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So sind die Arbeitsplätze sicher


Ein Hersteller von Haarschneidegeräten setzt auf „Insourcing“ und holt Produktion zurück

Unterkirnach. Dieser englische Begriff lässt viele Industrie-Mitarbeiter aufhorchen: „Outsourcing“, die Auslagerung bestimmter Arbeiten an Zulieferfirmen. Die Praxis zeigt allerdings, dass auch das Gegenteil gang und gäbe ist, nämlich „Insourcing“. Darauf setzt zum Beispiel Wahl, ein Schwarzwälder Hersteller von Haarschneidegeräten.

Helmut Obergfell leitet dort den Bereich, wo Profi-Haarschneidegeräte produziert werden. Er zeigt auf eine riesige Maschine, die kleine Stahlteile stanzt, und erklärt: „Früher haben wir diese Teile eingekauft. Heute machen wir sie selbst.“ Genauso wie die Kunststoffteile, die Werkzeuge und einiges mehr.

Die Qualität ist noch besser

Hauptziel ist, die Qualität der Geräte besser kontrollieren zu können. Denn die Käufer sind zumeist Friseure – also Profis mit sehr hohen Ansprüchen. Auch spezielle Geräte fürs Tierfell stellt Wahl her. Die müssen nicht nur gut sein, sondern darüber hinaus auch leise.

Obergfell erinnert sich daran, wie es früher oft war:

Eine Kiste mit 40.000 Teilen kommt am Firmensitz in Unterkirnach an. Er wirft einen Blick hinein, und seufzt: nicht die beste Qualität. „Heute können wir sofort reagieren, wenn das erste Exemplar aus der Maschine kommt“, strahlt er.

Das Unternehmen hieß früher Moser und gehört seit 1996 zur amerikanischen Wahl-Gruppe.  Produktion zurückzuholen, ist Teil einer Gesamtstrategie, die seit fünf Jahren läuft. Ziel: Alle Produktionsschritte sollen noch besser laufen.

Die Mitarbeiter haben sich neu organisiert

In manchen Bereichen erledigen jetzt Roboter die Arbeit. In anderen haben sich die Mitarbeiter, 195 an der Zahl, besser organisiert. Etwa in der Montage der Schneidsätze: Dort hat früher jeder nur einen Arbeitsschritt erledigt. Heute baut ein Mitarbeiter den ganzen Schneidsatz zusammen – und hat so dessen Qualität besser im Blick. Das spart auch Zeit, hat das Team festgestellt.

Die Schneidsätze sind das Herz der Geräte. Wahl schleift sie auf tausendstel Millimeter genau. Um sie zwecks Qualitätsprüfung exakt vermessen zu können, hat die Firma sogar einen speziellen optischen Apparat entwickelt, den es sonst nirgends gibt.

An einem Tag verlassen bis zu 15.000 Geräte das Werk. Geschäftsführer Ewald Grimmeisen ist zufrieden. Die Zahlen stimmen, die Arbeitsplätze bleiben in Unterkirnach. 2009 ist Wahl um 5 Prozent gewachsen, in diesem Jahr werden es bis zu 10 Prozent.

Im Wettbewerb sei es ein großer Vorteil, alles von der Entwicklung bis zum Vertrieb im eigenen Haus zu haben: „Das macht uns flexibel.“ Was er am Standort Deutschland schätzt: „Wir haben hier Leute an den Maschinen, die selbstständig höchste Qualität produzieren können.“

Während die Stanzmaschine rattert, sitzen anderswo Wahl-Mitarbeiter am Telefon. Sie erklären Kunden zum Beispiel, welcher Schneidsatz für welches Hundehaar ideal ist. Feinzahn oder Grobzahn?

Qualität allein reicht nicht, sagt der Geschäftsführer, auch Service ist wichtig: „Deshalb lassen wir unsere Kunden auch nach dem Kauf nicht im Regen stehen.“

 

Übrigens ...

Deutschland hat 260.000 Friseure

Bundesweit gibt es etwa 77.000 Friseursalons, also im Schnitt einen für etwa 1.000 Leute. In den Salons arbeiten laut Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks 260.000 Friseure. Die Branche ist krisenfest: Im letzten Jahr ging ihr Umsatz nur um 1,3 Prozent zurück.

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