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Siegertypen "Made in Germany"


Fertigung in Deutschland hat Zukunft: Wenn die Leistung stimmt

Walldürn. Es hat sich herumgesprochen in Walldürn (12.000 Einwohner). Beim größten Arbeitgeber der Stadt im Odenwald kommen etwa 100 der 1.000 Mitarbeiter morgens unrasiert.

Der Grund: In dem Werk stellt das Unternehmen Braun täglich Tausende Rasierapparate her, „Made in Germany“. Deren Qualität muss stimmen, daher testen die Mitarbeiter ihre Produkte selbst.

Auch der Super-Rasierer, der jüngst bei der Stiftung Warentest am besten abschnitt, kommt aus dem baden-württembergischen Walldürn. Im Elektronik-Markt steht er oft zwischen vielen Modellen aus Billiglohnländern.

Braun: Jedes Jahr 10 Prozent produktiver

Wer hierzulande fertigt, muss produktiv sein. Unsere Industrie hat höhere Arbeitskosten als die meisten anderen Länder (siehe Grafik).

Und: In der Metall- und Elektro-Industrie sind die Lohnkosten je Produkteinheit 2009 krisenbedingt um ein Fünftel gestiegen.

Dafür sind wir sehr leistungsfähig. Bei der Produktivität belegen wir unter 22 Industriestaaten Platz fünf, das ergab eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Bei Braun in Walldürn ist erklärtes Ziel, die Produktivität ständig zu steigern – „jedes Jahr um 10 Prozent“, sagt Werkleiter Michael Hirthammer.

„Daher hat jeder die Aufgabe, seinen Arbeitsplatz laufend weiterzuentwickeln.“ Gefragt sind Ideen, die Zeit, Material und andere Kosten sparen, etwa durch den Umbau von Maschinen, die Zusammenführung von Arbeitsschritten oder die Gestaltung der Arbeitsplätze. Hirthammer: „In einzelnen Bereichen haben wir die Produktivität in drei Jahren sogar um 70 Prozent verbessert.“

Braun stellt in dem Werk auch Epiliergeräte und Fieber-Thermometer her. Alle Produkte werden im hessischen Kronberg entwickelt. Die Nähe von Entwicklung und Fertigung ist für Braun wichtig: Schon Jahre, bevor ein Gerät vom Band läuft, sitzen Fachleute aus der Produktion mit den Entwicklern am Tisch. Denn sie kennen die Arbeitsschritte am besten.

Sparpotenzial liegt im Detail

So ist zum Beispiel ein Spritzgussteil aus drei Komponenten für ein Epiliergerät entstanden: Es hat nicht nur ein innovatives Design, sondern macht die Geräte gleichzeitig wasserdicht.

„Man könnte das Gleiche auch mit Dichtungen erreichen“, erläutert Hirthammer. „Aber das wäre teurer und nicht so hochwertig.“

Die Walldürner dürfen die Einzelteile übrigens nur dann selbst fertigen, wenn sie das auch zum besten Preis im Vergleich mit anderen Anbietern schaffen. „Das ist für uns ein großer Ansporn“, sagt Hirthammer. „Jeder Mitarbeiter muss wissen, dass er im Endeffekt für seinen eigenen Arbeitsplatz arbeitet, nicht für einen Geschäftsführer oder Aktionär.“

Die Zukunftsperspektiven der deutschen Betriebe sind laut einer Analyse der Unternehmensberatung McKinsey gut. Ihre Prognose: Die Industrie bleibt das Fundament der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands. Sie trägt heute und in Zukunft ein Viertel zur gesamten Wirtschaftsleistung bei – „mehr als in jedem anderen großen Industriestaat“.

Barbara Auer

Stecker, Schnellzüge und mehr

Die Kombination aus innovativen Ideen und effizienter Fertigung macht viele Produkte aus deutscher Herstellung weltweit erfolgreich.

So fertigt der Mittelständler Mennekes unter anderem Steckdosen im sauerländischen Kirchhundem und präsentierte auf der Hannover Messe den Ladestecker fürs Elektro-Auto, der auf dem Weg zum internationalen Standard ist. Zwei Drittel der 800 Mitarbeiter beschäftigt die Firma in der Bundesrepublik, obwohl sie mit ihren 11.000 Produkten in 90 Ländern vertreten ist.

Auch große Konzerne setzen ungebrochen auf deutsche Werke. Wie Siemens: Der Konzern baut jetzt in Krefeld 15 Hochgeschwindigkeitszüge einer neuen Generation. Der Super-ICE kann in noch mehr Ländern fahren und sichert nach Angaben von Siemens hierzulande rund 2.000 Arbeitsplätze.

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