In der Fremde

So sehen heutzutage Zuwanderer aus


Tuttlingen. Paula Bernedo Juez tritt aus dem gläsernen Forschungs- und Entwicklungszentrum der Firma Binder hinaus ins milde Nachmittagslicht. „Ich bin zufrieden – nur die Sonne habe ich vermisst“, sagt die Maschinenbau-Ingenieurin von der Frühlingsinsel Gran Canaria.

Die 37-Jährige ist eine von drei spanischen Fachkräften, die seit Herbst 2012 bei Binder in Tuttlingen arbeiten. Wie viele Unternehmen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg benötigt auch der Hersteller von Simulationsschränken für wissenschaftliche und industrielle Labore hoch spezialisierte Fachkräfte.

Die sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt schwer zu finden. „Ich brauche Qualität, ich brauche Motivation, ich brauche Mitarbeiter, die sich integrieren“, so bringt es Binder-Personalchef Wolfgang Dürr auf den Punkt.
Gemeinsam mit 23 weiteren Unternehmen aus der Region beteiligte sich Binder deshalb an der „Fachkräfteallianz Gewinner­region“.

Denn während die Unternehmen in der Region händeringend nach Ingenieuren suchen, finden spanische Fachkräfte in ihrer Heimat kaum noch Arbeit. Tausende sind ohne Job: nicht nur Hochschulabsolventen, sondern auch junge Berufserfahrene wie Paula Bernedo Juez oder Rafael Montoya, die mehrjährige Praxis nachweisen können.

Montoya war erst seit einem Monat arbeitslos, als er sich nach Deutschland bewarb. In seiner Heimat waren die Aussichten schlecht.

Auf eine freie Stelle kämen bis zu 900 Bewerbungen: „Es ist einfacher, dass ich die Lotterie gewinne“, sagt der 32-Jährige. Der junge Mann aus Valencia musste daher nicht lange überlegen, als er im Juni 2012 die Einladung nach Deutschland bekam. Personalchef Dürr war mit ihm während des dreitägigen Besuchsprogramms für spanische Ingenieure ins Gespräch gekommen und hatte ihn spontan ins Unternehmen eingeladen.

Auch Paula Bernedo Juez passte perfekt auf eine Ingenieursstelle als Projektleiterin der Firma Binder. „Es war ganz klar, dass wir sie haben wollen“, erzählt Dürr im Rückblick. Auch eine dritte von seinerzeit elf offenen Ingenieursstellen konnte das Unternehmen mit einer spanischen Fachkraft besetzen.

Vom ersten Tag an machte Dürr den spanischen Ingenieuren deutlich, dass sie hier Chancen haben, sich zu entwickeln. Das Hightech-Unternehmen wächst jährlich um circa 10 Prozent und beschäftigt derzeit rund 350 Mitarbeiter. „Wir sind hier, weil wir hier sein wollen“, betont Paula Bernedo Juez, und Rafael Montoya stimmt ihr zu – und das in sehr gutem Deutsch: Spanisch sprechen sie nur, wenn sie unter sich sind.

Das ist für sie ein Zeichen des Respekts gegenüber den deutschen Kollegen und des Willens, sich hier zu integrieren.

„Urlaub mache ich auf Gran Canaria“

„Ich war eine Woche hier und habe gewusst, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe“, sagt Paula Bernedo Juez. Wie ihr Kollege aus Valencia, dessen Freundin nachzog, lebt sie inzwischen nicht mehr alleine an der Donau: Ihr Mann ließ sich vom Feuerwehrdienst beurlauben, um mit dem Sohn nachzukommen.

„Ich werde es jetzt so machen wie die anderen in Deutschland“, sagt die junge Frau und lächelt: „Urlaub auf Gran Canaria.“

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