Mittelstand

Sicher um die Kurve


„Vormachen statt nachmachen“ ist das Erfolgsrezept von Semikron

Nürnberg. Auf den ersten Blick sieht man ihnen nicht an, was sie alles können. Die Chips und Module des Nürnberger Leistungshalbleiter-Herstellers Semikron bewirken aber so einiges. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass Aufzüge ohne zu Ruckeln anfahren und abbremsen. Und dass Achterbahnen nicht in der Luft hängen bleiben.

Technik von Semikron steckt auch in Solar- und Windkraftanlagen, Aufzügen oder Trambahnen. Kurz: überall dort, wo der Stromfluss geregelt werden muss.

Von Chips über Module bis zu kompletten Systemen: Die Produktpalette ist groß. Mehr als 21.000 Leistungshalbleiter entwickelt, baut und vertreibt das Unternehmen. Allein in der Nürnberger Semikron-Zentrale sind 1.100 Mitarbeiter beschäftigt, im In- und Ausland sind es 3.000.

Weltweit 500 Patente

Die Franken haben sich einen Namen gemacht. „Viele unserer Entwicklungen sind mittlerweile zum globalen Industriestandard geworden“, berichtet Andreas Dauer, Leiter der Unternehmensentwicklung. Wie das 1975 entwickelte isolierte Modul, das erste seiner Art in der Welt. Statt zahlloser Einzelbauteile bietet seitdem dieses eine Modul die gleiche Funktion bei viel weniger Platzbedarf.

Mehr als 60 Millionen Stück sind im Einsatz. Damit ist Semikron Weltmarktführer. „Vormachen, nicht nachmachen“ – das ist das Motto von Dirk Heidenreich, der das Familienunternehmen in der dritten Generation leitet. Es hält 500 Patente weltweit.

Die Kunden wollen kleine, kompakte und energie-effiziente Bauteile. So wie ein Hersteller für elektrisch angetriebene Gabelstapler. Dank Semikron-Leistungselektronik erreicht der Gabelträger nicht nur ruckelfrei die obersten Regale. Fährt der Träger wieder herunter, wird Energie gespeichert und direkt in die Batterie gespeist. Die Folge: Der Gabelstapler muss seltener an die Steckdose. Wie Energie gespart werden kann, daran arbeiten die Semikron-Ingenieure auch anderswo mit Erfolg. Mit ihren Bauteilen dreht sich jede zweite Windkraftanlage in der Welt.

Zusammenarbeit mit Hochschulen

Dabei sind auch Querdenker gefragt. „Unsere Forscher dürfen kreativ sein, ohne dass jede Idee zwangsläufig  in einem  Produkt endet“, berichtet der Leiter der Unternehmensentwicklung Dauer.

Die Firma ist das einzige Familienunternehmen in der Branche. Deshalb legt Semikron viel Wert auf die Zusammenarbeit mit Schulen und Hochschulen, um junge Leute für Technik zu begeis­tern. „Investition in die Zukunft“ nennt das der Halbleiterhersteller.

Wegen der Wirtschaftskrise gibt es gegenwärtig weniger Aufträge. Aber die 1.100 Arbeitsplätze sind derzeit sicher, sagt Dauer. „Wir bedienen viele Zukunfts-Branchen und haben als Familienunternehmen einen längeren Atem als Konzerne.“

Auch wegen der jüngsten Innovation: lötfreie Module, denen Temperaturschwankungen nichts ausmachen. Sie werden schon in Hyb­ridfahrzeugen eingesetzt.

Miriam Zerbel

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