Gut geschützt am Arbeitsplatz

Sicherheitskleidung: Diese Jacken halten echt was aus!


Schüttorf. Es ist ein Lichtblitz, der der blauen Schutzjacke von Manfred Herbers ordentlich zusetzt: der „Störlichtbogen“, ein greller, 20.000 Grad heißer Feuerstoß. Er entsteht aus dem ungewollten Kontakt zweier elektrischer Teile, der einen Spannungsüberschlag auslöst. „Wer ihm ungeschützt zu nahe kommt, zum Beispiel als Elektriker, kann das kaum überleben“, sagt Herbers – und deutet auf die versengte Oberschicht der Jacke.

Doch zum Glück ist das nur ein Test. Herbers ist Betriebsleiter bei Rofa in Schüttorf (Niedersachsen) – einem Hersteller von Sicherheitskleidung, der weitgehend in Deutschland produziert.

Der Störlichtbogen hat die Jacke arg mitgenommen, aber den Test hat sie gemeistert. Sie besteht aus dem robusten Spezialgewebe Nomex, das zum Beispiel auch in den Renn-Overalls von Formel-1-Piloten steckt. Rofa verarbeitet es in seinen „Persönlichen Schutzausrüstungen“ (PSA), die zwei Drittel des Geschäfts ausmachen.

Die vor gut 100 Jahren gegründete Firma steht dabei voll zum heimischen Standort: Während andere Textilhersteller aus Kostengründen gar nicht mehr in Deutschland fertigen, hat Rofa die gesamte Prozesskette, mit Ausnahme der Spinnerei, im eigenen Werk.

„Wir checken ständig die Qualität. Das geht nur vor Ort, mit gut ausgebildeten Leuten“

Dass die hierzulande „einzigartige Komplettproduktion“ bei Rofa sogar „entscheidendes Erfolgskriterium“ sei, erklärt Herbers so: „In puncto Hitze- und Flammschutz, Wetterfestigkeit oder Chemikalienschutz werden an Sicherheitskleidung höchste Ansprüche gestellt. Da müssen wir ständig die Qualität checken. Das geht nur vor Ort, mit gut ausgebildeten Leuten.“

Das angelieferte Garn wird in Schüttorf verwoben, veredelt und zu fertiger Konfektion verarbeitet. Schon die parallele Aufwicklung des Garns ist Präzisionsarbeit, genauso wie das Weben. Gerade erst wurde in drei neue Webmaschinen investiert. Sie arbeiten in einem Tempo, das das menschliche Auge nur schwer mitbekommt.

Trotzdem wird das genau kontrolliert, von Webmeister Ralf Schrop. Im Nähsaal werden die zugeschnittenen Textilien dann von etwa 70 Frauen verarbeitet, oft nach Kundenwunsch.

Dadurch ist georderte Kleidung binnen Tagen beim Kunden. So bestellen große Energieversorger und Unternehmen aus der Petrochemie direkt bei Rofa die Persönlichen Schutzausrüstungen für ihre Belegschaften. Gerade in solche Outfits wird zukünftig mehr Technik eingenäht.

Forscher der Hohenstein Institute in Bönnigheim (Baden-Württemberg) haben etwa eine raffinierte Waldarbeiter-Hose entwickelt: Ins Gewebe eingearbeitete Sensoren geben Funksignale ab, wenn die laufende Motorsäge den Sicherheitsabstand zum Hosenträger unterschreitet. Die  Säge schaltet sich dann ab.

Oft bestellen auch Mietunternehmen. Sie verlangen schnelle Lieferung und robustes Material: Jacken und Hosen müssen unzählige Waschgänge bei über 70 Grad aushalten. Normale Arbeitskleidung verkauft sich hingegen immer schwerer.

Deshalb tüftelt Rofa am Design: Im Showroom hängen zweifarbige, schlank geschnittene Hosen und Jacken. Sie könnten als Ski-Kombi durchgehen. Die Devise lautet: Arbeitskleidung soll komfortabel und modisch sein.

Das gefällt auch Kunden in den USA und Australien. Doch im Prinzip gilt für die Schüttorfer, was den Absatzmarkt angeht, der gleiche Grundsatz wie für die Produktion. „Wir setzen auf den deutschen Markt“, sagt Marketingleiter Lange. „Der ist noch lange nicht gesättigt.“

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