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So geht's wieder nach oben


Eine Belegschaft geht neue Wege und gestaltet ihre Zukunft

Reutlingen. Krise, Auftragseinbruch, Stellenabbau: Danach bringt der Aufschwung den wenigsten Firmen ganz von allein wieder Sonnenschein. Viele müssen sich umstrukturieren. Doch was bedeutet das? Die Mitarbeiter von Kion Warehouse Systems in Reutlingen stecken mitten drin in einer Umstrukturierung – und erleben, wie Veränderung ihren Betrieb zukunftsfest macht.

Konzentration auf spezielle Gabelstapler

Eugen Schlein braucht einen zweiten Stapler, um die Hydraulik an einem riesigen Hochregalstapler zu entlüften. Er und seine Kollegen in der Endmontage sind ausgelastet. Das tut gut nach der schweren Zeit, in der die Aufträge um 40 Prozent einbrachen.

Auf dem Höhepunkt der Krise war für die Belegschaft schnell klar, dass es große Einschnitte geben würde: Der Wiesbadener Kion-Konzern, zu dem das Werk gehört, verlagerte die Produktion von Schubmaststaplern an seinen Hamburger Standort.

Von ehemals 430 Mitarbeitern sind noch 300 an Bord, davon 45 in Altersteilzeit. „Der Stellenabbau war bitter“, sagt Geschäftsführer Marc Lehnstaedt. „Doch die Umstrukturierung hat den Weg zu etwas Neuem geöffnet und uns wieder gestärkt.“

Das Neue sieht so aus: Mit der Konzentration auf Schmalgangstapler spezialisieren sich die Reutlinger auf einen rasant wachsenden Markt. Als Kompetenzzentrum bauen sie Stapler dieser Typenfamilie für die Konzernmarken Linde, Still und OM. Die Geschäfte laufen gut. Lehnstaedt: „Unsere Stapler sind in jedem dritten Hochregallager Europas im Einsatz. Wir sind führender Anbieter.“

Diese Stapler sind maßgeschneidert. Schon wenn Schweißer Paulo Pereira ein Chassis herstellt, berücksichtigt er die Besonderheiten des späteren Einsatzortes. Das schmalste Fahrzeug ist nur so breit wie eine Palette, erreicht aber eine Höhe von 17,5 Metern.

Selbst solche Premium-Fahrzeuge kaufen die Kunden nicht zu jedem Preis. „Wir müssen sie auch zu wettbewerbsfähigen Kosten produzieren“, so Lehnstaedt.

Montagesystem mit Gruppenarbeit

Seit Frühjahr 2010 arbeiten daher alle daran, mehr Effizienz herauszuholen. Der Konzern unterstützt dies mit 10 Millionen Euro. Die Hälfte ist bereits investiert, etwa in die Verbesserung der Mate­rialwege und eine größere Lackieranlage. Bis zum Frühjahr 2012 will Lehnstaedt fertig sein: „Derzeit richten wir ein neues Montagesystem mit Gruppenarbeit ein.“ Auch das ver­langt von der Belegschaft ein Umdenken, macht aber die Arbeitsplätze sicherer.

„Dass alle in die Planung und Umsetzung integriert sind, hat die negative Stimmung deutlich zum Guten gewendet“, beobachtet Lehnstaedt. Der Geschäftsführer: „Alle sehen, dass wir gemeinsam an unserer Zukunft arbeiten. Und das motiviert.“

 

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