Unterwegs mit dem Industrie-Tüv

So hält die Firma Bilfinger Maintenance in Leuna Chemie-Anlagen am Laufen

Leuna. Wenn ein Betrieb alle seine Anlagen abstellen, überprüfen, überholen und modernisieren muss, kostet das Nerven. Zum Glück gibt es Experten für diese Aufgabe: Hermann Holme, Chef vom Industriedienstleister Bilfinger Maintenance in Leuna, und seine Spezialabteilung.

Turnaround, Stillstand, Generalinspektion, Shut-down sind alles Bezeichnungen für dasselbe Ding: Nach einer bestimmten Laufzeit werden Raffinerien und Chemieanlagen komplett überholt. „Turnaround passt am besten“, sagt Holme. „Jedes Teil der Anlage wird ans Licht geholt, geprüft und instand gesetzt oder ausgetauscht.“ Für ihn ist das Alltagsgeschäft.

3.000 Arbeiter und 85 Kräne koordinieren

In Leuna sitzt der Kopf des Turnaround-Teams: 50 Spezialisten, die oft schon Jahre vor dem Termin mit der Planung eines solchen Riesenprojekts beginnen. „Jeder einzelne Handgriff ist geplant, jede Schraube, jede Schweißnaht“, erklärt der 49-Jährige. Und natürlich die zeitlichen Abläufe, das Material, die eingesetzten Mitarbeiter. So kommt Ordnung ins Gewimmel.

Beim jüngsten Einsatz in der Total-Raffinerie Leuna waren in der Spitze insgesamt rund 3.000 Arbeiter und 85 Kräne zu koordinieren. Gut, dass die Planungsingenieure Praktiker sind und genau wissen, wie eine Großbaustelle tickt.

Doch man muss auch improvisieren können: „Oft passiert nach wenigen Tagen etwas Unerwartetes“, erklärt Holme. Schon gerät der Plan aus dem Tritt: „Dann braucht es Verantwortliche, die mit kühlem Kopf die Arbeiten wieder aufs Gleis setzen. Etwa mit zusätzlicher Technik und mehr erfahrenen Arbeitern“, sagt der Chef. Ressourcen, die er im Bilfinger-Konzern „immer rasch“ aktivieren könne.

Die Spezialisten sind in ganz Europa gefragt, egal ob in Finnland, Norwegen, Belgien oder Holland. Was macht das Unternehmen mit seinen bundesweit 30 Standorten und 2.200 Beschäftigten so begehrt? „Unsere Kompetenz, Größe und Know-how“, meint Holme. Und das nicht nur bei Generalinspektionen, sondern auch im Alltag.

Wie zum Beispiel hier in Leuna, wo ein Großteil der 350 Mitarbeiter in die dauerhafte Betreuung der sogenannten POX-Methanolanlage bei Total eingebunden ist. „Die Raffinerie bekommt alles aus einer Hand und muss eigentlich nur selber produzieren“, sagt Holme. Solche komplexen Aufgaben mag er besonders. „Am liebsten erledigen wir alles für den Kunden.“

Holme sieht seine Mitarbeiter und das Unternehmen auf einem gutem Weg, denn in den vergangenen Jahren ging kein einziger Auftrag verloren: „Wir haben unser modulares Bilfinger-Maintenance-Concept nachprüfbar niedergelegt“, sagt er. „Das zeigt, dass wir uns ständig zum Vorteil der Kunden entwickeln.“


Schon Gewusst?

Foto: Fotolia
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Methanol – wozu man die vielseitige Chemikalie braucht

In Kraftstoffzusätzen, Kunststoffen, Leim und Reinigungsmitteln steckt Methanol. Auch zur Abwasserbehandlung wird es eingesetzt. Mit fast 50 Millionen Tonnen pro Jahr ist es eine der weltweit am meisten produzierten Chemikalien.
Die klare und entzündliche Flüssigkeit stellt man aus Synthesegas her, das wiederum aus Rohstoffen wie Erdgas, Kohle oder Holz gewonnen wird.
Oder man nutzt dafür, wie die POX-Methanolanlage in Leuna, Rückstände aus der Erdölverarbeitung. Das Synthesegas reagiert dann unter Druck mithilfe eines Katalysators zur begehrten Chemikalie.

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