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„Hausfrauenschicht 2.0“ beim Bügeleisenhersteller

So vermeidet Rowenta teuren Stillstand in der Produktion

Die Industrie-Fertigung noch produktiver machen: Dafür genügen manchmal schon kleine Änderungen! Rowenta zum Beispiel hat ein neues Schichtsystem eingeführt, das sich für alle auszahlt. AKTIV hat sich das mal angesehen.

Sibylle John: „Das neue System passt für mich perfekt – und die Abwechslung ist klasse.“ Foto: Wirtz

Sibylle John: „Das neue System passt für mich perfekt – und die Abwechslung ist klasse.“ Foto: Wirtz

Romona Muhn: „Ich bin fast überall einsetzbar.“ Foto: Wirtz

Romona Muhn: „Ich bin fast überall einsetzbar.“ Foto: Wirtz

„Bei uns sind auch Mitarbeiter mit Einschränkungen wichtig.“ Harald Reh, Orga-Leiter Endmontage. Foto: Wirtz

„Bei uns sind auch Mitarbeiter mit Einschränkungen wichtig.“ Harald Reh, Orga-Leiter Endmontage. Foto: Wirtz

Erbach. Rowenta in Erbach ist eines der modernsten Bügeleisenwerke Europas. Im Vorjahr haben die knapp 200 Mitarbeiter fast 1,5 Millionen Bügeleisen im mittleren und oberen Preissegment hergestellt. Bis auf ein paar Kleinteile komplett „made in Germany“!

Damit das so bleibt, wird in dem Betrieb im Herzen des hessischen Odenwalds ständig daran gearbeitet, die Produktion noch wettbewerbsfähiger zu machen. Ein wichtiges Element dabei: ein rollierendes Schichtsystem für Mitarbeiterinnen in Teilzeit, eine Art „Hausfrauenschicht 2.0“. Was vor zwei Jahren als Unterstützung für die Früh- und die Spätschicht eingeführt worden ist, nützt der Firma und den Mitarbeitern.

Kleine Teams überbrücken jetzt die Pausen, viele Mitarbeiter werden flexibel eingesetzt

„Die Neuerung hat unsere Erwartungen sogar noch übertroffen“, resümiert Rowenta-Personalchef Thomas Buresch. „Das System macht uns wettbewerbsfähiger. Und wir können Mitarbeitern, die keine Vollzeitstelle möchten oder wegen einer körperlichen Beeinträchtigung nicht mehr so viel arbeiten können, eine Alternative bieten.“

Bei Rowenta wird im Zweischicht-Betrieb produziert, saisonal auch mal in drei Schichten. Früher stand das Band während der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen eine halbe Stunde pro Schicht still. Nun kann es einfach weiterlaufen, denn parallel zu den Vollzeitkräften sind immer auch Kolleginnen von der Hausfrauenschicht im Einsatz: Vier Teams à vier Mitarbeiterinnen, die jeweils fünf Stunden arbeiten und so die Pausenzeiten der anderen abdecken – oder auch einspringen, wenn andere im Urlaub oder krank sind.

Ziel jeder Schicht sind 3.000 fertige Bügeleisen. „Durch das neue System sind, wenn alles rundläuft, deutlich mehr drin“, freut sich Harald Reh. Als organisatorischer Leiter der Endfertigung sorgt er unter anderem dafür, dass die Einsatzpläne perfekt ineinandergreifen. „Jeder beherrscht hier mindestens drei Arbeitsplätze“, betont Reh. „Wir haben eine Qualifikationsmatrix, in der genau erfasst wird, wer welche Tätigkeiten ausüben kann, sodass während der Schicht die Stellen jederzeit unkompliziert getauscht werden können und niemand einseitigen Belastungen ausgesetzt ist.“

Altgediente Kräfte sind sehr zufrieden mit dem neuen Schichtsystem

Sibylle John, seit über 20 Jahren bei Rowenta, ist total begeistert: „Die Abwechslung ist klasse und tut dem Kopf und auch dem restlichen Körper gut.“ Auch Romona Muhn, seit fast 40 Jahren in der Firma, ist Fan des cleveren Systems. „Ich bin fast überall einsetzbar“, sagt sie selbstbewusst, „und ich mag eigentlich alle Arbeiten, von der Montage bis zur Endabnahme.“

Weil sie mehr Zeit für ihren Sohn und ihre Enkel haben möchte, will Muhn inzwischen keinen Vollzeitjob mehr. „Selbst in Teilzeit verdiene ich dank Metall- und Elektro-Tarif ja so viel wie manche Bekannte mit einem Vollzeitjob woanders …“ Für sie steht fest: „Wenn ich gesund bleibe, will ich hier gerne bis zur Rente arbeiten.“


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