Heiß begehrtes Titandioxid

Spezialpigmente: So wird aus Schwarz Weiß gemacht


Duisburg. Die Begeisterung für seinen Job spürt man bei Norbert Schröder sofort. Direkt unter dem heißen, sich drehenden Koloss, einem Stahlrohr, bleibt der Prozess-Ingenieur stehen, nickt nach oben: „Das ist das Herzstück unserer Produktion“, schwärmt er. „In dem Ofen lassen wir winzige Titan­dioxid-Kristalle bei 1.000 Grad Celsius auf die gewünschte Größe und Form wachsen.“

Damit sie Lippenstift Deckkraft verleihen, die Fasern im Fußballtrikot mattieren oder Kunststoff-Fenster weiß färben. Titandioxid ist die Spezialität des Traditionsunternehmens Sachtleben und seiner 2.200 Mitarbeiter in Duisburg, Krefeld und Pori (Finnland). Das Weißpigment ist begehrt bei Herstellern von Kunststoffen, Synthesefasern, Farben, Lacken, Kosmetika, Arzneien und Lebensmitteln.

70 verschiedene Sorten und Qualitäten des Pigments fertigen die Duisburger

Rund 100.000 Tonnen stellen die Duisburger davon pro Jahr her, im gesamten Unternehmen sind es 340.000 Tonnen. Ausgangsstoff ist ein schwarzes Erz namens Ilmenit. Mithilfe von Schwefelsäure wird das Titan herausgelöst, durch Verdünnen mit Wasser ausgefällt, getrocknet und „gebrannt“. In drei bis vier Tagen entsteht so ein extrem feines, weißes Pulver – das Titandioxid. „Im Grunde machen wir aus Schwarz ein Weiß“, meint Schröder augenzwinkernd.

Fast 70 Sorten und Qualitäten fertigen die Duisburger, die weltweit die Nummer sechs der Branche sind. „Wir konzentrieren uns auf hochwertiges Titandioxid“, erklärt der finnische Marketing-Vorstand Juha Mäkinen. „Denn in der Massenproduktion können wir mit den Großen nicht konkurrieren. Deshalb erfinden wir Partikel, die so noch keiner hat.“

Rund 100 Laboranten, Techniker und Chemiker tüfteln bei Sachtleben ständig an Neuem. Oder sie besuchen Kunden, um mehr über den Einsatz ihrer Produkte zu erfahren und noch gezielter forschen zu können.

So entwickelten sie zum Beispiel eine Spezialität für Lacke. Sie optimiert die Verteilung und Anordnung der Lackteilchen. Dadurch können die Hersteller Bindemittel und Zusatzstoffe sparen. Überdies glänzt der Lack besser. Neu ist auch eine Flüssig-Mixtur des Pigments (Suspension), die lange stabil bleibt und Papierfabriken die Produktion erleichtert.

„Wir sind die innovativste Firma unter den großen Herstellern“, meint Marketing-Chef Mäkinen. Die Neuheiten geben dem Geschäft Schub. Etwa 800 Millionen Euro setzt Sachtleben jährlich um. In den beiden Wachstumsjahren nach der Wirtschaftskrise 2009 war die Firma „zeitweilig komplett ausverkauft“, berichtet Mäkinen.

Das soll nicht wieder passieren. Deshalb übernahmen die Duisburger 2012 den insolventen Wettbewerber Crenox im nahen Krefeld-Uerdingen. 100.000 Tonnen Produktionskapazität und 550 Mitarbeiter kamen hinzu. „Jetzt haben wir für alle wichtigen Produkte mindestens zwei Standorte, wo wir sie fertigen“, sagt Mäkinen. „So können wir stets verlässlich liefern.“

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Schlagwörter: Produktion Chemie

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