150. Jubiläum

So entwickelte sich Höchst vom Konzern-Standort zum Industriepark


Höchst. Chemie-Lehrling in den 70er-Jahren, das war vor allem eins: schweißtreibend. „Was haben wir geschleppt und geschaufelt. Bis wir Blasen an den Händen hatten“, erinnert sich Hans-Werner Bär.

Vor 37 Jahren begann er seine Ausbildung zum Chemie-Facharbeiter im damaligen Konzern Hoechst. Der Volksmund nannte das Stammwerk „Rotfabrik“ – wegen der roten Farbe, die dort hergestellt wurde.

Die Azubis schliefen in Zweibettzimmern im Lehrlingswohnheim. „Morgens weckte uns die Herbergsmutter“, erzählt Bär und lacht. Damals hieß auch das Betriebsrestaurant noch Kantine. Von Salatbüfett wie heute keine Spur.

Vielmehr landete eine Kelle Einheitsessen auf dem Teller, meistens Eintopf mit Wurst. Immerhin: Hoechst bezuschusste die Mahlzeiten großzügig. „Wir Azubis zahlten oft nur 75  Pfennig“, so Bär.

Auch den größten Wandel am Standort hat er miterlebt: Den Umbau und die Auflösung des Hoechst-Konzerns 1997. Alle Bereiche wurden in selbstständige Unternehmen ausgegliedert. Das war die Geburtsstunde des Industrieparks Höchst. Die Spezialchemie übernahm das Schweizer Unternehmen Clariant – fortan Bärs Arbeitgeber. Höchst ist noch heute der größte Produktions- und Forschungsstandort der Firma.

Mit fünf Arbeitern begann vor 150 Jahren die Produktion von Teerfarben

Hans-Werner Bär hat es dort weit gebracht: Er koordiniert als Produktionsmeister die Herstellung von Gelb-Pigmenten. Viele tausend Tonnen liefert der Betrieb im Jahr an die Druck- und Kunststoff-Industrie. Bär hielt seinem Arbeitgeber stets die Treue: „Meinen Chefs waren meine Meinung und Ideen immer wichtig.“ Das wisse er sehr zu schätzen.

Fast vier Jahrzehnte im Betrieb – eine lange Zeit! Doch die Ursprünge des Standorts gehen noch weiter zurück. Um genau zu sein: 150 Jahre.

Im Januar 1863 gründeten Carl Friedrich Wilhelm Meister, Eugen Lucius und Ludwig August Müller mit fünf Arbeitern die „Teerfarbenfabrik Meister, Lucius & Co.“, die späteren „Farbwerke“. Sie stellte Teerfarben und Textilfarbstoffe her. Bald kamen Pharma-Produkte dazu. Man fuhr zweigleisig – mit großem Erfolg: Anfang des 20. Jahrhunderts war das Unternehmen ein Weltkonzern. In den 50er-Jahren wuchs daraus der Chemie- und Pharmakonzern Hoechst.

Der Industriepark Höchst beherbergt heute auf 410 Hektar rund 90 Unternehmen und ist der führende Standort für die Chemie- und Pharma-Industrie in Hessen. Etwa 5,5 Milliarden Euro investierten die Betriebe in den vergangenen zwölf Jahren.

Mehr zum Jubiläum lesen Sie unter:

www.150Jahre-Menschen-Standort-Werte.de

Artikelfunktionen


Schlagwörter: Chemie Produktion

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang