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Nachwuchs in der Chemie

So bildet die BASF Fachleute professionell aus

Wie fasziniert man junge Leute für ihren Beruf? Das weiß Veronika Koch, Ausbilderin von BASF Schwarzheide. Ihr Erfolgsrezept: Immer wieder motivieren und an Beispielen aus dem Betrieb zeigen, warum man etwas lernt.

Aufmerksam: Veronika Koch erklärt, ­Florian Schlichtenberger (links) und Jupp Kretschmer lauschen. Deutsch

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Nachbereitung: Und jetzt noch die Arbeitsschutzanweisungen vertiefen ... Deutsch

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Schwarzheide. Wenn Veronika Koch etwas erklärt, zieht sie die Zuhörer in ihren Bann. Ob es um die Funktionsweise einer Pumpe oder den Ablauf eines chemischen Prozesses geht: Statt mit trockenem Fachchinesisch zu langweilen, erläutert die Ausbilderin von BASF Schwarzheide anschaulich, verständlich und nachvollziehbar.

Entsprechend leicht fällt es Florian Schlichtenberger (18) und Jupp Kretschmer (17), Chemikanten-Azubis im zweiten Lehrjahr, ihr zu folgen. Mehr noch: „Sie kann sehr gut die Zusammenhänge von Theorie und Praxis vermitteln“, meint Schlichtenberger, Kretschmer findet es gut, dass sie ständig zum Nachfragen ermuntert, wenn trotz allem etwas unklar geblieben ist.

Einfach nur so im Vorbeigehen wird niemand ein guter Facharbeiter

Die jungen Leute schätzen ihre Ausbilderin, die ihnen im zweiten Lehrjahr im Technikum praktische und theoretische Grundlagen der Produktion nahebringt. Sie lässt sich auf sie ein, fordert aber Disziplin, Ordnung und Engagement. „Chemikant ist ein vielseitiger, anspruchsvoller Beruf“, betont die 62-Jährige, selbst ausgebildete Chemikantin: „Einfach nur so im Vorbeigehen wird niemand ein guter Facharbeiter.“

Stärken fördern, an den Schwächen arbeiten

Besonders wichtig für die Lausitzerin: „Man muss das Potenzial jedes Einzelnen erkennen, aber auch seine Schwächen, um ihm zu helfen, diese zu überwinden.“ Ebenfalls von großer Bedeutung sei es, die jungen Leute immer wieder zu motivieren, an Beispielen aus dem Betrieb zu zeigen, warum man etwas lernt. Seit 1978 ist Koch nach einem Studium in der Ausbildung tätig, seit 1982 in Schwarzheide. Wenn sie durchs Werk geht, trifft sie am Standort kaum Mitarbeiter, die sie nicht schon als Lehrling unter ihren Fittichen hatte. Bis zum Meister, Chemietechniker, Ingenieur und Senior Produktmanager sind einige schon aufgestiegen.

Bislang haben bei BASF Schwarzheide jährlich rund 20 junge Leute mit der Ausbildung zum Chemikanten begonnen, ab September dieses Jahres werden es 30 sein. Insgesamt steigt die Zahl der jährlich zu vergebenden Lehrstellen auf 70. „Die betrieblichen Belange erfordern das“, erklärt Personalchef Hartmut Lang, und verweist darauf, dass in den nächsten zehn Jahren vermehrt Mitarbeiter in den Ruhestand gehen werden. Den Fachkräftebedarf zu sichern, ist ein anspruchsvolles Vorhaben, konnten doch die Unternehmen, die zum Arbeitgeberverband Nordostchemie zählen, im vergangenen Jahr von 629 Lehrstellen nur 577 besetzen. „Die Zahl der Schulabsolventen geht zurück, viel mehr junge Leute als vor zehn Jahren möchten studieren.“

Lang kennt die Trends, weiß aber auch um die verstärkten Anstrengungen der Betriebe, Nachwuchs zu rekrutieren. Auch bei BASF Schwarzheide: „Wir sind mit regionalen Schulen Partnerschaften eingegangen, bieten Praktika und Elternabende, Schüler können das Werk besichtigen, wir haben das Programm ‚Mitarbeiter werben Mitarbeiter‘ auch auf Azubis ausgedehnt“, zählt er einige Aktivitäten auf.

„Wir sind optimistisch, dass wir alle Lehrstellen besetzen können“, sagt Lang und setzt dabei auch auf die Anziehungskraft des Tarifvertrags und das große Bündel an sozialen Maßnahmen. So erhalten etwa Mütter und Väter mit Kindern bis sechs Jahre bei BASF Schwarzheide einen extra Tag im Monat frei.

Dazu beitragen, dass junge Leute ihren Weg finden

Veronika Koch und ihre Kollegen aus der Ausbildung gehören ebenfalls zum attraktiven Angebot für junge Leute. Nur wenige Betriebe wie BASF Schwarzheide leisten sich noch eine eigene Ausbildungsabteilung, die zudem zielgerichtet die Stärken der Azubis fördert. Auch nach der Lehre im Programm „TOP-Team“: „Die jungen Facharbeiter durchlaufen zunächst in drei Jahren drei verschiedene Abteilungen in der Produktion“, so Koch.Demnächst wird Veronika Koch in den Ruhestand gehen, mit einem weinenden und einem lachenden Auge.

„Der Beruf ist einerseits fordernd und anstrengend, man bekommt aber andererseits viel zurück, wenn die jungen Leute ihren Weg gefunden haben und man einen Teil dazu beigetragen hat.“ Dann bleibt ihr mehr Zeit für Haus und Garten, für die Laufgruppe, fürs Wandern und Radfahren. Und ihre ehemaligen Lehrlinge trifft sie dann nicht mehr im Werk, sondern beim Einkaufen.

 


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Schon früh wollte ich Lehrerin werden. Anderen Wissen vermitteln, ist in der Ausbildung wegen der Verbindung von Theorie und Praxis aber interessanter.

Was reizt Sie am meisten?

Man hat ständig mit neuen jungen Leuten zu tun, die immer wieder anders sind und auf die man sich einstellen muss. Zudem bleibt man fachlich am Ball.

Worauf kommt es an?

Das Potenzial jedes Azubis erkennen und fördern, aber auch die Schwächen sehen und bei deren Überwindung helfen.

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