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Spezial-Zutat für Reifen


Styron investiert in die Produktion von synthetischem Kautschuk

Schkopau. Rasch gleiten die dicken, weißen Blöcke vorbei. Im gleichmäßigen Takt passieren sie die elektronische Waage und den Lichtstrahl des Metall-Detektors. Anlagenfahrer Markus Östreicher überwacht das Ganze. Was ziemlich einfach erscheint, doch daran hängen Menschenleben.

„Verunreinigungen können wir nicht brauchen im Kautschuk“, erklärt Östreicher. „Schon gar nicht Metallsplitter.“ Die wären für jeden Autoreifen ein Sicherheitsrisiko. Und das soll nicht sein. Denn der größte Teil des künstlichen Kautschuks, den Östreicher und Kollegen hier bei der Firma Styron in Schkopau (Sachsen-Anhalt) produzieren, geht an Reifen-Hersteller.

Neue Rezeptur sehr begehrt

Östreicher ist verantwortlich für die letzten Schritte der Produktion von synthetischem Kautschuk: das Trocknen der in Wasser aufgeschwemmten klebrigen Masse, das Pressen, das Verpacken. 300.000 Tonnen stellen die 435 Mitarbeiter im Jahr her. Der größte Teil ist Kautschuk vom Typ SSBR (für „Solution Styren-Butadien-Rubber“). Das ist der neueste Kautschuk auf dem Markt. Und er ist sehr begehrt.

 

Zwar kommen in einen Autoreifen neben anderen Kautschuktypen, Ruß, Öl, Harzen und Silica nur etwa ein bis 2,5 Kilogramm dieses synthetischen Kautschuks. Aber diese Menge prägt maßgeblich die Eigenschaften des Pneus.

Mit denen punktet der SSBR-Kautschuk: „Er verringert den Rollwiderstand von Reifen“, erklärt Geschäftsführer Ralf Irmert. „Dadurch lässt sich der Sprit-Verbrauch eines Autos um 5 bis 10 Prozent senken.“ Zudem haften Reifen auf Basis von SSBR-Kautschuk gut bei Nässe, wiegen weniger und halten länger. Genau diese Eigenschaften erwarten Reifenproduzenten und Autofahrer. Auch die EU wünscht sich solche Pneus.

Mit einer neuen Kennzeichnung will sie es dem Verbraucher erleichtern, die Leistung eines Reifens einzuschätzen: „Jeder Reifen bekommt ab November ein Label ähnlich dem auf Kühlschränken“, erklärt Irmert. „Das gibt Auskunft über Kraftstoff-Effizienz, Haftung bei Nässe und Rollgeräusch.“ Sieben Klassen gibt das Label vor; ein Pfeil zeigt an, wo der Pneu rangiert.

Kapazität steigt auf 350.000 Tonnen

Um bei dieser Einstufung gut abzuschneiden, setzen Reifen-Hersteller auf den SSBR-Kautschuk. Die Nachfrage wächst und lässt das Geschäft von Styron brummen.

Seit Mai vergangenen Jahres baut Styron deshalb in Schkopau eine weitere Anlage zur Produktion dieses Kautschuks. Rund 90 Millionen Euro investiert das weltweit agierende US-Unternehmen (2.200 Mitarbeiter) in den Standort, wo 1937 erstmals künstlicher Kautschuk hergestellt wurde. „In dem neuen Betrieb werden wir voraussichtlich im Herbst 2012 loslegen“, kündigt Geschäftsführer Irmert an. Dann können die Schkopauer sogar bis zu 350.000 Tonnen pro Jahr produzieren.

Die Mitarbeiter für die neue Anlage sind schon fast alle eingestellt. Erfahrene Kollegen trainieren sie derzeit für ihren zukünftigen Job. Insgesamt wuchs die Belegschaft in Schkopau um 35 auf 435 Mitarbeiter. „Auch unser Forschungsteam haben wir verstärkt“, sagt Irmert. Schließlich soll künstlicher Kautschuk in Autoreifen in Zukunft den Sprit-Verbrauch noch weiter senken.

 

SCHON GEWUSST?

Warum Kautschuk so klebt

Synthese-Kautschuk ist ganz schön klebrig. Das muss er auch sein, damit am Ende Gummi entsteht. Warum aber klebt er? Ausgangsstoff der Produktion ist Rohbenzin. Das wird bei hohen Temperaturen in kleinere Moleküle zerlegt, darunter die Verbindungen Styrol und Butadien. Aus den kleinen Molekülen stellt man zuerst Latex her.

Den bricht man nun mit Dampf und Hilfschemikalien auf, die Moleküle verbinden sich dann zu einem Kautschukkrümel. Das Butadien-Molekül im Kautschuk bleibt wegen einer freien Bindungsstelle noch reaktionsfähig – das ist der Kleber im Material und die Voraussetzung dafür, dass der Kautschuk sich beim Vulkanisieren mit weiteren Stoffen zu Gummi verbindet.

 

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