Ideenmanagement spart Geld

Spart dem Unternehmen Geld: Torsten Wuttke hat die Logistik im Siemens-Werk verbessert

Fürth. Wenn er zurückblickt, staunt er noch immer, welche Wendung sein Leben genommen hat. „Vom Tellerwäscher zum Millionär“, scherzt Torsten Wuttke (30). Der Familienvater ist froh darüber, dass er jetzt einen unbefristeten Job hat, die Meisterschule für das Fach Logistik besucht – und nebenbei seinen Arbeitsbereich im Siemens-Werk in Fürth mit pfiffigen Ideen umstrukturiert hat: So pfiffig, dass seine Firma dadurch jährlich einen fünfstelligen Betrag einspart.

Mathematik war immer schon sein Steckenpferd

Als der gelernte Maler und Lackierer 2010 durch eine Zeitarbeitsfirma zu Siemens kam, hatte er zuvor unter anderem als Teamleiter in einem insolvent gegangenen Schmelzbetrieb gearbeitet. Im Werk in Fürth startete er dann in der Logistik – ein völlig anderer Zweig. Aber: „Das war meine Welt“, schwärmt er.

Mathe und Organisation hätten ihm immer schon gefallen. Darin konnte er sich nun austoben, eigene Ideen entwickeln. Seine Vorgesetzten erkannten die Fähigkeiten des damals 25-jährigen Zeitarbeitnehmers und holten ihn in die Stammbelegschaft.

Wuttkes Interesse liegt darin, die Prozesse in der Logistik zu verschlanken. Seine Abteilung verschickt Steuerungen für automatische Aufzugtüren in alle Welt. Der Vorgang klingt banal: Produktdaten erfassen, Ware in eine Schachtel stecken, noch mal Daten erfassen, Schachtel im Paket verstauen, fertig. „Zu kompliziert“, sagte Wuttke dennoch. „Warum diese Reihenfolge? Wofür brauche ich so viel Material direkt im Arbeitsbereich? Das nimmt Platz weg – und es ist umständlich.“

Er reduzierte die Materialien vor Ort und schaffte einen klaren Workflow von links nach rechts. Das verkürzte die Wege, die die Mitarbeiter beim Verpacken zurücklegen. Und es erlaubte Siemens, eine Station für ein weiteres Produkt einzurichten.

Außerdem führte Wuttke Hilfsmittel ein, die den Rücken entlasten: Ein in der Höhe verstellbarer Hubwagen transportiert die Produkte an den ebenfalls höhenverstellbaren Arbeitsplatz, eine Hebebühne neben dem Tisch fährt die schweren Pakete beim Packen hoch und runter.

Seit Januar arbeiten die Kollegen mit dem neuen System. Jürgen Epp, der Leiter der Logistik-Abteilung, sagt: „Es hat sich bewährt. Die Akzeptanz ist hoch.“ Er freut sich über engagierte Mitarbeiter wie Wuttke. Es sei wichtig, dass sie sich auf diese Weise einbringen: „Sie sind die Fachleute für ihre Arbeit und wissen am besten, wo Veränderungen sinnvoll sind.“ Wer dies als Unternehmen ernst nehme, habe mehr davon als nur Geld: „Die Zufriedenheit und Motivation am Arbeitsplatz wächst. Das ist unbezahlbar.“

Hoch motiviert ist Wuttke auf jeden Fall. „Ich mag es, Prozesse immer wieder zu hinterfragen“, sagt er. Und bekräftigt: „Dass ich hier die Chance dazu habe, ist für mich wie ein Sechser im Lotto.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Gelernt habe ich eigentlich Maler und Lackierer. Das gefiel mir nicht so gut. Ein Zufall hat mich dann zur Logistik geführt.

Was reizt Sie am meisten?

Wir fertigen hier mehr als 10.000 Produkte in kleiner Stückzahl. Das bedeutet viel Abwechslung und ist jedes Mal eine neue Herausforderung, auch logistisch.

Worauf kommt es an?

Wir müssen stets flexibel sein, auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen. Es gilt, Vorgänge immer neu zu denken und zu planen.

Aktives Vorschlagswesen

  • Verbesserungsideen von Mitarbeitern sind für Unternehmen ein wichtiger Treiber. Das Deutsche Institut für Betriebswirtschaft liefert dazu jetzt neue Zahlen.
  • In 136 vom Institut ausführlich befragten Firmen reichte im Schnitt jeder Mitarbeiter eineinhalb Vorschläge ein. Jeder zweite Vorschlag wurde auch umgesetzt.
  • Mit im Schnitt 3,75 Vorschlägen waren die Beschäftigten der Metall verarbeitenden Industrie besonders findig, gefolgt von denen in Maschinen- und Anlagenbau, Elektroindustrie, Eisen- und Metall- sowie Auto-Industrie.
  • Schlusslicht bildeten die Energie- und die Finanzbranche: Sie kamen im Jahr 2015 lediglich auf 19 beziehungsweise 13 Vorschläge je 100 Mitarbeiter.
  • Mitarbeiter kleinerer Firmen waren innovativer. Im Schnitt schlug dort jeder drei Neuerungen vor, in Großkonzernen waren es zwei.

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