Familienunternehmen

Sie drücken auf die Tube


Firma im Rheinland produziert schlanke Schutzhüllen für Cremes aller Art

Am Streit um die Zahnpasta-Tube sind schon Ehen zerbrochen. Darüber müssen Oliver Höll und Clemens Behrenbruch schmunzeln. Schließlich tragen sie, unbeabsichtigt, zu manchem Rosenkrieg bei. Die beiden sind Geschäftsführer der Karl Höll GmbH & Co. KG. Und die stellt eben solche Tuben her.

Von 2 Gramm bis 250 Gramm

Die 345 Mitarbeiter fertigen Jahr für Jahr 440 Millionen Tuben – am Stammsitz am Rhein sowie im Zweigwerk in Kirchheimbolanden (Pfalz). Rund 5.000 verschiedene Tuben gibt es: von 2 Gramm bis 250 Gramm Inhalt.

Mit dem 43-jährigen Höll ist mittlerweile die fünfte Generation am Ruder. Für den Ururgroßenkel des Firmengründers ist die große Vielfalt selbstverständlich: „Eine Tube ist maßgeschneidert für das Produkt des Kunden.“ Höll fertigt die schlanken Schutzhüllen vor allem aus Alu, die aus Laminat tragen lediglich 25 Prozent zum Umsatz bei.

Tuben werden zwar immer gebraucht. Doch nach dem Rekordjahr 2007 musste das Unternehmen in den folgenden beiden Jahren „eine Delle beim Umsatz“ verkraften, sagt der zweite Chef Behrenbruch (44): „2010 stehen wir wieder auf festem Boden.“

Auch, weil der Hersteller in der Krise in neue Technik investiert hat. Er nahm in den vergangenen drei Jahren insgesamt 6 Millionen Euro in die Hand: 4,5 Millionen Euro davon flossen in eine Fertigungsanlage für das pfälzische Werk. Sie ist die modernste der Welt – und spuckt pro Minute 200 der schlanken Alu-Teile aus.

Sechs von zehn Hüllen für Pharma-Branche

Die Hüllen haben es in sich: Sie schützen den Inhalt ausgezeichnet, denn Alu ist eine 100-prozentige Barriere. Zudem lassen sich die mit Cremes gefüllten Behälter gut entleeren.

In die Erzeugnisse aus Langenfeld kommt längst nicht nur Zahnpasta, Senf oder Mayonnaise rein.

Zu 60 Prozent gehen sie an die Pharma-Industrie: Gerade Kunden wie Bayer, Stada, Ratiopharm oder Pfizer stellen extrem hohe Anforderungen an Reinheit und Hygiene – und das gilt natürlich auch für die Tuben.

Deshalb tragen bei Höll alle Mitarbeiter Haarhauben. Die runden Behälter für die Arzneimittel-Hersteller werden in einem Reinraum versandfertig gemacht. Hier sind zusätzlich Überziehschuhe und weiße Kittel Pflicht.

Die guten Eigenschaften und die aufwendige Produktion stehen in Widerspruch zum angestaubten Image des Produkts, ärgert sich Höll: „Dabei ist das Alu-Teil der Audi unter den Tuben.“

Im wahrsten Sinne. Beide, sowohl der Audi als auch die Tube, haben eine Hülle aus Aluminium. Und 83 Prozent aller Alu-Verpackungen werden recycelt. Deshalb war so manches Auto im ersten Leben mal ein Behälter.

Da bekommt der Spruch vom Beifahrer „Jetzt drück aber mal auf die Tube!“ plötzlich einen tieferen Sinn.


Info: So entsteht eine Tube

Die Tuben-Produktion ist aufwendig. Ausgangsmaterial sind Aluminium-Plättchen, sogenannte Butzen.

Darauf drückt ein Werkzeugbolzen mit einer Kraft von 150 Tonnen. Dadurch wird der Butzen für Bruchteile einer Sekunde flüssig und zu einem Rohr verformt.

Das wird nun auf Länge geschnitten, zudem wird das Gewinde für den Schraubverschluss gerollt.

Jetzt machen 450 Grad Celsius Hitze im Glühofen den Rohling weich, damit sich die fertige Tube ausdrücken lässt.

Es folgen Innenlackierung und Aufdruck. Der Verschluss wird aufgeschraubt.

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