er Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik werden und hat dafür sogar seine feste Stelle im alten Betrieb aufgegeben: „Ich will es unbedingt schaffen.“

Wie Melih Caliskan, der beim Automobilzulieferer Continental in Babenhausen Medientechnologe wird. Ausbildungsleiter Wolfgang Michel hatte dem 19-Jährigen nach erfolgreichem Praktikum die Lehrstelle angeboten.

Michel: „Mit dem neuen Tarifvertrag hätten wir ihn vorher besser kennenlernen können und gesehen, wie lange seine Vorsätze halten.“ Doch bisher lässt Melih keine Zweifel aufkommen: „Ich bin wach geworden, lerne viel und freue mich über die ersten guten Noten.“

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