Nachwuchs-Messe

Starker Stoff für junge Leute


Wie Hauptschüler die Textilbranche kennenlernen

Mönchengladbach. Marcel Pabis ist erst 16 – aber weiß schon, was er will: „Ich kombiniere gerne Farbe und Design und interessiere mich sehr für Mode.“ So kann er sich gut vorstellen, später in der Branche zu arbeiten, die ihm heute  so  gründlich präsentiert wird.  Mit seiner Klasse, der 10b aus der Gemeinschaftshauptschule Kaarst-Büttgen, tummelt sich Marcel auf der Nachwuchsmesse „Textil und Mode in NRW – MG zieht an“.

Marcels Traum: Mode mit Fotografie zu verbinden, seine großen Leidenschaft. Und so bleibt er immer wieder an einem der mehr als 70 Stände stehen, erkundigt sich nach Ausbildungsmöglichkeiten, sammelt Informationen. Aufmerksam liest er die Beschreibung einer Ausbildung bei Gerry Weber: „Klingt interessant“, sagt er.

Spezielle Schneekette

Seine Klassenkameradin Sarah Aymans, ebenfalls 16 Jahre jung, staunt über unerwartete Produkte: „Am Delcotex-Stand gibt es aus einem besonderen Stoff einen Überzug für Autoreifen, der die Funktion einer Schneekette erfüllt.“ So etwas hätte sie nun gar nicht erwartet – und auch nicht, dass hier gleich so viele Firmen präsent sein würden.

So begeistert sich Sarah bald für einen Hemden-Hersteller der Luxus-Klasse. Dessen Namen – van Laack – hatte sie zuvor noch nie gehört, nun erzählt sie: „Ich habe mich am Stand erkundigt, die sind ja auf der ganzen Welt aktiv!“

Auch Sarah nimmt die Branche als interessantes Berufsfeld wahr – wenn auch am liebsten in der Kombination mit Kosmetik: Sie möchte später als Stilberaterin arbeiten. Ihre Mitschüler sind ebenfalls voll dabei. Einer interessiert sich be­sonders für den Einzelhandel (am Stand von Marc O’Polo),  ein anderer eher für die technischen Details der Textilproduktion.

So etwas erklärt an diesem Tag zum Beispiel Frank Heimlich, ein Mitarbeiter der gastgebenden Hochschule Niederrhein: Er zeigt, wie ein Kettenwirkautomat funktioniert und wie er bedient wird.

So eine Maschine wirkt aus mehr als 1.000 Fäden Stoffe – sehr elastische etwa, wie sie dann für Bademode benutzt werden. Diese und viele weitere Anlagen sind nicht etwa nur heute in den Hallen aufgebaut worden: Normalerweise lernen hier Studierende der Textil- und Bekleidungstechnik.

Diesen unverstellten Einblick in die Geräte findet Barbara Hülser, Klassenlehrerin der 10b, besonders spannend. Sie freut sich, dass der Messe-Besuch bei ihren Schützlingen ankommt, und meint: „Ich finde es gut, dass es hier so viele Ansprechpartner gibt und eine Menge Ausbildungsberufe vorgestellt werden, die man nicht kennt.“ Derartige Eindrücke aus Mönchengladbach nehmen auf einen Schlag immerhin rund 6.500 junge Leute mit.

Bunt und flippig

Marcel und Sarah aus Kaarst-Büttgen gefällt besonders ein Raum, in dem zum Beispiel Isabell Herzogenrath ihre Mode für Körperbehinderte zeigt: der Ausstellungsraum für junge Designer. „Dort war viel Farbe im Spiel“, lobt Marcel. „Mir haben die flippigen Taschen gut gefallen“, lobt Sarah.

Insgesamt hat sich der Tag für sie gelohnt. „Ich fand das alles sehr interessant“, sagt Sarah, „vor allem die Textilien, die im Automobil-Bereich eingesetzt werden.“ Und Marcel meint: „Meinem Wunsch, in der Modebranche zu arbeiten, bin ich hier einen Schritt näher gekommen.“

Gute Chancen für den Nachwuchs

Textil-Azubis winkt ein moderner Job

Die weltweite Wirtschaftskrise – was bedeutet sie für Schul­abgänger, die sich für einen Textil- oder Mode-Job interessieren? AKTIV fragte Rolf Königs. Der Chef der Aunde-Gruppe (12.000 Beschäftigte in 24 Ländern) ist Vizepräsident des Gesamtverbandes textil+mode.

AKTIV: Weniger Aufträge, weniger Umsatz – heißt das automatisch auch weniger Lehrstellen?

Königs: Nein. Die Unternehmer unserer beiden  Branchen wissen, dass Kosten für die Ausbildung keine Unkosten, sondern Investitionen in die Zukunft sind. Deshalb: Unabhängig von der wirtschaftlichen Situation wird die Ausbildung gefördert.

AKTIV: Und wie gut sind die Chancen, nach der Lehre übernommen zu werden?

Königs: Gut! Unsere Ausbildungsbetriebe bilden im Rahmen ihres Be­darfs Facharbeiter aus mit dem klaren Ziel: Übernahme.

AKTIV: Welche Ausbildungswege sind denn besonders zu empfehlen? Wen brauchen die Betriebe?

Königs: Im dualen System ausgebildete Facharbeiter, insbesondere für die technischen Bereiche. Dann natürlich Leute, die sich weiterbilden – zum Industriemeister oder Ingenieur. Und ganz besonders sind wir an Ab­solventen der ko­operativen Ingenieurausbildung in­te­ressiert.

AKTIV: Textilindustrie – da denken viele noch an unsichere Jobs, an Lärm und Dreck, an schlechte Bezahlung …

Königs: Das war einmal! Die Textilindustrie hat sich von einer lohnintensiven zur kapitalintensiven Branche gewandelt: Innovative Produkte und hochmoderne Fertigungsstätten garantieren sichere Arbeits­plätze, optimale Ar­beitsbe­dingun­gen und gute Bezahlung.

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Schlagwörter: Ausbildung

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