Gesundheit im Betrieb

So halten Unternehmen ihre Mitarbeiter fit

München/Donauwörth/Henfenfeld. Martin Troschke weiß, wie wichtig Sport als Ausgleich zum Job ist. „Wer viel sitzt, muss sich zwischendurch bewegen“, sagt der Manager im Personalmarketing des Münchner Elektronik-Unternehmens Rohde & Schwarz. Das gilt für die Arbeit am Schreibtisch genauso wie in der Fertigung.

Ob auf dem Laufband oder mit dem Gymnastikball – wie viele Firmen in Bayerns Metall- und Elektroindustrie legt sich der Hersteller von Funk- und Messtechnik ins Zeug und hält seine Mitarbeiter fit.

Vom Obstkorb bis zu Yoga und Rückenschule

Für sein gutes Gesundheitsmanagement hat Rohde & Schwarz unlängst einen Preis vom Tüv Süd bekommen. Allein ein Dutzend Sportgruppen tummelt sich im Betrieb. Mountainbiken, Tauchen und Qigong – zwei Mitarbeiterinnen probieren im Rahmen einer Kampagne solche Angebote aus und schreiben darüber auf der Facebook-Seite des Unternehmens. „Das lockt auch Beschäftigte an, die vielleicht noch nicht so aktiv sind“, so Troschke.

Fünf Minuten vom Werkgelände entfernt hat die Firma ein Fitness-Studio für Mitarbeiter und Angehörige. Azubis trainieren dort zu bestimmten Zeiten eine Stunde in der Woche gratis. Kost für Allergiker im Betriebsrestaurant gehört ebenso zum Gesundheitskonzept wie ein Leasing-Rad-Modell vom Betrieb als Alternative zum Dienstwagen.

Sich mehr bewegen, sich ausgewogen ernähren und sich entspannen – das ist wichtig, um gesund zu bleiben. Weil viele Firmen das erkannt haben, machen sie Angebote über den gesetzlich vorgeschriebenen Arbeits- und Gesundheitsschutz hinaus. Obstkorb, Yogakurs und Rückenschule, so was zahlt sich für beide Seiten aus: Die Mitarbeiter sind seltener krank und motivierter; die Betriebe haben weniger Ausfallkosten und länger was vom Wissen Älterer.

Schon 2020 wird jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland 50 Jahre oder älter sein. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) machen bereits zwei Drittel der Firmen mindestens ein Angebot zur Förderung der Gesundheit. 93 Prozent verbessern stetig die Bedingungen in Büro und Produktion. Das kommt gut in den Betrieben an: Zwei Drittel der Beschäftigten finden, dass sich ihr Arbeitgeber gut um ihre Gesundheit kümmert.

Den Trend bestätigt eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) in Berlin. Danach fördern sogar 90 Prozent der Betriebe die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Mehr als zwei Drittel statten Arbeitsplätze gesundheitsgerecht aus, etwa mit Hebehilfen, verstellbaren Tischen oder hellem Licht. Impfungen und Vorsorge sind in knapp der Hälfte der Betriebe Standard. Ein gutes Viertel bietet Kurse gegen Stress und schult Führungskräfte darin, Belastungen zu erkennen.

Allerdings ist jeder selbst für seine Gesundheit verantwortlich. „Wir können nur anbieten“, betont Christian Stöckl, Leiter Gesundheit, Arbeitssicherheit und Umwelt von Airbus Helicopters in Donauwörth (Schwaben). „Jeder muss herausfinden, was zu ihm passt.“ Vor zwei Jahren hat das Unternehmen einen Arbeitskreis für Gesundheit eingesetzt. Eine Sicherheitsfachkraft, der Betriebsarzt, Fachabteilungen und Betriebsrat reden dort mit.

„Das Wichtigste ist, ein Bewusstsein für gesundes Verhalten zu schaffen“, so Stöckl. „Damit die Mitarbeiter merken, dass sie etwas für sich tun müssen.“ Zum Beispiel, sich richtig zu bewegen. Hier setzt Airbus auf „Emma“.

Schwere Bauteile werden jetzt gekippt und im Stehen montiert

Das Kürzel steht für eine Software zum Ergonomie-Check im Konzern. Ergebnis in Donauwörth: In der Fertigung werden schwere Bauteile jetzt beispielsweise gekippt und im Stehen montiert. Eine Trainerin erklärt, was Muskeln und Gelenke beim Heben leisten und zeigt Übungen für die Pause und zu Hause.

Auch die Azubis hat man dabei speziell im Blick. Sie lernen etwa im Praxistest Gehörschutz: Eine Musikanlage wird kurz aufgedreht; die Azubis messen den Lärmpegel, der aus den Lautsprechern kommt. Stöckl: „Sie merken schnell, was nicht gut für die Ohren ist.“

Für die Belegschaft im Airbus-Werk gibt es Entspannungskurse, Lauftraining und Gesundheitstage mit Vorträgen zu Ernährung und Stress. „Wir wollen ein schlüssiges Konzept, das zu den Mitarbeitern passt“, so Stöckl.

Helmut Wendler, Geschäftsführer des 30 Mitarbeiter zählenden Ingenieurdienstleisters CTWe Consulting in Henfenfeld (Mittelfranken), hebt noch einen anderen Aspekt hervor. „Nicht nur Vorsorge und altersgerechte Arbeitsplätze zählen – sondern auch, wie man sich dort fühlt.“

Deshalb legt man bei CTWe besonderen Wert darauf, den älteren Mitarbeitern zu vermitteln: „Ich kann was und werde gebraucht.“ Dazu mischt man die Teams gezielt so, dass sich Jung und Alt gegenseitig inspirieren und voneinander lernen. „Wer mit sich und seiner Arbeit zufrieden ist, bleibt eher gesund“, sagt Wendler.

Übrigens …

Jeder Zweite treibt Sport

  • Männer entspannen mit Hobbys am besten, Frauen gehen lieber spazieren, so eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse.
  • Jeder Zweite setzt als Ausgleich zur Arbeit auf die gesündeste Strategie: die Sportschuhe schnüren.
  • Bewegung kommt vor allem in der „Rushhour des Lebens“ zwischen Mitte 30 und Mitte 40 zu kurz.
  • Stress ist nicht per se schlecht, sofern er nicht dauerhaft ist. Jeder Fünfte läuft da zu Höchstform auf.

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Airbus Helicopters Deutschland GmbH

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Kirchenstraße 13
91239 Henfenfeld

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