Hier wohnt das Internet

Siemens Gebäudetechnik betreut Rechenzentren – die „Fabriken des 21. Jahrhunderts“

Frankfurt. Im Keller schlummern die Giganten: Aufgereiht wie graue Riesen stehen die Server-Schränke im Rechenzentrum der Telekom in Frankfurt.

Der grün blinkende Datenspeicher wird von der Siemens Gebäudetechnik umsorgt, mit Energie gefüttert und so streng bewacht wie Fort Knox in den USA. Hier ruhen die Daten, die Internet-Nutzer in der Cloud abspeichern.

30 Kameras sichern das Haus mit den stahlverstärkten Wänden von außen. Wer den Zaun erklimmt, löst Alarm aus. Im Boden sind Detektoren eingelassen, die Türen trotzen Panzerwaffen. Der Sicherheitsdienst ist rund um die Uhr vor Ort und bewacht den rasant wachsenden Datenschatz von Firmen wie Privatpersonen. Mehr als 50 Milliarden Geräte werden bis 2020 weltweit vernetzt sein, schätzen Experten. „Die Datenmenge wächst in fünf Jahren von aktuell 4,4 Billionen Gigabyte auf 44 Billionen“, sagt Uwe Großmann, Deutschland-Leiter Service der Siemens Gebäudetechnik. Diese Mengen können nur noch Profis beherrschen.

„Data Center sind die Fabriken des 21. Jahrhunderts“, so Großmann. In dem 4 200 Quadratmeter großen Frankfurter Center stehen gut 3 000 Server. „Wir machen es unseren Computern hier so richtig gemütlich“, scherzt Rechenzentren-Experte Christian Schmidt und blickt auf den grauen Teppichbelag. Der dämpft das laute Rauschen der Lüfter.

Gleichzeitig sorgen variable Schlitze in dem dicken Filz für eine optimale Zirkulation der Luft, die von unten durch den Boden strömt. „Die Kühlung schluckt gut 40 Prozent der gesamten Energie“, berichtet Schmidt. Bei Stromausfall droht eine schnelle Überhitzung der Server. Eine Krisensituation, die nicht eintreten darf: „Wird der Stromfluss für nur zehn Millisekunden unterbrochen, kann bereits der gesamte IT-Betrieb zum Erliegen kommen!“, so Schmidt.

Deshalb hat jeder Server eine doppelte Stromversorgung, im Notfall springen Diesel-Generatoren an. Das Data Center benötigt jährlich so viel Strom wie 7 500 Einfamilienhäuser. Siemens setzt auf Effizienz und Automatisierung: In bereits bestehenden Rechenzentren lassen sich bis zu 10 Prozent Energie einsparen.

Data Center als Wachstumsmarkt

Eine zentrale Rolle spielt zudem der Brandschutz. Bei Feuer oder Schmorbränden strömt Löschgas (Argon) aus speziellen Düsen an der Decke. Da die Lärm-Vibration die empfindlichen Festplatten zerstören würde, hat Siemens jetzt ein wesentlich leiseres System entwickelt.

Mit seinem Know-how will sich der Konzern nun am Markt behaupten: „Wir sehen ein Volumen von 10 Milliarden Euro und ein jährliches Wachstum von 11 Prozent“, so Service-Manager Großmann. Er rechnet mit einer Auftragssteigerung bei Data Centern um jährlich bis zu 30 Prozent in den nächsten drei Jahren.


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