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Wissensmanagement im Mittelstand: Beispiel Jola

So sorgt ein kleiner Betrieb dafür, dass wichtiges Know-how erhalten bleibt

Wichtiges Wissen bewahren, zum Beispiel, wenn erfahrene Mitarbeiter in Rente gehen: Das ist gerade für kleinere Firmen gar nicht so einfach! Bei Jola Spezialschalter geht man das Thema nun ganz systematisch an.

Symbolische Übergabe: Volker Mattil hört bald auf, Sohn Lars übernimmt. Foto: Friderichs

Symbolische Übergabe: Volker Mattil hört bald auf, Sohn Lars übernimmt. Foto: Friderichs

Lambrecht. Die Firma Jola Spezialschalter hält wohl einen Rekord. Nein, sie ist mit 60 Beschäftigten nicht riesig, wurde auch nicht zum innovativsten Start-up gekürt. Aber die Zeit, die sich Chef Volker Mattil und sein Sohn Lars für die Übergabe des Betriebs gönnen, ist sehr ungewöhnlich: zehn Jahre!

Ab etwa 2020 soll Lars Mattil die Geschäfte des Traditionsunternehmens in Lambrecht im Pfälzerwald alleine führen. Nun kommt es darauf an, dass mit dem Abschied des Seniors nicht zu viel Know-how verloren geht. Und das gehen die Mattils ganz systematisch an.

Nach und nach arbeiten sie alle Themenbereiche ab: vom Vertrieb über Rechtsfragen bis zur Technik. Lars Mattil hat BWL studiert und ist kein Ingenieur – schon deshalb kann er nicht alles Detailwissen selbst übernehmen. Der erste wichtige Punkt ist also: Zeit.

Es kommt darauf an, dass alle ihr Wissen gerne teilen

Nun funktioniert Wissenserhalt generell besser über das Verteilen auf viele Schultern. „Die Welt ist einfach viel zu komplex geworden, und das Tempo der Veränderungen nimmt ja immer noch zu“, so Lars Mattil. Daher bedeute Wissen heutzutage vor allem: Austausch. „Früher hat jeder sein Wissen gehabt und es für seine Arbeit genutzt. Heute brauchen wir Leute, die ihr Wissen freiwillig und gerne teilen – und zwar auch der Abteilungsleiter mit dem Praktikanten!“ Der zweite wichtige Punkt heißt also: Offenheit.

Natürlich, und das ist der dritte Punkt, hat das Ganze auch eine technische Seite: stärkere Vernetzung. Jola plant die Anschaffung diverser IT-Systeme, die alle miteinander vernetzt sein werden. Von zentraler Bedeutung soll ein neues ERP-System sein. So eine „Enterprise Resource Planning“-Software verwaltet alle Geschäftsprozesse, alle Bereiche sind über eine gemeinsame Datenbasis verbunden. In Großunternehmen ist so was üblich, in Familienbetrieben noch nicht so sehr – anders bei Jola, wo bereits ein ERP-System existiert, das nun erneuert wird. Dazu kommt ein Intranet mit Möglichkeiten für schnellen Austausch, wie man das aus den sozialen Netzwerken kennt.

Der Vater lässt dem Sohn die nötige Freiheit: „Es ist wichtig, dass die junge Generation die Veränderungen selbst in die Hand nimmt“, sagt Volker Mattil. Auch ein Wissen, das er weitergibt. In Ruhe, geordnet und sicher.


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