Technik

Starker Stahl für Riesenröhren


Spezial-Profile von Heintzmann schaffen Sicherheit im Tunnelbau

Bochum. „Du hast ’nen Pulsschlag aus Stahl. Man hört ihn laut in der Nacht ...“ Wer hier, in der Werkhalle der traditionsreichen Bochumer Eisenhütte Heintzmann dem Anlagenführer Holger Weberpold (42) zuschaut, der bekommt ein Gefühl dafür, was Herbert Grönemeyer mit seiner Revier-Hymne „Bochum“ rüberbringen will.

Weberpold arbeitet an einem Härteofen, der 900 Grad heiße, glühende, sogenannte TH-Profile ausspuckt. Mehrere Hundert pro Schicht. Zusammen 70 Tonnen Sicherheit für den Berg- und Tunnelbau.

Diese Spezialteile werden unter dem Gewölbe halbkreisförmig zusammengesetzt – und stützen es so ab. Dabei sieht das Stück Stahl im Profil weder aus wie ein T noch wie ein H, sondern ähnelt einem V.

„Die Profile sind seit Jahrzehnten das Rückgrat unseres Erfolgs“, sagt Prokurist Rudi Podjadtke, der vor 37 Jahren in der Firma angefangen hat.

Bei Jahrhundertprojekt zum Zuge gekommen

Die Erfindung des Spezialprofils 1932 durch Korvettenkapitän Heinrich Toussaint und Unternehmer Egmont Heintzmann revolutionierte den Bau der Stützkonstruktionen unter Tage – und rettete wahrscheinlich vielen Kumpeln das Leben. Der Clou: Das Tunnelgewölbe wird nicht mehr durch starre Bögen abgestützt. Diese knickten unter der hohen Last mitunter in sich zusammen. Stattdessen kommen mehrere Profile zum Einsatz, die sich unter dem Druck des Berges ineinander schieben – und so felsenfest halten.

Die Profile sind weltweit gefragt. Auch bei prestigeträchtigen Jahrhundertprojekten wie der „Neuen Eisenbahn-Alpentransversale NEAT“ in der Schweiz, an der derzeit gebaut wird. So lieferten die Bochumer in den Jahren 2000 bis 2007 pro Woche zwei Waggon-Ladungen in die Alpenrepublik – für den neuen St.-Gotthard-Eisenbahntunnel. Insgesamt 32.000 Tonnen Profile. Auch bei der südlich gelegenen Ceneri-Bahnröhre sind die Bochumer zum Zuge gekommen.

Das gekonnte Spiel mit Feuer und Wasser

Auch wenn die Patente für die TH-Profile bereits zum Ende der 80er-Jahre ausliefen, sticht der 200-Mann-Betrieb die Konkurrenz noch immer aus. Prokurist Podjadtke: „TH-Profile und Bochumer Eisenhütte sind im weltweiten Markt dasselbe.“ Und er fügt hinzu: „Chinesen, Polen, Russen, Türken kopieren sie zwar und machen das durchaus gut. Aber bei der Vergütung des Stahls – da haben wir nach wie vor die Nase vorn.“

Diesen Vorsprung verdankt der Betrieb erfahrenen Männern – wie Holger Weberpold: „Wenn die Dinger aus dem Ofen kommen, dann seh ich schon, ob die gut geworden sind oder nicht.“ Er beherrscht das Spiel mit Feuer und Wasser, das das Metall hochfest, aber nicht spröde macht. Dadurch steigt die Belastungsfähigkeit der Profile – und somit die Sicherheitsreserve.

Heute freilich steht der Name Heintzmann nicht nur für Bergwerk- und Tunnelstützen. Dahinter steckt eine Firmengruppe mit 550 Mitarbeitern. Die fertigt auch Poller- und Schrankenanlagen, Schutztüren, Leitplanken sowie Muff-Maschinen, die – richtig – Muffen, also Rohrverbindungen, herstellen.

Doch das Herz schlägt seit über 160 Jahren in der Eisenhütte. Hier, wo es nach Öl, Stahl und verbrannten Schweißelektroden riecht. Hier, wo Holger Weberpold rotglühende Profile aus dem Ofen holt. Glück auf!

 

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