Mitarbeitertausch

Sichere Jobs im Verbund


Viele Betriebe fahren Kurzarbeit - doch andere brauchen trotz Krise jede helfende Hand.

Siegen. Zwei Betriebe in Nordrhein-Westfalen, gerade mal 15 Kilometer voneinan­der entfernt: Der eine kommt wegen lukrativer Aufträge aus China mit der Arbeit kaum noch nach, der andere fährt Kurzarbeit, weil unter anderem sein US-Geschäft eingebrochen ist. Und mitten­drin der Schlosser Christoph Jakumeit, der sich um seine berufliche Zukunft sorgt.

Fünf Unternehmen machen schon mit

Was also tun? In der NRW-Region Siegen-Wittgenstein, in der beide Unternehmen ihren Sitz haben, fand man jetzt eine interessante Lösung: Hier können sich nun Firmen der Metall- und Elektro-Industrie Mitarbeiter gegenseitig ausleihen.

Ein neuer Tarifvertrag zwischen IG Metall und dem Verband der Siegerländer MetallIndustriellen macht es möglich. Inzwischen beteiligen sich fünf Firmen, rund 50 Mitarbeiter wechseln vorübergehend den Arbeitgeber. Ähnliche Initiativen gibt es auch schon woanders. Zum Beispiel in Braunschweig: Dort leihen sich ausschließlich Maschinenbauer Personal gegen­seitig aus.

Christoph Jakumeit kam durch den Vorstoß in Siegen-Wittgenstein zu Achenbach Buschhütten. Bei dem Anlagenbauer in Kreuztal bei Siegen montiert der 43-Jährige Walzwerke. Die Firma floriert, die Aufträge reichen mindestens bis Mit­te 2010. Pro­­duk­tionsleiter André E. Barten: „Da ist jede Kraft gefordert.“

Jakumeit verstärkt die Mannschaft von Achenbach Buschhütten für vier Monate. Ausgeliehen ist er von dem Unternehmen Albrecht Bäumer in Freudenberg, das An­lagen zum Zuschneiden von Schaumstoff produziert und wegen der Flaute Kurzarbeit fährt.

Jakumeit stört es nicht, in einem fremden Unternehmen zu arbeiten, die Anfahrt ist jetzt so­gar kürzer. Außerdem be­kommt er das gleiche Geld. Schließlich steht er während des Einsatzes weiterhin auf

der Gehaltsliste seines eigentlichen Arbeitgebers.

Betriebsrat muss zustimmen

Achenbach-Produktionsleiter Barten ist von dem Mitarbeitertausch richtig angetan: „Wir können so mit hochqualifizierten Arbeitskräften Auftragsspitzen abfedern. Und das nicht nur in diesen schwierigen Zeiten.“

Wichtig für den Erfolg: Die Unternehmen und Personalchefs müssen sich gut kennen,  Vertrauen zueinander haben. Denn wie lange sie einen Mitarbeiter ausleihen und wie sie die Bezahlung gegenseitig abrechnen, ist deren Sache.

Der Austausch geschieht auf freiwilliger Basis. Der betroffene Mitarbeiter muss zustimmen, ebenso der Betriebsrat der verleihenden Firma. Jaku­meit, Vater von zwei Kindern, überlegte nicht lange: „Die Alternative? Klar, Kurzarbeit! Und natürlich weniger Geld.“

Bei Achenbach Buschhütten hat er sich schon gut ein­ge­arbeitet, so sein Kollege Martin Rüsche (42), eben­falls Familienvater. Rüsche ist hier seit annähernd sechs Jah­ren beschäftigt. Er war schon selbst mal an ein anderes Unternehmen ausgeliehen wor­den. Das war 2004, als neben Achenbach Buschhütten zwei weitere Be­triebe rund um Siegen einen ent­sprechenden Tarifvertrag un­terzeichnet hatten. So ge­sehen der Vorläufer der neu­en Ver­einbarung. Die fand jetzt im benachbarten Olpe

Nach­ahmung.

Wilfried Hennes

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