Checkliste

So geht es in die erste eigene Wohnung

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Hotel Mama schließt die Pforten, der Ernst des Lebens ruft? Zuhause auszuziehen ist der erste und wichtigste Schritt in Richtung Selbstständigkeit für junge Leute. Dass jetzt eben nicht mehr die Eltern für Wäsche und Essen sorgen, ist nur ein kleines Problem im Vergleich zu den anderen Sachen, an die Nestflüchter denken müssen, wenn sie das traute Heim verlassen und sich eine eigene Bleibe suchen. Egal, ob Student oder Auszubildender: In dieser aufregenden Zeit können wichtige Schritte schnell vergessen werden. Diese Checkliste schafft Abhilfe.

  • Wohnung richtig übernehmen: Unbedingt mit dem Vermieter die Wohnung vor dem Einzug begehen, am besten mit einem Zeugen. „Etwaige Mängel unbedingt schriftlich aufnehmen, idealerweise mit Fotos dokumentieren“, rät Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Am ersten Tag möglichst die Schlösser der Wohnungstür austauschen.

  • Dauerauftrag für die Miete einrichten: Für die Mietzahlungen und Nebenkosten einen Dauerauftrag bei der Bank einrichten, damit die Zahlungen stets pünktlich auf dem Konto des Vermieters landen (spätestens am dritten Werktag eines Monats müssen sie da sein). Achtung: Bei wiederholt verspätetem Mieteingang droht die Kündigung.

  • Kaution zahlen: Falls eine Kaution für die Wohnung vereinbart wurde, muss diese ebenfalls überwiesen werden. Wenn der Vermieter eine Kaution erhält, muss er diese anlegen; nach Beendigung des Mietvertrages wird sie mit Zinsen zurückgezahlt – es sei denn, es bestehen vom Mieter verschuldete Schäden oder Mietrückstände.
  • An- und Ummelden: Der eigene Haushalt muss auf jeden Fall beim Einwohnermeldeamt angemeldet werden, ob als Erst- oder Zweitwohnsitz entscheidet die Dauer des Aufenthalts in der neuen Wohnung. Wer seine Studentenwohnung nur in der Woche und nur im Semester nutzt, kann seinen Hauptwohnsitz bei seinen Eltern belassen. Vorsicht: Einige Kommunen kassieren dann aber eine Extrasteuer!
  • Unter Strom stellen: Damit man in der neuen Bleibe nicht im Dunkeln sitzt, führt der Gang zum örtlichen Stromversorger. Der schickt einen Mitarbeiter zur Zählerablesung, danach fließt der Strom auf Kosten des neuen Wohnungsbesitzers. Die Stromrechnungen am besten per Einzugsermächtigung abbuchen lassen oder einen Dauerauftrag einrichten, damit man die Überweisungen nicht vergisst.
  • Neue Adresse bekannt machen: Die neue Adresse sollte nicht nur Freunden und Familie mitgeteilt werden, sondern auch Banken, Handy-Providern, Versicherungen, Zeitschriftenverlagen (bei Abos), der Bafög-Stelle etc. Wer seine Briefe und Pakete sofort an die neue Adresse geliefert bekommen und sie nicht in einer Übergangsphase bei den Eltern abholen will, der muss bei der Deutschen Post einen kostenpflichtigen Nachsendeantrag stellen.
  • Fernseher anmelden: Fernseher, Radio sowie internetfähige Rechner müssen bei der GEZ, der Gebühreneinzugszentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, angemeldet werden. Das geht auch online unter www.gez.de. Ansonsten kommen Gebühreneintreiber und dann drohen saftige Nachzahlungen.
  • Internet- und Festnetz-Anschluss einrichten: Wer nicht nur mit dem Handy telefonieren oder im Internet surfen möchte, der sollte sich schon vor dem Einzug um einen passenden Tarif kümmern. Günstige Telefon- und DSL-Angebote lassen sich im Internet auf Tarifvergleichsportalen finden.

Versicherung fürs erste eigene Zuhause:

  • Private Haftpflichtversicherung: Wer eine Wohnung bezieht, sollte immer eine abschließen, sonst riskiert man bei einem selbst verschuldeten Schaden den finanziellen Ruin. Eine gute Versicherung gibt es schon ab 40 Euro im Jahr.
  • Hausratversicherung: Gibt es ab 36 Euro pro Jahr. Sie lohnt sich allerdings nur, wenn nicht nur ein paar günstige Möbel mit umziehen, sondern auch der teure Computer, die Stereoanlage oder wertvolle Sammlerstücke. „Fahrradbesitzer sollten prüfen, ob ihr Drahtesel mitversichert ist“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Besonderheiten bei Wohngemeinschaften:

  • Wer nicht auf einen Schlag ganz allein sein möchte, für den ist eine WG vielleicht ein sanfterer Schritt in die Selbstständigkeit. Wichtig bei der Wohnungssuche: Als Hauptmieter einer Wohnung muss man sich die Untervermietung vom Vermieter genehmigen lassen – in jedem Fall schriftlich. „Wer keine Genehmigung vom Vermieter einholt, kann nach einmaliger Mahnung fristlos gekündigt werden“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund.
  • Wer in eine bestehende Wohngemeinschaft einzieht, sollte das nur mit Vertrag tun. Sonst gerät man in komplette Abhängigkeit zum Hauptmieter, der einen jederzeit vor die Tür setzen kann. Wer als Untermieter einzieht, ist nur gegenüber dem Hauptmieter verantwortlich (also nicht gegenüber dem Wohnungseigentümer). Er bekommt auch die anteilige Miete.
  • Wohnungseigentümer können auch zimmerweise vermieten – mit gemeinschaftlicher Küchen- und Badnutzung. Vorsicht: Bei der sogenannten Zimmermiete bestimmt allein der Vermieter, wer einzieht. „Die übrigen WG-Kollegen müssen mit der Entscheidung leben – das ist eine Zwangs-WG“, sagt Mietrechtsexperte Ropertz.
  • Möglich ist auch ein gemeinschaftlicher Mietvertrag, der von allen Mitbewohnern unterschrieben wird. Vorteil: Die Gemeinschaft bestimmt, wer einziehen darf. Nachteil: Jeder Einzelne haftet für die gesamte Mietsumme, nicht nur für den eigenen Anteil.
  • Neben Pflichten hat jeder Mitbewohner in einer WG aber auch Rechte. „Besuch zu empfangen, können weder Hauptmieter, Vermieter noch Mitbewohner verbieten“, sagt Ulrich Ropertz. Auch das Übernachten für ein paar Tage muss möglich sein. Allerdings sollte man seine „Lebensgefährten“ davon in Kenntnis setzen.
  • Vorsicht bei Kündigung: Ein Untermieter kündigt beim Hauptmieter gemäß vereinbarter Kündigungsfrist. „Kündigt aber der Hauptmieter, muss die gesamte WG nach der gesetzlichen Frist von drei Monaten aus der Wohnung raus“, sagt Ulrich Ropertz. Gibt es mehrere Hauptmieter wird es knifflig. Nur wenn bei Mietvertragsabschluss vereinbart wurde, dass die WG-Mitglieder berechtigt sind, einen Mieter durch einen anderen zu ersetzen, ist der Auszug unproblematisch. „Ansonsten gilt: Der Auszügler bleibt so lange haftbar, wie die Rest-WG wohnen bleibt“, warnt der Mieterbund-Experte. Da bleibt nur der gemeinschaftliche Auszug oder die Hoffnung auf einen netten Vermieter, der einen neuen Mietvertrag anbietet.

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Sie funktionieren ähnlich wie Datingportale: Neue Online-Plattformen versprechen Wohnungssuchenden und Vermietern, viel Zeit und Nerven zu sparen, um zueinander zu finden. Doch was sich so einfach anhört, kann mehrere Haken haben.

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