Wie’s leichter geht

So wollen Betriebe älteren Mitarbeitern die Arbeit erleichtern und jüngere fit halten

Ingolstadt/Berlin. Wenn Gizem Cataloglu im Audi-Werk Ingolstadt die Cockpits für den neuen A4 montiert, dann trägt sie auf der Rückseite ihrer Beine Kunststoffschienen. Sie sind mit Gurten an Hüfte, Knien und Fußknöcheln befestigt. Geht sie in die Knie, um eine Lautsprecherbox einzubauen, dann gibt ihr der „Chairless Chair“ Halt, also der „stuhllose Stuhl“. Die Schienen aus mit Kohlenstoff-Fasern verstärktem Kunststoff passen sich dieser Position hydraulisch an. Die Mitarbeiterin sitzt dann auf einer kleinen Sitzfläche – und kann gelenk- und rückenschonend arbeiten.

Kein Einzelfall. Immer mehr Betriebe arbeiten daran, schon jetzt auf den Rückgang der Erwerbsbevölkerung ab 2020 zu reagieren. Sie wollen Beschäftigte länger arbeitsfähig halten, durch flexible Arbeitszeitmodelle für Ältere, durch Fort- und Weiterbildungen – oder eben durch die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze: „Die größte Herausforderung sehen die Praktiker darin, altersgerechte Arbeitsplätze zu schaffen und durch Prävention früh die Weichen für ein langes Berufsleben zu stellen“, sagt Reiner Klingholz, Leiter des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und Mitautor der Studie „Produktiv im Alter“.

Der Haushaltsgerätehersteller BSH erprobt im Geschirrspülerwerk in Dillingen (Schwaben) ergonomisch neue Lösungen und Arbeitszeitmodelle. BMW führt nach Pilotprojekten in verschiedenen Produktionsbereichen und Werken das Programm „Heute für morgen“ flächendeckend an allen größeren deutschen Standorten ein: „Insgesamt“, so teilt der Autohersteller mit, „sind bereits mehrere Hundert Fertigungsbereiche mit über 20.000 Mitarbeitern im Rahmen des Programms erfasst und auf dem Weg zu alternsgerechten Arbeitsplätzen.“ So will man – auch präventiv – Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Kompetenzen erhalten.

Zielgruppe sind also nicht nur die älteren, sondern auch jüngere Arbeitnehmer. Wie die erst 22-jährige Cataloglu. „Hätten wir den Chairless Chair schon vor 20 Jahren gehabt, gäbe es weniger ältere Mitarbeiter mit Rücken- oder Knieproblemen“, sagt Helmut Schlosser, stellvertretender Fertigungsabschnittsleiter Fahrzeugmontage.

Er fügt hinzu: „Wenn sich Mitarbeiter wie Gizem Cataloglu wohlfühlen, dann kommt das der Qualität der Produkte und der Produktivität zugute. Denn wenn ein Beschäftigter ständig Schmerzen hat, dann beeinträchtigt das auch seine Leistungsfähigkeit und führt zu krankheitsbedingten Ausfällen.“


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