Fußball-WM

Spiel, Sitz und Sieg!


In fünf südafrikanischen Stadien fiebern Fans auf Stühlen der Stechert Stahlrohrmöbel GmbH

Wilhermsdorf. Die südafrikanische Flagge fehlt vor der kleinen, feinen Hauptverwaltung von Stechert Stahlrohrmöbel. Dabei könnte sie Geschäftsführer Franz Stegner (74) mit Stolz neben der fränkischen, bayerischen und europäischen hissen lassen.

Denn die Produkte seines Unternehmens spielen bald eine tragende Rolle: in fünf von zehn Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft. Die Fans dort werden meist nicht wissen, dass sie unvergess­liche Momente auf Stühlen mit mittelfränkischem Know­how verbringen.

„Solche Sitze müssen idiotensicher sein, sagt Firmenchef Stegner ganz cool. Und strenge Auflagen des Weltfußballverbands Fifa erfüllen, etwa zu Van­dalismus und Brandschutz.

Gefertigt hat die WM-Modelle eine Partnerfirma am Kap. „Aber wir haben sie in punkto Qualität genau unterwiesen“, betont Stegner. So umging er auch den hohen Einfuhrzoll von 19 Prozent.

Neben der Standard-Klappform sind auch edle VIP-Modelle mit doppelgenähten und dreifach neigbaren Polstern im Programm. Für Trainer- und Ersatz­spieler-Bänke sogar extra verspannungsfreie Komfortsitze – plus Rückenheizungen. Und alles in Dutzenden Farben.

Weniger auffällig sind die Metallführungen, stabilen Spezialscharniere und verstärkenden Doppelrohre, für die der Hersteller mehrere Patente hält.

Ebenso wie für Beschichtungen zugunsten langlebiger Oberflächen. Zugekauft werden nur die Kunststoffschalen aus Spritzguss. „Wir sind zwar ein paar Euro teurer als asiatische Anbieter“, sagt Stegner, der sich vom Polsterer bis zum Chef hochgearbeitet hat. „Aber neu Bestuhlen, weil man nach paar Jahren alles wieder rausreißen muss, kommt doppelt so teuer.“

Auch international der Durchbruch

Den ersten spektakulären Arena-Auftrag holte der umtriebige Unterfranke 2001 mit 70.000 Sitzen für das Berliner Olympia-Stadion.

Heute sind Stechert-Modelle zum Beispiel im Stadion Nürnberg, Leverkusen, Groningen in den Niederlanden und der Eis-Arena Wolfsburg eingebaut. Die 157.000 Südafrika-Sitze sollen der internationale Durchbruch sein.

Noch deutet am Firmen-Hauptsitz in Wilhermsdorf, 35 Kilometer westlich von Nürnberg, nichts auf einen Global Player hin.

Die Bimmelbahn hält zwar sogar zweimal im Ort. Doch sonst produzieren 60 Mitarbeiter ohne Ablenkung zwischen Ackerland und Hauptstraße im Jahr bis zu 500.000 Stadionstühle. Sie haben 140 Kollegen in einem Nachbarort und in Thüringen. „Wir liefern nur höchste, deutsche Qualität“, sagt Stegner selbstbewusst.

Und senkt die Stimme für sein Erfolgsrezept: „Will ein Stadionbetreiber schmalere Sitze, weil dann 300 mehr reinpassen und das mehr Kohle bringt – ja dann kriegt er schmalere von mir!“

Auch Wünsche der Architekten, wie höhere Rückenlehnen, erfüllt der einstige Hobby-Kicker. „Das ersetzt die Absturzbügel und schaut gut aus.“ Schwärmend erzählt er von den WM-Spielstätten: „Die sind farbenfroh, nicht so nüchtern wie die Allianz-Arena!“ Deshalb gefällt ihm auch das Stadion in Polokwane mit seiner stilisierten Berglandschaft auf den Sitzen.

Das nächste Ziel ist Brasilien

26 Millionen Euro Umsatz machte der Betrieb 2009 in seinem 56. Jahr, 80 Prozent davon mit Büro-, Praxis- und Konferenz-Stühlen.

Mit Stiefsohn Erwin Stechert hat Seniorchef Stegner längst das nächste Geschäft im Visier: Brasilien! Für die WM 2014 locken eine Million neue  Stadionsitze.

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