Fit durch Vorsorge

So stellt sich der Autozulieferer Continental dem demografischen Wandel

Gifhorn. Torsten Langenheim, Maschineneinrichter beim Autozulieferer Continental in Gifhorn, wollte eigentlich nur ein bisschen Quatsch machen. Als er mit Kollegen auf dem Weg zum Kiosk war, kam er am kürzlich eröffneten „ContiFit-Center“ vorbei – und rief aus einer Laune heraus durch die offene Tür hinein: „Hallo, wir kommen!“

Doch Physiotherapeutin Silke Rusch, die in dem Center arbeitet, reagierte resolut. Sie hat, wie sie sagt, „den Herrn gleich in die Pflicht genommen“. Weil: „Für die Gesundheit sollte sich jeder selbst ein wenig ins Zeug legen.“

Seitdem trainiert Langenheim unter ihrer Anleitung eine Stunde pro Woche ganz gezielt seine Schulter- und Bauchmuskulatur. „Früher habe ich viel Sport getrieben, leider ist das eingeschlafen“, erzählt der 44-Jährige. „Ins ContiFit-Center kann ich gleich nach der Arbeit gehen. Das hat mich motiviert, wieder anzufangen.“

Individuelle Trainingspläne

Der Schwerpunkt des Centers liegt, anders als in herkömmlichen Fitnessstudios, auf Beratung und Eins-zu-eins-Betreuung. Jörg Nimoth, der Personalleiter am Standort, erklärt: „Wir wollen den Mitarbeitern vermitteln, wie sie sich fit halten oder fit werden können. Und sie dazu anregen, etwas für sich zu tun.“

Das Gesundheitsmanagement ist in dem Unternehmen breit angelegt. Continental produziert in Gifhorn mit rund 1.600 Mitarbeitern hydraulische Bremssystemkomponenten, Luftfedersysteme, Ventilblöcke und Elektromotoren. Die Belastung an Arbeitsplätzen wird systematisch bewertet – und es wird versucht, sie nach Möglichkeit zu reduzieren. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist das Pflicht, betont Nimoth: „Wenn wir 30 bis 40 Prozent der Arbeitsplätze altersstabil gestalten, sorgen wir dafür, dass Ältere länger arbeitsfähig bleiben.“

Den Ausschlag für das ContiFit-Center, das als Pilotprojekt in Kooperation mit der AOK Niedersachsen entstand, gab ein beunruhigender Trend: Die Zahl der Muskel- und Skelett-Erkrankungen war stark gestiegen. „Fast ein Viertel der krankheitsbedingten Fehlzeiten wird inzwischen dadurch verursacht“, so der Personalleiter. Für Werkleitung und Betriebsrat stand fest: Um die Leistungsfähigkeit auf Dauer zu erhalten, müsse man was tun.

In der Einrichtung können Mitarbeiter freiwillig bis zu drei Monate lang unentgeltlich trainieren – außerhalb und auch während der Arbeitszeit. Den Trainingsplan entwickelt Silke Rusch auf Grundlage des Arbeitsplatzprofils und der individuellen Leistungsfähigkeit – die man im ambulanten Reha-Zentrum in Braunschweig ermittelt und die nur für den Werkarzt und die Physiotherapeutin einsehbar ist.

Das Interesse an Trainings und Arbeitsplatzcoachings ist groß. Derzeit werden an drei Tagen 30 Mitarbeiter betreut. „Ich schätze, dass wir das Programm bald aufstocken müssen“, sagt Personalleiter Nimoth. Und der Maschineneinrichter Langenheim rührt inzwischen selbst die Werbetrommel unter den Kollegen in der Elektromotoren-Fertigung.

Er verrät: „Ich möchte mit meiner Mädchenfußballmannschaft, die ich in der Bezirksliga trainiere, mithalten. Dafür fehlte bislang die Fitness.“


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