Gesundheit am Arbeitsplatz

Sport und Vorsorge unter Kollegen


Stuttgart. Raus aus der Arbeitshose, rein in die Radlershorts. Die Mountainbiker von Feinguss Blank in Riedlingen sind fit. Der Betriebsratsvorsitzende Joachim Grodotzki erzählt: „Die Strecken planen wir selbst, jedesmal übernimmt das ein anderer Teilnehmer.“ Die Gruppe gehört zum betrieblichen Gesundheitsmanagement, wird vom Unternehmen unterstützt, etwa mit Helmen und Trikots.

Von allen Bundesbürgern sind die Baden-Württemberger am wenigsten krank. Sie hatten im vergangenen Jahr durchschnittlich 11,6 Fehltage pro Jahr, bundesweit waren es 14,2. Wie gesund jemand ist, dazu leistet auch der Arbeitsplatz seinen Beitrag – wie bei Feinguss Blank.

Bei diesem Unternehmen hat das Gesundheitsmanagement einen festen Platz im Alltag. Mal laden die Azubis zum gesunden Frühstück, mal gibt’s eine Grippeschutzimpfung, vergünstigte Konditionen in Fitnessstudio und Thermalbad sowieso. Im Schnitt nimmt jeder der 450 Mitarbeiter an zwei Maßnahmen im Jahr teil.

Sportkurse für Schichtarbeiter und Entspannungsangebote in der Mittagspause

Viele Betriebe haben ihr eigenes Fitnessstudio, wie Antriebsspezialist Tognum in Friedrichshafen. „Dadurch können wir selbst die Schwerpunkte des Trainings setzen“, erklärt Personalleiter Ingo Metzer. Das „Gesundheitsstudio“ ist genau auf die Belegschaft zugeschnitten: mit Kursen speziell für Schichtarbeiter. Und 30-Minuten-Angeboten in der Mittagspause.

Beim Automobil-Zulieferer Mann+Hummel in Ludwigsburg gibt es neben Sport und Gesundheitstagen einen „Gesundheitszirkel“ in der Produktion: Mehrmals im Jahr treffen sich Teams, um darüber zu diskutieren. Für Firmenchef Al­fred Weber ist es außerdem selbstverständlich, Mitarbeiter zu unterstützen, die gesundheitliche Probleme haben.

Wie Hermann Martin: Er leidet an einer Erkrankung des motorischen Nervensystems, ist heute gelähmt. Ärzte hätten den 64-Jährigen schon vor zehn Jahren in Frührente geschickt – doch er wollte nicht: „Arbeit ist leben“, sagt der Maschinenbautechniker. Das Unternehmen richtete ihm zu Hause einen Spezial-Arbeitsplatz ein.

ABB Deutschland mit Hauptsitz in Mannheim bietet unter anderem zweimal jährlich eine Großaktion an, zuletzt eine Darmkrebsvorsorge. Sprecherin Beate Höger-Spiegel: „Vor allem bei Vorsorge-Aktionen verzeichnen wir steigenden Zuspruch.“ Mittags beim Automatisierungsspezialisten Festo in Esslingen: Im Fitnessraum treffen sich Leute in Blaumann und Anzug zur Entspannung, Nackenstützkissen liegen parat. Der Kursraum ist bis abends belegt, Zumba, Qigong und rund 20 weitere Angebote – alles ausgebucht! 380 Leute trainieren hier. Auch Vorträge gibt’s. Und Kochkurse.

Dieses Unternehmen, das am Hauptsitz rund 4.000 Mitarbeiter hat, macht schon seit 15 Jahren Gesundheitsangebote. Und entwickelt sie jetzt weiter zu einem umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagement. Matthias Kolb, der diesen Unternehmensbereich leitet, begründet: „Alles, was wir hier investieren, bringt das Unternehmen am Ende weiter.“

Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger bestätigt: Mit einem gezielten Gesundheitsmanagement können Betriebe die Ausfallzeiten um bis zu 40 Prozent reduzieren.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang