Familienunternehmen

Sind die dick, Mann!


Die Hochdruckbehälter von Stabo halten extreme Kräfte aus.

Siegen. Unter dem ungeheuren Druck einer Walze biegt sich die zehn Zentimeter dicke Stahlplatte. Udo Leibling steuert die Anlage, achtet darauf, dass Druck und Winkel stimmen. Er zieht den einen Hebel ein bisschen nach oben, drückt den anderen nach unten. Eine Viertelstunde später ist aus der Platte ein riesiges Rohr geworden.

Fachleute bezeichnen den Rundkörper als „Mantel“. Er ist  das Hauptteil einer Hochdruck-Dampftrommel. Und Dampftrommeln sind das Kerngeschäft der Siegener Stabo Stahlbau Boschgotthardshütte GmbH.

Stabo gehört hierzulande zu den Unternehmen, welche die dickwandigsten Behälter herstellen. Die aus Siegen haben eine Stärke bis zu 200 Millimeter. „Alles unter 40 Millimeter ist für uns Dünnblech“, sagt Andreas Helmrath, Geschäftsführer und Mitglied der Gesellschafterfamilie.

Weltmarktanteil von 40 Prozent

Solide müssen sie schon sein, die Behälter. Damit sie mehr als 100 bar aushalten, etwa das 50-fache des Drucks in einem Autoreifen.

80 Prozent der Produktion entfallen auf Dampftrommeln. Die kommen in Kraft– und Stahlwerken sowie Müllverbrennungsanlagen zum Einsatz. Hier haben sie eine wichtige Funktion.

Kleiner Ausflug in die Physik: Das Verbrennen von Kohle, Gas, Biomasse und Reststoffen bringt Wasser unter hohem Druck zum Sieden. Der Dampf wird im Kessel überhitzt und treibt eine Turbine an. Und die Stabo-Trommel ist ein zentraler Teil dieser Anlage: Sie scheidet den Dampf vom Wasser ab.

Solche Hochdruck-Trommeln sind vor allem in Kraftwerken zu finden, die bis zu 300 Megawatt Strom erzeugen. Hier haben die Siegener einen Marktanteil von 40 Prozent – weltweit!

Der Hersteller ist vor allem dort gut im Geschäft, wo die dezentrale Energieversorgung ausgebaut wird. Das ist etwa in Deutschland der Fall, wo im Zuge des Öko-Wandels die Zahl der Biomasse-Kraftwerke stetig steigt.

Aber auch Länder mit riesiger Fläche wie Russland, Indien und China setzen zunehmend auf die regionale und lokale Versorgung. Das gilt für erneuerbare Energien ebenso wie für Strom aus Kohle. Und Spanien nutzt die Sonnenkraft für große solarthermische Kraftwerke: „Auch dafür haben wir schon Bauteile geliefert“, so Christoph Brandt, der zweite Geschäftsführer.

Kein Wunder also, dass die letzten fünf Jahre Stabo glänzende Geschäfte bescherten. Statt wie bis dahin um die 40 Trommeln pro Jahr, setzten sie nun bis zu 60 ab.

In der Produktion ist viel Know-how gefragt. Das betrifft auch die Schweißnähte, die die Einzelteile des Druckbehälters zusammenhalten. Sie dürfen unter dem hohen Druck nicht reißen. Den Mantel exakt auf die vorgegebene Temperatur vor- und nachwärmen, die Naht in mehreren Schichten gleichmäßig legen und jeden Schritt zwischendurch prüfen: „Davon hängt die Sicherheit der Anlage ab und dafür sind Fachkräfte erforderlich,“ so Brandt.

Handarbeit ist unverzichtbar

Die zieht sich die Firma selbst heran. Knapp die Hälfte der 50 Mitarbeiter hat ihre Ausbildung hier absolviert.

Einer von ihnen ist Frank Reitz, seit 25 Jahren im Betrieb. Er schweißt die Vorwärmerstutzen an einer Dampftrommel an: „Durch sie fließt das Wasser rein und wieder raus“, erklärt er. Da sie schräg sitzen, können sie nur von Hand geschweißt werden.

„Eigengewächse“ wie Reitz sind wertvoll für das Unternehmen. Sie kennen die speziellen Produktanforderungen aus dem Effeff – und sind motiviert bei der Sache, wenn ein Projekt höchsten Einsatz erfordert. Brandt: „Unsere Trommeln sind Teil großer Anlagen. Bei nur einem Tag Verspätung werden wir in die Haftung genommen.“

 

Info: STABO GmbH

Die Siegener Firma gehört zum Familienunternehmen Rostfrei-Stahl Geisweid GmbH und produziert vor allem Hochdruck-Dampftrommeln für die Energiebranche. Ein zweites Standbein sind Hochdruck-Behälter für die chemische Industrie sowie diverse Teile für den Maschinen- und Anlagenbau. Mehr als 90 Prozent der Produkte sind für den Export bestimmt. Stabo hat 50 Mitarbeiter und sieben

Azubis. 2010 erreichte der Umsatz rund 9 Millionen Euro.

 

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