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Für das bessere Bild vom Menschen

Siemens-Forscher Markus Vester macht Kernspintomografen leistungsfähiger

Kernspintomografen gehören schon lange zum Standard der Medizin-Diagnostik. Aber auch für neue Geräte gibt es immer noch Verbesserungspotenzial. Ideen dazu entstehen unter anderem im Erlanger Büro von Markus Vester.

Sorgt für Durchblick: Markus Vester vor einer Ganzkörperaufnahme. Foto Karmann

Sorgt für Durchblick: Markus Vester vor einer Ganzkörperaufnahme. Foto Karmann

Heute Standard in der Medizin: Der Ingenieur vor alten Bildern vom Körperinneren. Foto: Karmann

Heute Standard in der Medizin: Der Ingenieur vor alten Bildern vom Körperinneren. Foto: Karmann

Pionierarbeit: Vester am Magnetom, dem ersten kommerziellen MRT-Gerät von Siemens aus dem Jahr 1983. Foto: Karmann

Pionierarbeit: Vester am Magnetom, dem ersten kommerziellen MRT-Gerät von Siemens aus dem Jahr 1983. Foto: Karmann

Erlangen. Da wirken gewaltige Kräfte: 20.000 Mal stärker als das Magnetfeld der Erde sind die Komponenten, die der Technologiekonzern Siemens Healthineers in seinen Kernspintomografen einsetzt. Markus Vester (59) hat an der Entwicklung der bildgebenden Technik von Anfang an mitgewirkt. Sie wird überwiegend in der medizinischen Diagnostik und Forschung eingesetzt. Von seinem Arbeitgeber wurde der promovierte Elektrotechnik-Ingenieur nun als einer von 13 Forschern ausgezeichnet – für sein Lebenswerk.

Und das kann sich sehen lassen. Die Bilanz nach 33 Jahren in der Medizintechniksparte von Siemens: 195 Erfindungen, aus denen 370 Einzelpatente entstanden. „Es war eine spannende Zeit“, so der Ingenieur aus Erlangen. „Im Labor hat es öfter mal geraucht, wenn ein elektrischer Widerstand zu heiß geworden ist.“

Erforscht und entdeckt hat Vester vieles, was in aktuellen Modellen steckt, die auch Magnetresonanztomografen (MRT) heißen. Unter anderem wurden die Sende- und Empfangseinheiten der Geräte im Lauf der Zeit stetig verbessert. Nicht selten hat Vester dafür selbst als Proband auf dem Untersuchungstisch gelegen.

Hochauflösende Bilder aus dem Körperinneren

Die Geräte liefern – ohne Röntgenstrahlen – hochauflösende Bilder aus dem Körperinneren und helfen Ärzten so bei der Diagnose. Zu koordinieren sind dafür ein Magnet, eine Antenne, die Radiowellen aussendet, ein Empfänger sowie ein Computer, der die Signale in Bilder umsetzt. Ein Meilenstein, an dessen Erreichen Vester maßgeblich beteiligt war, ist die heute oft eingesetzte parallele Bildgebung. Dabei empfangen mehrere Antennen gleichzeitig die Signale: „Die Kunst ist, sie so zusammenzuschalten, dass ein optimales Bild entsteht.“

Ein weiterer Meilenstein war die Vergrößerung des Rohrdurchmessers von 60 auf 70 Zentimeter, was heute weitestgehend Standard ist. „Die Röhre war fortan nicht mehr so eng – eine große Verbesserung“, sagt Vester. Es gelang, weil er einen Weg fand, die Antennenspule dünner auszulegen.

Der Ingenieur hat im inzwischen eine Menge Expertise angesammelt. Als „Principal Key Expert“ besteht seine Aufgabe heute vor allem darin, Entwickler zu beraten: „Ich habe eine Menge Meetings.“

Ideen für mehr Platz – und weniger Unschärfe

Der Erfinder erklärt: „Spannend wird’s, wenn Probleme auftauchen.“ Diese gemeinsam zu lösen, macht ihm Spaß: „Das fordert mich als Ingenieur.“ Mitunter sucht er zum Nachdenken auch die Stille draußen in der Natur. Doch die besten Ideen kommen oft im Dialog mit den Kollegen: „Erfinden, das passiert nicht immer allein im stillen Kämmerlein.“

Und Vester hat noch jede Menge neuer Ideen, etwa, wie Geräte kompakter gebaut werden könnten. Zudem beschäftigt er sich gerade mit softwaregestützten MR-Verfahren, die gegen Bild-Unschärfen arbeiten – wenn ein Patient während der Aufnahme wackelt. „Vielen, vor allem Kindern, fällt das Stillhalten in der Röhre schwer“, sagt Vester.


Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf? 

Als Kind haben mich Röhrenradios fasziniert. Vom Sperrmüll haben wir alte Fernseher nach Hause geschleppt und zerlegt – bis ich dann einen Elektrobaukasten bekam.

Was reizt Sie am meisten?

Dass es immer wieder gelingt, für ein technisches Problem gemeinsam eine Lösung zu finden.

Worauf kommt es an?

Wissen wollen, wie komplexe Dinge funktionieren. Um Dingen auf den Grund zu gehen, braucht es Freiraum für Querdenker.

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