M+E-Industrie

So gut sind unsere Arbeitsplätze


Von wegen „Turbo-Arbeitsmarkt“ und „prekäre Jobs“: Die Wirklichkeit ist anders

Haiger. Jürgen Weber (49) setzt seine Schutzmaske auf, greift zur Spritzpistole. Los geht’s: In der Kabine verpasst er den Beinen eines Krans einen frischen Anstrich. Er arbeitet als Lackierer bei Vetter Krantechnik. Seit 30 Jahren. An den Start erinnert er sich genau: „Es war der 2. Februar 1981, ich war 19“, sagt er. „Heute gehöre ich fast zum Inventar.“

In dem Werk in Haiger (Hessen) wird oft Jubiläum gefeiert: Von 140 Mitarbeitern sind 29 schon mehr als 20 Jahre dabei. Geschäftsführer Norbert Hammes aus der Zentrale im nahen Siegen (Nordrhein-Westfalen) berichtet: „Jeder bleibt im Schnitt elf Jahre.“

Es ist ein typischer Betrieb: Genau so lange dauert ein Beschäftigungsverhältnis auch im Durchschnitt der gesamten deutschen Wirtschaft. Und damit sogar ein Jahr länger als Anfang der 90er-Jahre, stellt Thomas Rhein fest. Er arbeitet beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg – und hat untersucht, ob Arbeitsverhältnisse instabiler werden.

Der Normalfall: Vollzeit, unbefristet

Zwar reicht die Statistik nur bis 2009. Doch das IAB, das als Ableger der Arbeitsagenturen einen guten Einblick in die betriebliche Realität hat, ist sich sicher: „Von einem Trend hin zu einem Turbo-Arbeitsmarkt kann nicht gesprochen werden.“

Beispiel Metall- und Elektro-Industrie: Die Befristung von Verträgen und der Einsatz von Zeitarbeit sind für Betriebe mitunter unverzichtbar, um bei unsicherer Auftragslage zurechtzukommen – doch es fällt insgesamt wenig ins Gewicht: Nur 3 Prozent der eigenen Belegschaft sind befristete Stellen, und auf je 100 Stammkräfte kommen nur 6 Zeitarbeiter, berichtet der Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

Laut Forscher Rhein ist zwar der Anteil befristeter Verträge seit 1992 gestiegen – ein europaweiter Trend. Aber das sage nur bedingt etwas über Stabilität aus: Der befristete münde oft in einen unbefristeten Job. Laut Gesamtmetall bekamen von allen 2009 befristet Eingestellten 84 Prozent später einen unbefristeten Vertrag.

Übrigens ist auch Teilzeit in der M+E-Industrie die Ausnahme – 95 Prozent aller Mitarbeiter haben Vollzeit-Stellen. Wie Jürgen Weber von Vetter Krantechnik. Er fängt um sechs Uhr an und schätzt es, am Abend Zeit für Hobbys zu haben. Der zweifache Vater spielt Tischtennis und Geige, fährt oft sein Motorrad aus, eine Harley, und er singt in zwei Chören.

In seinem Betrieb fühlt er sich sicher. „Hier haben schon mein Großvater und zwei meiner Onkel gearbeitet.“

Die Betriebe wollen Mitarbeiter binden

Webers Kollege Patrick Wenzel (29) hat vor 14 Jahren hier seine Ausbildung angetreten, als Konstruktionsmechaniker. Nun macht er noch den Industriemeister. Für ihn heißt es „lernen, lernen, bis zu 15 Stunden die Woche“. Damit will er die  Aufstiegschancen  in  seinem Betrieb nutzen.

Dass die Unternehmen auf Mitarbeiterbindung setzen, zeigt eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Jedes zweite Unternehmen hält entsprechende Maßnahmen für immer wichtiger; 63 Prozent fördern gezielt die Arbeitszufriedenheit.

Der Geschäftsführer von Vetter Krantechnik, Hammes, stößt in das gleiche Horn. „Fachkräfte sind immer schwerer zu bekommen“, gibt er zu bedenken. Wenzel bleibt ihm wohl erhalten. Er sagt selbst: „Hier eröffnet sich sicher noch die eine oder andere interessante Perspektive.“

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