Mitarbeiter

So flexibel sind wir


Bei ITT Cannon ist jeder Beschäftigte an mehreren Arbeitsplätzen einsetzbar

Weinstadt. Manche Dinge kennt jeder, aber kaum einer weiß, wie sie heißen. Wie den „D-Sub“: Das ist der Stecker mit den kleinen Metallzapfen, der am Monitor- oder Druckerkabel dran ist. Diese Steckverbindung hat ITT Cannon erfunden.

Anna Anastasiadou weiß nicht nur, wie der Stecker heißt, sondern auch, wie er unter der Lupe aussehen muss. Sie arbeitet bei ITT Cannon in Weinstadt. Gerade prüft sie einen „D-Sub“. Nicht nur das hat sie drauf: Sie ist an verschiedenen Arbeitsplätzen einsetzbar, wie fast alle der insgesamt 400 Mitarbeiter. Wer in dieser Fabrik arbeitet, der weiß, was Flexibilität bedeutet.

Hightech in kleinen Stückzahlen

Denn das Werk im Rems-Murr-Kreis hat sich auf Nischenprodukte spezialisiert. „Wir produzieren Spezialstecker in kleinen Stückzahlen“, erklärt Personalleiter Joachim Roth. Das kann ein Stecker für eine Maschine sein, die starke Vibrationen aushalten muss. Oder ein Stecker für einen Traktor, dem Gülle nichts ausmachen darf. Solche Eigenschaften werden im Labor der Firma getestet.

Steckverbindungen übertragen Signale, die etwas steuern. Deshalb kommen sie in allen technischen Produkten vor, vom Handy bis zur Kaffeemaschine. Die Spezial-Stecker aus Weinstadt landen oft in Flugzeugen und in medizinischen Geräten. Und in der Spiegelverstellung eines Porsche.

Die Teile-Anzahl eines Auftrags beträgt im Schnitt nur 80 Stecker. Die Aufträge wechseln oft, laufend müssen die Maschinen umgerüstet werden. Produktionsleiter Karl-Heinz Neef verdeutlicht: „Wir wissen nicht, welcher Kunde morgen bestellt, und was, und wie viel.“ Die Stärke des Betriebs ist, alle Spezialwünsche zu erfüllen und trotzdem blitzschnell zu liefern. Deshalb müsse jeder an mehreren Arbeitsplätzen einsetzbar sein, so der Produktionsleiter: „Das geht so weit, dass wir die Mitarbeiter auch abteilungsübergreifend austauschen.“

Die Mitarbeiter haben Abwechslung

Anna Anastasiadou hat vor kurzem noch im Spritzguss gearbeitet, jetzt ist sie in der Montage von Flachsteckern, wo es gerade brummt. „Man hat dadurch auch mehr Abwechslung“, sagt sie.

Die Flexibilität hat sich das Unternehmen konsequent erarbeitet. Seit zehn Jahren beschäftigen sich drei Mitarbeiter ausschließlich mit der Verbesserung der Produktionsprozesse und schulen ihre Kollegen. „Die waren anfangs skeptisch“, sagt Andreas Honner, der Leiter dieses Projekts. „Heute arbeiten sie tagtäglich an Verbesserungen mit und sind stolz darauf.“

Alle stecken sich klare Ziele. Zum Beispiel, wie stark sie den Ausschuss reduzieren. Viele kennen die Firmenkultur schon seit der Lehre: Ausbildung hat bei dem Unternehmen einen hohen Stellenwert, 7 Prozent der Mitarbeiter sind Azubis.

Inzwischen ist die Belegschaft so flexibel, dass sie 130.000 verschiedene Stecker herstellen kann. Das macht es auch leichter, Krisenzeiten durchzustehen. Roth: „Wir hatten einen Umsatzeinbruch von 45 Prozent.“ Der Betrieb sei aber ohne betriebsbedingte Kündigungen ausgekommen. „Jetzt sind wir froh, dass wir die Leute an Bord haben.“

 

Übrigens ...

Viele Betriebe senken die Kosten

A uf den globalen Wettbewerb reagiert die deutsche Wirtschaft mit Kostensenkungsprogrammen: Jeder zweite Betrieb will trotz Aufschwung seine Produktionskosten senken, ergab eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach und des Beratungsunternehmens Kerkhoff.

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