Export

Sie bringen die Welt auf Touren


Egal ob Lkw, Lok oder Maschine: Die Firma Spicer sorgt für volle Leistung

Essen. Das gut 1,2 Tonnen schwere Rohr ist fertig montiert und verschweißt – nun manövriert Drago Paurevic es mit seinem Kran in die Lackiererei. Es ist kein normales Rohr, an seinen beiden Enden sitzt ein Kreuzgelenk. Der Rundling wird bald dafür sorgen, irgendwo auf der Welt etwas in Bewegung zu setzen.

Die Rohre – das sind im Fachjargon Kreuzgelenkwellen. Und die fertigt der Arbeitgeber von Paurevic, das Essener Unternehmen Spicer Gelenkwellen (GWB), in den verschiedensten Varianten. Ohne ihre Erzeugnisse bewegt sich keine Maschine, kommt kein Lkw und keine Lokomotive von der Stelle. Denn Kreuzgelenkwellen sorgen mit dafür, dass Motoren ihre Leistung entfalten.

China und USA sind die wichtigsten Märkte

Die schwersten Kreuzgelenkwellen von Spicer GWB bringen es auf 40 Tonnen und kosten ein paar 100.000 Euro. Die zuletzt ausgelieferte Welle wog 29 Tonnen und war 15 Meter lang. „Die ging per Schiff nach Brasilien in ein Stahlwalzwerk, das ein deutscher Schwermaschinenbauer dort für seinen Kunden baut“, sagt Werkleiter Dirk Klein. 

Von Essen in die weite Welt: Für die Spicer ist das Auslandsgeschäft schon lange ein entscheidender Wachstumstreiber. Und das Unternehmen will seine Exporte noch weiter steigern, vor allem mit schweren Kreuzgelenkwellen – zum Beispiel für Stahlwalzwerke oder für die Papierproduktion.

Mit Gelenkwellen für Anlagen und Maschinen machen die Essener das Gros ihres Umsatzes, wobei die Exporte (rechnet man auch Lieferungen mit, die über die Kunden ins Ausland gelangen) 70 Prozent ausmachen.

Zum anderen baut Spicer Gelenkwellen für Lastwagen und andere Nutzfahrzeuge. Auch in dieser Sparte will die Firma den Export weiter hochfahren. Um wie viel Prozent, das wollen Werkleiter Klein und Vertriebsleiter Harald Dierich selbstverständlich nicht verraten – „wegen der Wettbewerber“.

Vor allem in Brasilien, Russland, Indien und China will Spicer noch mehr ins Geschäft kommen. Wobei China, so Dierich, nach den USA „unser umsatzstärkster Markt werden soll. Daher bauen wir unser Verkaufsbüro in Schanghai aus.“ Nach China will Spicer  vor allem Schwergelenkwellen für die dortige Stahlproduktion liefern.

Derzeit aber brummt das Geschäft für die Essener vor allem in den USA – dort laufen Kreuzgelenkwellen zur Gewinnung von Erdöl wie geschmiert. Zum Einsatz kommen sie in Pumpen, die das schwarze Gold aus dem Ölschlamm herauspressen.

Kurzarbeit läuft aus

All das soll Spicer wieder nach vorn bringen, denn durch die Krise sackte der Umsatz 2009 um fast die Hälfte auf etwa 90 Millionen Euro. In diesem Jahr werden es 110 Millionen Euro sein. Derzeit stünden nahezu doppelt so viele Aufträge in den Büchern wie zu Jahresanfang, so Werkleiter Klein. Deshalb läuft jetzt für die gut 500 festen Mitarbeiter die Kurzarbeit aus.

Es kommt also wieder mehr Arbeit auf die Belegschaft zu. Auch auf Drago Paurevic, der gerade die nächste Kreuzgelenkwelle zum Lackieren bugsiert.

Ulrike Wirtz

Info: Spicer Gelenkwellen GmbH

Das Unternehmen mit Sitz in Essen hat gut 500 feste Mitarbeiter, dazu kommen mehr als 30 Zeitarbeitnehmer. Es gehört zur Dana Holding Corporation in den USA – einer der führenden Automobil-Zulieferer international. Der Dana-Konzern beschäftigt weltweit etwa 22.000 Mitarbeiter und setzt im Jahr rund 5,2 Milliarden Dollar um (das sind fast 4,2 Milliarden Euro). Umsatz der Spicer GWB: rund 110 Millionen Euro.

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