Mittelstand

So kommen die Streifen in den Rasen


Bevor die Fußballprofis zeigen, was sie können, rollen Hightech-Geräte übers Spielfeld

Rammingen. Samstagnachmittag, kurz nach halb vier. Es ist angerichtet! 61.673 Fußballfans in der ausverkauften Veltins-Arena auf Schalke und unzählige Zuschauer vor dem Pay TV fixieren den Rasen.

Allgegenwärtig: dessen Streifen. Sie gehören dazu wie die Bandenwerbung, die unzähligen Kameras und das grelle Stadionlicht. Sie machen die Kulisse perfekt.

Wie die Streifen auf das Spielfeld kommen, das können nur wenige erklären. Dazu zählen die Brüder Jürgen, Horst und Uwe Wiedenmann. Sie produzieren Rasenpflege-Geräte für die Stadien der Welt. Nicht nur für Schalke, auch für Vereine wie zum Beispiel Manchester United oder Juventus Turin.

Die Pflege fängt tief in der Erde an

Ein Spielfeld ist mit einem modernen Mäher in 45 Minuten zurechtgestutzt, berichtet Jürgen Wiedenmann. „Es ist ganz einfach – die Maschinen, die den Rasen mähen und bürsten, legen die Halme um.“ So ändern sich die Licht-Reflexionen, und die Streifen sehen je nach Fahrtrichtung heller oder dunkler aus. Wie beim Teppichsaugen. Die Streifen sind nicht nur eine Zierde, sie helfen den Schiedsrichtern und Zuschauern beim Erkennen von Abseits.

Dabei ist das Mähen nur das Tüpfelchen auf dem „i“. Die Pflege fängt weiter unten an. Ein Rasen will gelüftet, gelockert, besandet und nachgesät werden. „Wir stellen 45 verschiedene Maschinen her“, so Wiedenmann. Darunter auch welche für den Winterdienst und welche für Kunstrasen, etwa zum Entfernen von Schmutz. „Große Profi-Vereine haben bis zu acht Geräte von uns.“ Sie alle werden an Kompakt-Traktoren angehängt.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Rammingen nordöstlich von Ulm beschäftigt 220 Leute – und ist global ausgerichtet: Drei Viertel der Produktion wird exportiert, in 38 Länder.

Zu den Kunden zählen zum Beispiel auch GolfKlubs und Kommunen. Für sie alle ist Zeit Geld, und das zeigt Wirkung: „Früher hatten Rasenlüfter ein bis zwei Stundenkilometer drauf“, erzählt Wiedenmann, „heute bis zu sechs Stundenkilometer.“

EM 2012 sorgt für Umsatzschub

Rasenlüfter und Maschinen zur Tiefenlockerung sind wichtig, weil die Wurzeln Sauerstoff brauchen. Dafür sorgen Messer und Zinken. Vertikutierer entfernen Filz und abgestorbenes Pflanzenmaterial. Sand-Streuer werden gebraucht, weil sich die Wurzeln bei 60 bis 70 Prozent Sand-Anteil am wohlsten fühlen. Der Rasen dankt für die Pflege: Er braucht dann weniger Wasser und Dünger.

Die Firma Wiedenmann ist noch wettbewerbsfähiger, seit sie 1992 ein Werk in Ungarn eröffnet hat. Die Zahl der Beschäftigten am Stammsitz ist seitdem gestiegen, von 50 auf 90. Und derzeit freut man sich über die Europa-Meisterschaft 2012 in der Ukraine und Polen. Wiedenmann: „Unsere Vertriebsleute verkaufen dort schon jetzt wie verrückt.“

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