Bahntechnik

Spezialtechnik schützt den Kölner Dom vor Schwingungen

Köln. Einfach nur Stille! Nichts sehnlicher als das wünschten sich die Verantwortlichen und Besucher des Kölner Doms, nachdem im Dezember 2012 das erste Teilstück der neuen Nord-Süd-Stadtbahn in Betrieb ging.

Denn jedes Mal, wenn ein Zug der Linie 5 durch den Tunnel unterhalb der fast 800 Jahre alten Kathedrale fuhr, erzeugte dies oben im Kirchenraum Schwingungen und dumpfe Geräusche. Ein schnelles Ende war gefragt.

Man kontaktierte Hermann Ortwein (68), Geschäftsführer und Gründer des Kölner Schienenspezialisten OSC Railtec. Und dem war die Lösung des Problems gleich klar: Naturkautschuk.

Gutachten bestätigt: Die Spezialteile halten mindestens 25 Jahre

Ortwein ist kein Unbekannter auf diesem Gebiet. Schon mehrfach hatte er mit diesem Material Erfolg. 1978 meldete er das sogenannte Kölner Ei zum Patent an: einen ellipsenförmigen Kautschuk­ring, der die Schienen abfedert. „Es war das weltweit erste elastische Element unter der Schiene.“

Seither haben Ortwein und Geschäftspartner Willi Schumacher Hunderte Kilometer Gleis im In- und Ausland mit ihren Dämpfungssystemen aus Naturkautschuk ausgestattet. Jetzt also die Rettung des Kölner Wahrzeichens, der am häufigsten besuchten Sehenswürdigkeit Deutschlands. Die beiden Unternehmer konnten sich diesen Auftrag nicht entgehen lassen: „Für uns war das ein Prestigeobjekt“, sagt Ortwein.

In nicht einmal zwei Tagen wurden die rund 500 Schienenlager ausgetauscht, auf zwei 60 und 90 Meter langen Streckenabschnitten unter der Kathedrale. Bei den neu eingebauten Spezialteilen, sogenannten Delta-Lagern, liegt der Schienenkopf auf dem Kautschuk auf. Sobald eine Bahn darüber hinwegfährt, federt die Schiene bis zu sechs Millimeter ein. „Auf diese Weise wird die Vibration um rund 95 Prozent gesenkt“, erklärt Ortwein.

Dompropst Norbert Feldhoff konstatiert: „Nach meinem Eindruck ist es ruhiger geworden. Dom-Besucher bestätigen das.“ Und in der Tat: Messungen der Kölner Erdbebenwache im Dom haben ergeben, dass die Erschütterungen wieder in dem Bereich sind, in dem sie vor der Inbetriebnahme des U-Bahn-Tunnels lagen.

Das dürfte auch so bleiben: Ein Gutachten der in Köln ansässigen „Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen“ bescheinigt den eingesetzten Teilen, dass sie zumindest für die kommenden 25 Jahre ihre Funktion erfüllen.


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