Von der Rolle

Spezialdruck: Die Chemie-Firma Kurz Typofol produziert für Kreditkarten, Etiketten & Co.

Döbeln. Im Lager liegen sie zu Hunderten: zentnerschwere Rollen mit bis zu 20 Kilometer bunter Folie. Und doch findet Lageristin Sissy Holley mit dem Warenverwaltungssystem im Nu die Rolle für den aktuellen Auftrag.

Diese mehrschichtigen Farbfolien sind die Spezialität von Kurz Typofol im sächsischen Döbeln. 80 Mitarbeiter stellen sie an fünf Tagen in der Woche rund um die Uhr her. „Wir fertigen sogenannte Thermotransfer-Farbbänder“, erklärt Geschäftsführer Martin Baumgart.

„Mit der Farbe von der Folie bedrucken unsere Kunden Etiketten, Kreditkarten, Shampoo-Flaschen oder Barcode-Aufkleber für Produkte.“ Das sei besser, als die Farbe mit den üblichen Druckverfahren aufzubringen, erläutert Baumgart. „Mit der Folie geht das viel schneller, die Druckqualität ist besser und der Aufdruck haftet besser.“

Die Döbelner stellen die Farbbänder, die heute bis zu 1.300 Millimeter breit sein können, vor allem für Kunden mit sehr hohen Qualitätsansprüchen her. Zum Beispiel für Profi-Sportklubs in Europa oder den USA, die damit Werbemittel wie Aufkleber und Fähnchen gestalten. Oder für Firmen, die Bankkarten produzieren und mit einer durchsichtigen Farbschicht vor Abnutzung schützen.

Die Farbbänder werden in großen Anlagen hergestellt. Eine Bahn aus dem Kunststoff Polyester wird in mehreren Schritten mit einem System von Lacken sehr dünn beschichtet. Neben pigmentierten sind dabei auch metallisierte Schichten möglich, um beim Druck einen Glanzeffekt zu erreichen. Von der so hergestellten Folie werden im Drucker des Anwenders die aufgebrachten Schichten durch Wärme als Buchstabe, Zahl oder Symbol auf ein Etikett übertragen.

Damit unterschiedlichste Materialien bedruckt werden können und das auch mehrfarbig, habe man inzwischen „eine große Auswahl verschiedener Typen von Farbbändern“ im Angebot. Nur Metall und Glas lassen sich so nicht veredeln.

Spezielle Technik sorgt für Wurzelholz-Optik in Mittelklassewagen

Weil die breiten Rollen für die meisten Drucker viel zu groß sind, werden sie vor dem Versand in speziellen Maschinen auf die richtige Größe und Länge zugeschnitten. Mit diesem Service beliefert das Werk auch kleinere Aufträge von Werbefirmen, Druckereien oder Winzern – ein wachsendes Geschäft.

Zudem machen die Döbelner in ihrem Servicezentrum in kleinerem Umfang auch sogenannte Heißpräge-Rollen für Kunden passgerecht, die der Mutterkonzern, die Kurz-Gruppe im fränkischen Fürth, herstellt. Der Konzern hat an weltweit elf Produktionsstandorten etwa 4.500 Mitarbeiter und ist beim Heißprägen Weltmarktführer.

Mit dieser Technik werden zum Beispiel gebogene Kunststoffteile im Auto veredelt. So lassen sich etwa Wurzelholz-Optiken im Cockpit von Mittelklasse-Modellen preiswert aufbringen.


Schon gewusst?

Foto: Sturm
Foto: Sturm

Wie Thermotransfer geht

  • Seit Mitte der 80er-Jahre gibt es das Thermotransferdrucken. Entwickelt wurde es in Japan für die komplizierte Schrift.
  • Beim Drucken (Foto) wird eine Farbfolie zusammen mit dem Papier an einem Druckkopf entlanggeführt. Das ist eine Platte mit vielen Heizpunkten. Pro Millimeter sind es zwölf.
  • Je nach Druckvorlage werden diese Dots elektronisch angesteuert und erwärmt.
  • Die Wärme überträgt die Farbe auf das Material – und zwar trocken. So kann es keine Verwischungen geben.

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