Halbleiter im Haushalt

Sparsamer kochen mit Mikrochips

München. Um die 1.400 Euro kostet ein guter Induktionsherd – der nicht die Herdplatte erhitzt, sondern direkt den Topf, und zwar per Magnetfeld. Bisher ein ziemlicher Luxus. Doch jetzt kommt die Revolution in der Küche.

„Kochen mit Induktion könnte bald annähernd so günstig werden wie ein guter normaler Elektroherd“, prophezeit Stephan Voss vom Münchner Halbleiter-Hersteller Infineon. Voss leitete ein Projekt, in dem die Firma das „Herz“ dieses Hightech-Geräts noch mehr auf Leistung getrimmt hat.

Es geht um spezielle Mikrochips, die den Strom in Kupferspulen unterm Kochfeld superfein dosieren. Diese sogenannten Leistungshalbleiter regeln hohe elektrische Spannungen: Sie schalten im Herd Wechselströme in Spulen – und das daraus resultierende elek­tromagnetische Feld erzeugt die Hitze zum Kochen. „Einfach gesagt sind diese Mikrochips Schalter, die den Strom an- und ausknipsen“, erklärt Voss. „Und zwar unvorstellbar schnell – mehrere Zehntausend Mal pro Sekunde.“

Mehr Lebensqualität – und wohl auch ein Stück Klimaschutz

Die neuen Chips sind 40 Prozent effizienter als ihre Vorgänger. Beim Schalten geht weniger Energie verloren, also brauchen die Hersteller weniger Bauteile und kleinere Spulen – was die Geräte preiswerter machen dürfte.

Bei Infineon rechnet man damit, dass in deutschen Küchen in einigen Jahren doppelt so viele Induktionsherde stehen wie bisher: statt jetzt sechs Millionen rund zwölf Millionen Stück. Das ist nicht nur Lebensqualität, sondern wohl auch ein Stück Klimaschutz. Ein Induktionsherd verbraucht im Schnitt jährlich 60 Kilowattstunden weniger Strom als ein Elektroherd. So lasse sich in Deutschland eine Menge des Treib­hausgases CO2 einsparen, „die dem Ausstoß von 100.000 Autos entspricht“.

Drei Jahre lang hat das Unternehmen mit Haushaltsgeräte-Zulieferer E.G.O. in Oberderdingen (Baden-Württemberg) und der Universität Bremen an den Chips geforscht. Der Bund förderte das jetzt abgeschlossene Projekt mit 1,2 Millionen Euro. Die ersten Herde mit der neuen Technik sollen noch dieses Jahr auf den Markt kommen.

Die im letzten Geschäftsjahr 3,8 Milliarden Euro Umsatz von Infineon kommen zu 60 Prozent aus solchen Leistungshalbleitern. Sie stecken zum Beispiel auch in Windrädern, S-Bahnen und Lokomotiven sowie in Mini-Motoren, die im Auto die Sitze verstellen. Sie versorgen auch den Generator im Kühlschrank und steuern den Schleudergang der Wasch­maschine.


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