Standort D

So baggert sich Komatsu Hanomag aus der Krise


Enger Schulterschluss zwischen Belegschaft und Geschäftsführung

Hannover. Vier Monate wurde gebaut, jetzt ist das neue Testgelände fertig. Komatsu Hanomag hat einen weiteren Schritt in Richtung Standortsicherung gemacht. Von Hannover aus wird der Baumaschinenhersteller nun alle Entwicklungsaktivitäten für ganz Europa ausführen.

Gut drei Fußballfelder ist das neue Testgelände groß und in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Büros der Entwickler. Die können nun wichtige Reiß- und Zugkräfte testen, Geschwindigkeiten prüfen und Geräuschmessungen vornehmen. In den Produktionshallen nebenan sind überdies neue Rollenprüfstände installiert – alles vom Feinsten, angenehm hell und bestens belüftet.

„Die Hallen sind nicht wiederzuerkennen“, schwärmt der Betriebsratsvorsitzende Peter Volle. Er ist seit 20 Jahren im Unternehmen beschäftigt.

Standort aufgewertet

Die Baumaschinenhersteller weltweit stecken in einer schweren Krise. Dennoch setzt der Komatsu-Konzern auf Hannover. „Das ist ein Erfolg, den wir auch der guten Zusammenarbeit mit unserer Belegschaft zu verdanken haben“, sagt Firmenchef Göksel Güner. „Der Standort wird deutlich aufgewertet und langfristig ausgerichtet.“ 42 Millionen Euro hat der japanische Konzern in den letzten vier Jahren investiert.

Beherzt durch große Krisen gehen – und das innerhalb des Flächentarifs. Wie das funktionieren kann, dafür ist Komatsu Hanomag ein gutes Beispiel.

Es begann schon vor der Weltfinanzkrise: Nach Rekordaufträgen brachen die Bestellungen extrem ein. „Wir mussten eine Vollbremsung machen, damit die Bestände bei den Händlern nicht zu groß gerieten“, berichtet Geschäftsführer Güner.

Umsatz und Stückzahlen sind gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte eingebrochen. Statt 4.000 Fahrzeuge wurden im letzten Geschäftsjahr nur noch 2000 gebaut.

Belegschaft und Geschäftsführung ziehen seit Monaten an einem Strang. „Wir wollen unsere Fachkräfte halten. Wenn die Konjunktur wieder anzieht, wird jeder Einzelne benötigt“, sagt Güner.

In einem ersten Schritt strich sich die Führungscrew alle Bonuszahlungen, weil auch alle Mitarbeiter durch Kurzarbeit finanziell stark gebeutelt sind. Die nutzt man bei Komatsu Hanomag pragmatisch.

Im Wochen-Rhythmus wird entschieden, wie die Schichtmodelle eingeteilt werden. „Wir arbeiten dann, wenn wir Aufträge haben“, bringt es der Chef auf den Punkt.

Sozialpartnerschaft funktioniert

Außerdem hilft der Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung. Der wurde kürzlich verlängert, gilt nun bis Ende des Jahres. „Wir haben von Anfang an eng mit dem Betriebsrat und der IG Metall zusammengearbeitet“, sagt Personalchef Hubert Brüning. Sozialpartnerschaft in der Krise – hier funktioniert es.

Für Krisenzeiten bieten viele Tarifvereinbarungen Öffnungsklauseln. Einzelne Betriebe können die Löhne senken, wenn sie in Not geraten. Auch die Arbeitszeit ist mit Zustimmung der Gewerkschaft oft variabel geregelt. Fehlt es an Aufträgen, können die Betriebe die Wochenarbeitszeit vorübergehend verringern.

Der Flächentarifvertrag – andere Länder kennen das so nicht – hat auch in Japan Eindruck hinterlassen. „Dort ist man sehr beeindruckt, wie wir hier unsere Probleme gemeinsam lösen“, sagt Firmenchef Güner.

Werner Fricke

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