Freizeit

Spiele für alle!

Das macht Spaß: Im Schnitt zwölf Stunden pro Monat spielen die Deutschen Karten- und Gesellschaftsspiele. Foto: Kosmos


Die Industrie hinter dem Zeitvertreib nach festen Regeln

Jettingen-Scheppach. Der Würfel kullert über den Tisch – und der Rubel rollt gleich mit: Wenn nächsten Montag wieder das „Spiel des Jahres“ gekürt wird, dann steht ein besonders charmanter Industriezweig im Rampenlicht.

400 Millionen Euro gaben die Deutschen im vergangenen Jahr für Brett- und Gesellschaftsspiele aus, und in dieser Statistik ist die boomende Online-Konkurrenz noch nicht mal eingerechnet. Die von einer unabhängigen Jury vergebene Auszeichnung für die Spiele-Erfinder treibt die Umsätze: Das 2011 gekürte Kombinations- und Legespiel „Qwirkle“ etwa verkaufte sich in den sechs Monaten nach der Preisvergabe rund 400 000-mal.

Soll heißen: Von den tollen Spiele-Ideen bekämen wir nicht viel mit, wenn nach der Kreativ-Abteilung nicht die Massenfertigung in Aktion träte. Zum Beispiel bei der Firma Ludo Fact in Jettingen-Scheppach, östlich von Ulm.

 

Weniger Spielzeug aus China

„Wir sind Europas größter verlagsunabhängiger Spiele-Hersteller“, sagt der Inhaber Horst Walz. Für weltweit 170 Verlage fertigt das Unternehmen pro Jahr 15 Millionen Spiele und Puzzles. Auch der Verkaufsschlager der 90er-Jahre, „Die Siedler von Catan“ läuft bis heute bei Ludo Fact vom Band. Die Basis-Variante und diverse Ergänzungen wurden seit 1995 insgesamt 18 Millionen Mal in alle Welt verkauft.

200 Mitarbeiter verarbeiten bei Ludo Fact Papier und Pappe: zu Spielbrettern, -anleitungen oder Plättchen von aktuell etwa 2 000 verschiedenen Spielen. Spielkarten liefert eine vor einigen Jahren zugekaufte Druckerei; die Tochterfirma „Ludo packt“ versendet die Ware. Und das Zubehör, das nicht aus Pappe ist, wie Figuren oder Würfel, lässt Walz über eine chinesische Tochterfirma beschaffen. Der Jahresumsatz der Gruppe liegt bei 100 Millionen Euro.

„Verlässlich und schnell ist unser Credo“, formuliert Walz die zentrale Spielregel seiner Firma. Das hohe Tempo und die Nähe zum Kunden sei „der große Vorteil gegenüber asia­tischen Komplettanbietern“. Denn aus Sicht des Handels würde sonst etwa im Weihnachtsgeschäft das Verschiffen von Nachbestellungen viel zu lange dauern. Der Trend geht daher zur Rückverlagerung: „Gut 60 Prozent der hier verkauften Spielwaren kommen aus China – vor wenigen Jahren waren es noch über 70 Prozent“, heißt es beim Spielwaren-Verband DVSI.

Bei Ludo Fact wird gerade für 10 Millionen Euro eine zusätzliche Halle gebaut, unter anderem mit einer dritten Konfektionierlinie, damit künftig 70 000 statt 50 000 fertige Spieleschachteln Tag für Tag das Werk verlassen.

Obwohl er sozusagen im Spiele-Paradies residiert, ist Walz als Vater dreier Kinder kein „Extrem-Spieler“. Bei ihm muss es schnell gehen, wie bei „6 nimmt“. Walz: „Diese Karten sind in einer Minute spielbereit, die Regeln in zwei Minuten erklärt und nach fünf Minuten haben alle Spaß!“

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang