Verpackungs-Design

So wird aus einer Dose ein Lifestyle-Produkt


Recklinghausen. „Die Dose machen wir, ihr doch nur den Deckel.“ – „Aber der ist die Krönung der Dose!“ Wenn die beiden Schichtleiter Sven Gengenbach und Mathias Jendrowiak sich bei Besucherführungen treffen, dann kabbeln sie sich. Denn der eine produziert mit seiner Mannschaft die Dosen, der andere gleich nebenan die Deckel.

Willkommen in Deutschlands ältester Fabrik für Getränkedosen in Recklinghausen. Die Fertigung startete 1968, fünf Jahre nach Erfindung der zweiteiligen Getränkedose in den USA.

Seit 1999 gehört das Werk mit zwei weiteren Fabriken in Deutschland zum britischen Rexam-Konzern. Der ist in seiner Branche europaweit mit Abstand die Nummer eins und gehört weltweit zu den Top Ten. Allein hierzulande stellen rund 700 Mitarbeiter (davon 15 Azubis) pro Jahr rund fünf Milliarden Dosen her.

Auch wenn Deckel und Dose für uns Endverbraucher immer als Einheit daherkommen, ist die gemeinsame Produktion der beiden Teile an einem Standort weltweit die Ausnahme.

Muss ja auch nicht: Schließlich werden Dose und Deckel erst nach der Befüllung beim Getränkehersteller zu einer Einheit verschlossen. Denn ist die Lasche auf dem Nietnippel oben auf der Dose erst mal aufgerissen, lässt sie sich nicht wieder verschließen. Eine Einwegverpackung eben.

Wenn Gerhard Mayer, der Geschäftsführer in Recklinghausen, aus dem Fenster schaut, sieht er Laderampen, an denen ein Lkw nach dem anderen mit 250.000 Dosen beladen wird: „Wir arbeiten rund um die Uhr an 360 Tagen im Jahr.“ Die Dosen gehen zu 90 Prozent in den Export. Denn seit Einführung des Einweg-Pfands Anfang 2003 ging die Nachfrage in Deutschland abrupt zurück.

Nachfrage nahm erstmals wieder zu

Wurden zuvor jährlich sieben Milliarden Dosen hierzulande gebraucht, sind es heute nur noch 1,1 Milliarden. Gerhard Mayer: „Das ging damals innerhalb von wenigen Monaten richtig runter.“ Es gab Kurzarbeit und Entlassungen, „aber es war der Wille da, die Standorte zu erhalten“. In Recklinghausen sank die Zahl der Mitarbeiter von mehr als 400 auf heute 360.

Immerhin: Vieles deutet auf ein Comeback des Fliegengewichts aus Aluminium hin. So titelte etwa kürzlich der Münchner Merkur: „Die Dose ist wieder zurück“. Und machte für 2011 einen Anstieg von rund 20 Prozent in Deutschland aus. Ein Grund: Das leichte Ding ist heutzutage die hippe Verpackung für Lifestyle-Getränke, allen voran Energy-Drinks.

Der feine Unterschied zur Büchse

Machte es noch vor Jahren nur „Zisch“ bei Limo, Cola und Wasser, so ummanteln heute immer schlankere und raffiniertere Behälter Molke, kalten Kaffee und Prosecco & Co. Mayer: „Da spielt die Dose ihre unendlichen Gestaltungsmöglichkeiten aus. Und genau das schafft für unsere Kunden die Möglichkeit, sich vom Wettbewerber abzusetzen.“

Den Dosenmachern ist es völlig egal, was am Ende reinkommt in das runde Ding, Hauptsache, niemand nennt es Büchse. Da versteht Schichtleiter Sven Gengenbach wenig Spaß: „Eine Getränkedose besteht aus nur zwei Teilen und hat keine Naht am Zylinder. Eine ordinäre Büchse hat Boden, Zylinder und Deckel, also drei Teile. Und statt Prosecco kommen da nur Obst, Gemüse, Suppe oder Würstchen rein.“

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