Produktprüfung

So lüften Stoff-Detektive die Geheimnisse von Textilien


Bielefeld. Es brennt. Gefräßig lecken die Flammen an dem Gewebe. Das beult aus und reißt. Vom Stoff, der als Vorhang in vielen Wohn- oder Hotelzimmern hängt, bleibt nicht viel übrig – außer geschmolzenen Fäden.

Sie tropfen als kleine Klumpen in eine Metallschale. Es sieht unansehnlich aus, aber: „Genau das wollen wir sehen“, sagt Alicja Sowada, Textil-Ingenieurin im Prüflabor ­D-Lab in Bielefeld. Der Stoff hat sich selbst gelöscht. So kann sich das Feuer im Ernstfall nicht weiter verbreiten.

Peinlich: Dunkles Sofa verfärbt Hose

Sowada zündelt im Auftrag der Sicherheit. Sie und ihre elf Kollegen reißen, scheuern, brennen, rubbeln, knittern und bleichen von Berufs wegen. Sie prüfen in allen textilen Bereichen, testen Heimtextilien, Möbelstoffe, Bekleidung, Arbeitsschutzkleidung und technische Gewebe für Hersteller, Fachhändler und Endverbraucher.

Etwa 200 solcher Prüfungen haben die Stoff-Detektive bereits im Angebot. Seit 2010 arbeitet das D-Lab als eigenständige Geschäftseinheit von Delcotex, einem Hersteller von technischen Textilien.

Oft geht es um die Alltagstauglichkeit von Stoffen. Textillaborantin Nicole Sohn drückt zehn Sekunden lang einen Stempel auf eine Baumwollprobe. Unter einer Tageslichtlampe entdeckt Sohn den verräterischen Fleck sofort: Der dunkle Unterstoff hat abgefärbt. „Peinlich. Wer damit auf einem dunklen Sofa sitzt, hätte jetzt einen verfärbten Hosenhintern“, sagt die 42-Jährige. Da muss nachgebessert werden.

„Dabei können wir helfen“, sagt Jutta Beckmann, Vertriebschefin des Labors. „Unsere Arbeit endet nicht mit dem Prüfbericht. Wir erläutern die Ergebnisse, beraten und bieten Seminare für Kunden-Mitarbeiter an.“

Dafür greifen die Bielefelder auf die Erfahrung der eigenen Delcotex-Produktion zurück. Dort werden jährlich rund 25 Millionen Quadratmeter technische Gewebe gefertigt. Auf den Markt kommen die Textilien erst, wenn sie je nach Anwendung bestimmte Normen erfüllen. Die sind vielfältig.

676 Seiten stark ist das Taschenbuch, in dem die Normen für Farbechtheiten stehen

Allein für Farbechtheitsprüfungen gibt es laut dem Institut für Normung in Berlin mehr als 80 Regelungen. Für Textilien sind es insgesamt mehr als 200. „Welche davon wirklich erfüllt werden müssen, ist für die Unternehmen manchmal schwer nachvollziehbar“, so Vertriebschefin Beckmann. Deshalb würden teure Prüfungen angefragt, die oft gar nicht notwendig seien. In einem solchen Fall lotst die Diplom-Ingenieurin ihre Kunden durch das ­Dickicht von Normen und Regeln.

„Die richtige Prüfung zur passenden Anwendung. Das spart Geld“, weiß Beckmann aus Erfahrung. Die günstigste Prüfung kostet 9 Euro. Auch Privatleute können hier testen lassen. Zum Beispiel, ob der neue Anzug deshalb zu eng sitzt, weil die Größe im Etikett nicht stimmt.

Oder ob es doch an den überschüssigen Pfunden liegt.

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