Menschen

So entschlossen wie diskret


Alles im Griff und im Blick: Elisabeth Hiller an ihrem Arbeitsplatz. Foto: Bodmer

Elisabeth Hiller ist Werkschützerin bei Audi

Ingolstadt. Eine Begrüßung und freundliche Worte für jeden, der vorbeikommt, manchmal auch eine Aufmunterung – so versteht Elisabeth-Sofie Hiller ihren Job in der Eingangshalle des  Audi-Vorstandsgebäudes. „Klar bin ich ab und zu auch Kummerkasten.“ Zum Beispiel, wenn es zu Hause Ärger mit den Kindern gibt.

Tagtäglich kommen bei ihr Mitarbeiter des Automobil-Herstellers vorbei, aber auch Manager von Zulieferern oder Politiker. Seit 16 Jahren arbeitet die 47-Jährige als Werkschützerin am Stammsitz des Autokonzerns in Ingolstadt.

Für „Lisa“ Hiller, wie Kollegen sie rufen, gehört es zum Handwerk, dass sie möglichst sofort weiß, wen sie vor sich hat. Dafür klickt sie sich durch die Personalmeldungen im konzerneigenen Netzwerk und durchforstet „Autobild“ und „Spiegel“ ebenso wie Boulevard-Zeitungen.

Von ihrem Empfangspult im Vorstandsgebäude aus lotst sie aber auch Besuchergruppen oder mal einen Klempner wegen eines tropfenden Wasserhahns an die richtige Stelle.

Auch Gottschalk und Schwarzenegger betreut

Eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen und sich auf ihr Gegenüber einzustellen, ist für Hiller selbstverständlich: „Und wenn Leute sich wohlfühlen, erzählen sie auch mal etwas Persönliches“, sagt sie schmunzelnd. „Zum Beispiel, dass jemand aus dem Vorstand gerne Holz hackt in seiner Freizeit.“ Und macht zugleich trotz ihres Lächelns klar, dass man Namen von ihr nicht erfährt. Diskretion ist Ehrensache.

Als frühere Judoka und Reiterin vertraut die verheiratete Mutter einer Tochter auf ihr routiniertes Auftreten: „Meine größte Waffe ist meine Freundlichkeit“, sagt Hiller und drückt drei Tasten auf dem Pult vor ihr, um einem Besucher Zutritt zu gewähren – nachdem sie die Monitore vor sich überflogen und den Gast als unbedenklich eingestuft hat.

Hiller betreut bei Sponsoring-Events von Audi auch ab und zu Prominente, wie Thomas Gottschalk oder Arnold Schwarzenegger. „Die sind richtig nett.“ Aber am Rande von Messe-Auftritten  beispielsweise muss die zierliche Frau, die so gar nicht dem Bild eines Türstehers entspricht, auch immer wieder unangenehmen Zeitgenossen charmant, aber entschlossen die Stirn bieten – und ihren Arm. „Es kommt auch mal vor, dass ich mich zum Beispiel Leuten, die unbedingt in den VIP-Bereich wollen, entgegenstellen und den Weg Richtung Ausgang weisen muss – ohne sie allerdings zu berühren“, beschreibt sie ihre Taktik. Das habe bisher immer funktioniert.

„Nie um eine Antwort verlegen“

Und wie geht sie mit Macho-Sprüchen um? Da lächelt sie wieder und zuckt mit den Schultern: „Ach, man darf nie um eine Antwort verlegen sein.“

Eva Schröder


Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Nach zehn Jahren in verschiedenen Bereichen der Montage bin ich für die Stelle bei der  Werksicherheit empfohlen worden.


Was gefällt Ihnen besonders?

Ich habe schon immer gern mit vielen verschiedenen Menschen zu tun gehabt. Dabei behandle ich jeden gleich freundlich.

Worauf kommt es an?

Ein Gespür dafür zu entwickeln, ob ein „Grüß Gott“ gerade angemessen ist oder den anderen nur in seinem Gedankengang stören würde. Und natürlich zu wissen, wer für was zuständig ist.

 

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