Rohstoffpreise

Stahlharte Zeiten


Die steigenden Stahl-Preise drohen die Autobauer und ihre Zulieferer auszubremsen

Alarmstimmung in der Firma König Metall in Gaggenau. Grund: die explodierenden Stahlpreise. Der Mittelständler produziert unter anderem Karosseriebleche, Rohre für Schalldämpfer und Airbags, außerdem Tankklappen. Und dafür verarbeitet der Familienbetrieb in erster Linie Stahl.

Der gefragte Rohstoff macht 60 Prozent der Herstellkosten aus. Ein dicker Brocken, der seit Anfang Juli noch stärker ins Gewicht fällt. Denn die Stahllieferanten haben jetzt erneut ihre Preise erhöht – diesmal um 140 bis 160 Euro je Tonne. Das ist ein Plus von über 20 Prozent.

„Wir sind nicht auf Rosen gebettet“

„Wer das nicht akzeptiert, wird nicht mehr beliefert“, sagt  Otmar Zwiebelhofer, der Geschäftsführende Gesellschafter. Zwar stehen in den Jahresverträgen noch die alten Preise, doch das würde nichts nützen. Er empfindet die Preisentwicklung „als existenzbedrohend“. Betroffen seien im Prinzip alle Autozulieferer, „die derzeit im Gegensatz zum Maschinenbau wahrlich nicht auf Rosen gebettet sind“.

„Die höheren Materialpreise können wir nicht auffangen, auch nicht teilweise“, sagt er. Die Rationalisierungsspielräume brauche er als Ausgleich für die jährlichen Preissenkungswünsche seiner Autokundschaft. Aber auch, um kommende Lohnerhöhungen und die ebenfalls steigenden

Energiepreise zu verkraften.

Das dürfte die Autobauer kaum beeindrucken. Denn die stehen ebenfalls unter Druck: Auch sie verarbeiten Stahl in rauen Mengen – und leiden obendrein unter einem schleppenden Geschäft.

Der Preis für eine Tonne Stahl der Güte Warmbreitband, der für die Autoproduktion verwendet wird, hat sich seit dem ersten Quartal 2006 um mehr als 60 Prozent erhöht (Schaubild). Und in der neuesten Statistik der Wirtschaftsvereinigung Stahl sind die jüngsten Steigerungen noch gar nicht enthalten.

Wer zahlt am Ende die Zeche?

Stahl macht fast die Hälfte der im Auto verwendeten Rohstoffe aus. Auf ihn entfallen zwischen 10 und 12 Prozent der Fertigungskosten. Was bald Folgen haben dürfte: für die Käufer. Denn der preisliche Höhenflug des Metalls könnte Neuwagen um bis zu 400 Euro verteuern,  befürchtet  Automobilexperte

Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Ob die Industrie eine solche Preiserhöhung allerdings durchsetzen kann, ist zweifelhaft.

Das lässt nichts Gutes für die Kfz-Zulieferer erwarten. Die Firma A Raymond in Lörrach, die unter anderem Klammern und Klipse für Haltegriffe, Sonnenblenden und Verkleidungen produziert, stellt sich auf härtere Zeiten ein. „Wir mussten schon immer Preisnachlässe stemmen“, so Geschäftsführer Dirk Hoffmann. Doch jetzt werde es eng.  Raymond verarbeitet vor allem Bandstähle, die jetzt um 20 bis 30 Prozent teurer wurden.

„Auch wenn es schwerfällt  – diesmal müssen wir die höheren Kosten an unsere Kunden weitergeben“, sagt er selbstbewusst.  Das ginge aber nur mit Innovationen, die beim Kunden die Kosten senken oder einen Mehrwert bieten. Derzeit hat das Unternehmen knapp 10.000 Teile im Programm. Und jeden Tag kommen zwei bis drei neue hinzu.

Wilfried Hennes,  Joachim Sigel

 

Warum der Stahl so teuer ist

Das liegt an der hohen weltweiten Nachfrage: Sie nahm seit 2000 um 60 Prozent zu. Deshalb haben sich auch die Rohstoffe für das gefragte Metall wesentlich verteuert.

Laut Wirtschaftsvereinigung Stahl legten die Preise für Eisenerz, je nach Sorte, seit Mitte 2007 um bis zu 87 Prozent zu, der Kokskohlepreis hat sich sogar mehr als verdreifacht.

Große Preisschübe gab es zudem beim Schrottpreis: Der erhöhte sich seit Dezember 2007 um 85 Prozent. Zudem wurden die Einsatzstoffe Zinn und Chrom deutlich teurer.

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