Pharma-Industrie

So kommt die Arznei zum Patienten


1.550 Mitarbeiter machen bei Sanofi-Aventis den Vertrieb in Deutschland. Die Zentrale sitzt im Herze

Berlin. Wer kennt es nicht, das Zerrbild vom Pharma-Vertreter: Motiviert von satten Provisionen verleitet er Ärzte dazu, möglichst viele Medikamente seines Arbeitgebers zu verschreiben.

Über solche Vorstellungen kann Heinz Riederer, Ge­schäfts­führer Medizin und Gesundheitspolitik der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, nur den Kopf schütteln. „Wir liefern den Ärzten Fakten, damit sie bei jedem Patienten bewusst entscheiden und gute Medizin machen.“

Natürlich will das deutsch-französische Pharma-Unternehmen, das viertgrößte der Welt, seine Produkte verkaufen. Das ist die Voraussetzung für Investitionen und Arbeitsplätze. „Aber dazu muss umfassend über die Produkte informiert werden. Was kann ein Medikament, welcher Patient braucht es, wo liegen Vorteile, wo Risiken?“

450 Mitarbeiter arbeiten da­ran in der Vertriebszentrale von Sanofi-Aventis, am Potsdamer Platz in Berlin. Und 1.100 Pharma-Referenten informieren bun­desweit die Ärzte. Ihre Qualifikation ist im Arzneimittel-Gesetz streng geregelt.

 

Ganz wichtig: die Versorgungsforschung

Mehrere Hundert Medikamente hat der Weltkonzern derzeit im Sortiment – dafür Daten und Wissen zusammenzutragen, ist enorme Detailarbeit. Während der meist zwölfjährigen Entwicklungsphase, aber auch nach der Zulassung. Viele klinische Studien werden in der Vertriebszentrale ausgewertet und als kompakte Information für Behörden und die Ärzte aufbereitet.

Dabei geht es nicht nur um Dinge wie etwa die korrekte Dosierung. Eine wichtige Aufgabe ist auch die „Versorgungsforschung“, erläutert Riederer. „Wir sammeln bei Ärzten Informationen darüber, wie die Therapie bei ihren Patienten verläuft, natürlich ohne deren Namen zu nennen. Das werten wir aus und erstellen so wichtige Informationen zur Verbesserung der Behandlung mit unseren Medikamenten.“

Zum Beispiel bei Diabetes. 6,5 Millionen Bundesbürger leiden unter der Überzuckerung des Blutes. Dabei produziert die Bauchspeicheldrüse das zur Zuckerverwertung nötige Hormon Insulin nicht mehr, zu wenig oder der Körper spricht nicht darauf an. Anfangs helfen oft noch eine kohlenhydratarme Diät oder Tabletten, welche die Zuckeraufnahme des Blutes verhindern. Doch meist muss irgendwann Insulin „von außen“ her.

Herkömmliches Insulin wird dazu mehrmals am Tag ge­spritzt, nach der Kontrolle des Blutzucker-Spiegels und mit einem gewissen Abstand vor der nächsten Mahlzeit. „Uns ist es gelungen, zwei sogenannte Insulin-Analoga zu entwickeln“, berichtet Riederer. „Bei dem kurzwirksamen müssen die Patienten nicht mehr warten, bis sie etwas essen, das langwirksame dagegen wirkt fast rund um die Uhr. Das bedeutet viel mehr Lebensqualität.“

Was zahlt die Kasse?

Kritisch merkt der Geschäftsführer an: „Die Betroffenen schätzen diese Vorteile, die auch wissenschaftlich belegt sind – aber der Ausschuss, der die Erstattung von Arzneien regelt, erkennt sie nicht oder nur zum Teil an.“ Weil der Preis über dem von konventionellem Insulin lag, haben die Kassen bei dem kurzwirksamen Insulin schon ihr Veto eingelegt. Für das langwirksame steht die Entscheidung demnächst ins Haus. Bisher wird es von den Kassen bezahlt.

Uwe Rempe

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