RSS Feed abonnieren
Feedback senden

1.000 Jobs geschaffen

Standortleiter von Bayer in Wuppertal verabschiedet sich mit 65 Jahren

Das Herz von Klaus Jelich schlägt für das Pharmaunternehmen Bayer in Wuppertal: Als Standortleiter hat er 1.000 Arbeitsplätze geschaffen und ein Bluter-Medikament aus den USA in die Heimat zurückgeholt.

Ab in den Ruhestand: Standortleiter Klaus Jelich. Foto: Wirtz

Ab in den Ruhestand: Standortleiter Klaus Jelich. Foto: Wirtz

Kollegen: Constantin Frerick (links) und Joachim Rehse treffen ihren ehemalischen Chef. Foto: Wirtz

Kollegen: Constantin Frerick (links) und Joachim Rehse treffen ihren ehemalischen Chef. Foto: Wirtz

Verstehen sich: Klaus Jelich und sein Nachfolger Holger Weintritt (links). Foto: Werk

Verstehen sich: Klaus Jelich und sein Nachfolger Holger Weintritt (links). Foto: Werk

Sportlich: Klaus Jelich beim Schwebebahnlauf. Foto: Werk

Sportlich: Klaus Jelich beim Schwebebahnlauf. Foto: Werk

Wuppertal. „Die letzte Station war die beste“, sagt Klaus Jelich. Der 65-Jährige war neun Jahre lang Standortleiter von Bayer in Wuppertal, bevor er im April 2018 in den Ruhestand ging.

In dieser Zeit wuchsen das Werk und das Forschungs- und Entwicklungszentrum des Pharmaherstellers um rund 1.000 Arbeitsplätze. Der promovierte Chemiker war zudem für die globale Wirkstoffproduktion des Konzerns verantwortlich. Arzneiwirkstoffe, die in seinen Bereich fallen, stellt Bayer auch in Spanien, Mexiko und Bergkamen her. Nachfolger Holger Weintritt wird die Doppelrolle übernehmen.

Der Umgang mit Meistern und Chemikanten, das ist meine Welt

Die letzte Station war nämlich einst der Start. Denn den ersten Job bekam Jelich in Wuppertal. Damals produzierte Bayer hier auch Agrarchemie. Jelich arbeitete acht Jahre in der Pflanzenschutz-Forschung, bevor er in die Produktion wechselte. „Ich hatte Spaß in der Forschung und habe viel gelernt. Doch ich wollte nicht mein ganzes Berufsleben im Labor verbringen, sondern etwas Handfesteres machen, mit größeren Mengen arbeiten und mehr Verantwortung tragen.“ Die größere Nähe zum Kunden und der Umgang mit den Meistern und Chemikanten haben ihn ebenfalls gereizt: „Das war eher meine Welt.“

Von Wuppertal ging es nach Monheim und nach Leverkusen, danach nach Kansas City in die USA, wo Jelich fünf Jahre lang die chemische Verfahrensentwicklung leitete. „Diese Zeit war auch für die Familie sehr schön“, erinnert er sich. Sein ganzes Berufsleben verbrachte Jelich bei Bayer und wollte nie woandershin. Als Teil von Bayer Chemicals wurde er 2004 jedoch ausgegliedert, sein Arbeitgeber nannte sich nun Lanxess. Allerdings kehrte er bereits ein Jahr später zurück.

Von Pflanzenschutzmitteln zu Arzneiwirkstoffen: Die Forschung und die Produktionstechnik seien ähnlich, aber über den Markt und die Qualitätsanforderungen musste der frischgebackene Wuppertaler Chef viel lernen. „Die Liste mit den Kursen und Online-Trainings, die ich mitgemacht habe, ist mehrere Seiten lang“, sagt er. Das meiste jedoch eignete er sich „on the job“ in Gesprächen mit den Kollegen und Mitarbeitern an.

Am Standort arbeiten heute rund 3.500 Mitarbeiter

Wuppertal ist heute ein reiner Pharma-Standort. Die Wirkstoffe werden woanders zu Tabletten oder Infusionen verarbeitet, um Krebs, Infektionen, Diabetes, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Krankheiten zu behandeln. Allein die Produktion des Gerinnungsmedikaments für Bluter (Faktor VIII), die gerade im Probebetrieb anläuft, hat rund 400 neue Arbeitsplätze gebracht.

„Wir haben jedoch noch mehr Wirkstoffe aus der Forschungspipeline in die späte Entwicklungsphase überführt und darin einige Millionen investiert“, schildert Jelich. Zudem sind Abteilungen aus Berlin an die Wupper gekommen, die sich mit der Entwicklung neuer Darreichungsformen für Wirkstoffe beschäftigen. Der Standort zählt nun über 3.500 Mitarbeiter. „Jetzt muss das hohe Niveau stabilisiert werden“, meint er. Seinem Nachfolger rät er: „Mit seinen Leuten reden, Augen offen halten und den Hut in den Ring werfen, wenn man mit gutem Gewissen die Chance für ein Projekt ergreifen kann!“

Ehrenamt als Vorsitzender des SV Bayer

Nur für die eigene Zukunftsplanung hatte er bisher nicht die Muße. Er will aber einiges nachholen: Die Enkelin öfter sehen, unbekannte Ecken in Deutschland besuchen, den Segel- und den Motorbootschein machen. Im Herbst geht es in die Sprachschule, um die Spanisch- und Französischkenntnisse aufzufrischen. Oder neue Sprachen zu lernen.

Einen ehrenamtlichen Job hat er auch noch: Er ist Vorsitzender des SV Bayer, dem größten Sportverein der Stadt (7.600 Mitglieder). Das Unternehmen sponsert den Verein, der diverse Sportarten anbietet und viel mit Schulen arbeitet. „Ich glaube, ich habe mehr Verträge im SV unterschrieben als in meiner ganzen Berufszeit bei Bayer“, sagt Jelich lachend.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe Chemie zunächst mit dem Hintergedanken studiert, später in die Medizin zu wechseln. Schnell habe ich erkannt, dass Chemie genau das Richtige für mich ist. Als Arbeitgeber kamen für mich nur große Industrie-Unternehmen wie Bayer infrage.

Was reizt Sie am meisten?

Die verschiedenen Möglichkeiten, die ein diversifiziertes Großunternehmen bietet: im Labor, in der Produktion, im Projektmanagement. Und insbesondere auch die Chance, an einem Auslandsstandort zu arbeiten.

Worauf kommt es an?

Fachwissen, aber noch mehr auf die Fähigkeit, vernünftig mit Menschen umzugehen, sodass jeder gern zur Arbeit geht und das Beste aus sich herausholt.


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang